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  • thewisemansfear 5:05 pm am May 7, 2015 Permalink  

    Why We Have an Oversupply of Almost Everything (Oil, labor, capital, etc.) 

    There are boundaries of the real-world economy which cannot be overcome with money.
    „We hear much about “growing efficiency” but, in fact, we are becoming less efficient in the production of energy supplies.“

    Our Finite World

    The Wall Street Journal recently ran an article called, Glut of Capital and Labor Challenge Policy Makers: Global oversupply extends beyond commodities, elevating deflation risk. To me, this is a very serious issue, quite likely signaling that we are reaching what has been called Limits to Growth, a situation modeled in 1972 in a book by that name.

    What happens is that economic growth eventually runs into limits. Many people have assumed that these limits would be marked by high prices and excessive demand for goods. In my view, the issue is precisely the opposite one: Limits to growth are instead marked by low prices and inadequate demand. Common workers can no longer afford to buy the goods and services that the economy produces, because of inadequate wage growth. The price of all commodities drops, because of lower demand by workers. Furthermore, investors can no longer find investments that…

    Ursprünglichen Post anzeigen 2.910 weitere Wörter

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  • thewisemansfear 6:33 pm am December 23, 2014 Permalink
    Tags: , , Richard Werner   

    Kurzes Update zu den letzten beiden Beiträgen. Der saudische Ölminister Naimi hat wieder für Schlagzeilen gesorgt:

    „As a policy for OPEC, and I convinced OPEC of this, even Mr al-Badri (the OPEC secretary general) is now convinced, it is not in the interest of OPEC producers to cut their production, whatever the price is,“ Naimi was quoted by MEES as saying.

    „Whether it goes down to $20, $40, $50, $60, it is irrelevant,“ he said. Quelle: businessinsider

    Keine Frage, es ist schwer zu trennen, was davon Politik und was Wettbewerbs-Ideologie ist, ja keinen Marktanteil abgeben zu wollen, aber das „Spiel“ geht wie vorhergesagt weiter. Auf NakedCapitalism gibt es etwas mehr dazu: Klick


    Vielleicht der interessantere Hinweis zum Thema „Wie kommt Geld in die Welt?“ ist der Link zu folgender Studie von Prof. R. Werner mit dem Titel „Can banks individually create money out of nothing? — The theories and the empirical evidence
    Endlich hat man die Geld“schöpfung“ einmal empirisch nachvollzogen. Wundert mich ehrlich gesagt, dass das nicht schon früher geschehen ist.
    Gefunden habe ich den Hinweis zur Studie hier: http://socialdemocracy21stcentury.blogspot.de/2014/12/who-knew-banks-create-money-out-of.html

     
  • thewisemansfear 9:00 pm am August 8, 2014 Permalink
    Tags: Christian Ehring, , , ,   

    Satire politischer denn je? 

    Das mediale Dauerfeuer hat nichts mehr mit dem Verbreiten von Informationen zu tun. Das sieht man an dem anschwellenden Konflikt in und um die Ukraine sehr gut. Mehr oder weniger subtile Meinungsmache ist an der Tagesordnung. Christian Ehring von extra3 bietet in diesem kurzen Beitrag eine gute Zusammenfassung der aktuellen Lage (über den ziemlich platten Joke mit dem Bild-„Beweis“ einfach mal hinwegsehen):

    Was wissen wir aktuell? Richtig, dass wir nichts (genaues) wissen. Dummerweise wird nach Beweisen gar nicht mehr aktiv gefragt und diese auch eingefordert. Es geht anscheinend wirklich nur noch darum, wer am schnellsten und am lautesten mit der Schuldzuweisung („DER wars!“) die Ohren und damit die Köpfe der Zuschauer und -hörer erreicht. Die Verbreitung von „Beweismaterial“ via twitter oder youtube ist da logische Konsequenz. Egal wie hanebüchen, irgendetwas wird (bei der Masse) schon hängen bleiben. So wird Wahrheitsfindung konterkariert und umfunktioniert zum aktiven Mitgestalten.

     

    Interessante Links zum Thema:

    http://vineyardsaker.blogspot.de/  (Englisch, aber mit deutschem Ableger, der mit den Beiträgen meist 1-2 Tage hinterher hinkt.)

    http://www.project-syndicate.org/commentary/william-burke-white-wants-the-downing-of-malaysia-airlines-flight-17-to-be-called-a-probable-war-crime (Englisch, spricht von einem divergierenden „public narrative“ in Ost und West)

    http://www.heise.de/tp/news/Russland-will-US-Geheimdienste-per-Social-Media-informieren-2289169.html (grenzt schon fast an Satire)

    http://www.paulcraigroberts.org/2014/08/06/will-putin-realize-russia-holds-cards-paul-craig-roberts/ (Englisch, sehr deutlicher Kritiker der US-Regierung)

    http://www.zerohedge.com/news/2014-08-08/german-handelsblatt-releases-stunning-anti-west-op-ed-asks-if-west-rabble-rousers-ar (Englisch, immer einen Besuch wert. Einschränkung: Gold-lastig)

    http://www.counterpunch.org/ (Englisch, Prio liegt derzeit beim Gaza-Konflikt)

    kleines Update mit einem Link zum Handelsblatt: http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/politik-der-eskalation-der-irrweg-des-westens-/10308844.html
    Ähnlich wie schon Joe Kaeser im berühmten Kleber-Interview lässt sich HB-Geschäftsführer Gabor Steingart nicht blindlings vor den außenpolitischen Karren spannen.
    Hinweis: Die deutsche Version ist am Ende gekürzt, die englische hingegen nicht 😉

    Und noch ein Hintergrundbeitrag über den Maidan: http://www.heise.de/tp/artikel/42/42485/1.html

     
  • thewisemansfear 2:21 pm am June 17, 2014 Permalink
    Tags: Ökosystem, , Energiewende, ,   

    Hintergrundwissen zum Thema Energie: Entropie und Exergie 

    Um die Probleme rund um Energieversorgung / Energiewende und damit zusammenhängend des Wachstums™ verstehen zu können, muss man sich mit den physikalischen Grundlagen beschäftigen. Naturwissenschaftler sollten mit dem Konzept von Entropie vertraut sein, für diese ist der Beitrag nur als Auffrischung zu verstehen.

    Um uns den Begriffen Entropie und Exergie zu nähern, schauen wir uns die zwei Hauptsätze der Thermodynamik an. Keine Sorge, die sind nur Mittel zum Zweck 🙂

    Von Energie wissen wir – entgegen des landläufigen Sprachgebrauchs – dass sie sich nicht „verbraucht“, sondern nur umgewandelt wird, z.B. in mechanische Arbeit und Wärme. Nichts anderes besagt der sog. Energieerhaltungssatz (1. Hauptsatz der Thermodynamik). Nutzbar machen in Form (elektro-mechanischer) Arbeit lässt sich Energie jedoch nur unter Ausnutzung einer Potentialdifferenz. Die riesige in den Weltmeeren gespeicherte Energie (in Form von Wärme und potentieller Energie) lässt sich nicht nutzbar machen, da sie bei Umgebungstemperatur und auf Höhe Normalnull vorliegt. Wasser fließt nun mal nur den Berg herunter und spontan wird es auch nicht wärmer werden. Das ist im Prinzip schon die Kernaussage des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik. Wichtig ist für uns an dieser Stelle, dass es bei der jeweils auftretenden Form von Energie auf die Arbeitsfähigkeit ankommt. Der Zusammenhang verbildlicht sich wie folgt:

    Zusammenhang von Energie, Exergie und Entropie

    Zusammenhang von Energie, Exergie und Entropie

    Die Grafik stammt aus diesem lesenswerten Beitrag, der noch weiter ins Detail bezüglich Exergie geht. Exergie ist sozusagen die Maßzahl der für Arbeit nutzbare Energie. Diese schwindet bei der Umsetzung, im selben Maße nimmt die Entropie zu. Entropie ist in diesem Zusammenhang ein Maß für nicht mehr nutzbare Energie. Irgendwann ist alles Wasser den Berg herunter geflossen, alles auf Umgebungstemperatur abgekühlt, etc. Ein Beispiel aus dem Beitrag soll das verdeutlichen:

    Eine Autobatterie mit 12V, 2,3Ah hat denselben Energiegehalt wie 1kg Wasser der Temperatur von 43°C, nämlich 100kJ. Das Wasser können wir bestenfalls zum Händewaschen oder Abspülen benutzen, während wir die in der Batterie gespeicherte Energie wesentlich besser nutzbar machen können.

    Oft wird Entropie auch als Maß für (Un-)Ordnung (engl. order) eines Systems benutzt. Zur Veranschaulichung dient das folgende Bild:

    Ohne zusätzliche Energie wird man die beiden Flüssigkeiten nicht wieder wie links zu sehen trennen können. Ohne zusätzlichen Aufwand wird auch die Unordnung auf dem Schreibtisch oder im Kinderspielzimmer nicht wieder abnehmen 😉
    Gut veranschaulichen lässt sie sich auch als „Zahn der Zeit“, der überall nagt. Alterung/Zerfall ist nichts anderes, als das Bestreben aller Dinge, einen energetisch niedrigeren Zustand zu erreichen. Die Flussrichtung ist in einem geschlossenen System (welches ich für die Ausführungen zum 2. HS d. T.-Dyn. vorausgesetzt habe) jeweils nur von höherem zu niedrigerem Niveau möglich.

    Der Zahn der Zeit.

    Der Zahn der Zeit.

     

    Wie kommt nun Leben in die Bude und vor allem, wie wird dieser Zustand dauerhaft erhalten? Ganz einfach, dies erfordert einen ständigen Zustrom von freier „low-entropy“ Energie von außerhalb. Diese bekommt unser Planet seit ein paar Jahrmilliarden kostenfrei von der Sonne zur Verfügung gestellt. Daraus hat sich ein richtig gehender Bioreaktor entwickelt:

    ENERGY MOVEMENT IN ECOSYSTEMS (Energiefluss in Ökosystemen)

    Energy moves through TROPHIC LEVELS
    Producers – take in energy by photosynthesis, produce biomass
    CO2 + H2O + light  ->   sugar + O2
    ex: plants (Pflanzen)
    Consumers – organisms that eat other organisms (live or recently dead)
    herbivores eat plants (deer, squirrel)
    carnivores eat animals (fox, bobcat)
    omnivores eat both (turkey) (+Menschen)
    Decomposers – organism that eat dead material (Verwertung durch Zersetzung, es entsteht die Nährstoffgrundlage für die Produzenten/Pflanzen)
    ex: fungi, bacteria, some insects (ants, termites)

    Jede einzelne Station benötigt für sie nutzbare Energie (Exergie), um zu funktionieren. Ebenso entstehen bei der Umwandlung jeweils Verluste, meist in Form von Abwärme. Ohne die Sonne als externer „low-entropy“ Energiequelle käme dieser Kreislauf recht schnell zum Erliegen bzw. erst gar nicht in Gang. Man halte sich nur vor Augen, dass Menschen und sonstige Lebewesen ihre komplette Zellstruktur innerhalb eines bestimmten Zeitraums erneuern, all das ist nur mit „frischer“ Energie möglich. Bei Pflanzen läuft dieser Prozess erheblich schneller ab. Ohne Licht und Wärme ist teilweise innerhalb von Stunden Ende im Gelände. Bedeutsam ist, dass sich lediglich der Zeitraum unterscheidet, wie lange die Lebenserhaltung ohne Zuführung neuer Energie aufrecht erhalten werden kann.

    Vergleich von offenem und geschlossenen System

    Vergleich von offenem und geschlossenen System

    Natürlich steht uns nicht nur die Sonne als Energieträger zur Verfügung. Die Verbrennung von Holz als nachwachsendem Rohstoff kann zur Wärmegewinnung (Kochen, Heizung, etc.) genutzt werden. Ebenso wie Kohle, Öl und Gas als fossile Energieträger mit ungleich höherer Energiedichte zum Einsatz kommen. Nicht vernachlässigt werden sollte jedoch, dass auch diese Erscheinungsformen ohne Sonneneinstrahlung nicht entstanden wären. Der Entstehungszeitraum lässt sich als Mensch nur schwer begreifbar machen. Wir leben im Hier und Jetzt und freuen uns über die Segnungen der Vergangenheit. Oder etwa nicht? Kernspaltung und -fusion stellen ebenfalls Möglichkeiten zur Nutzbarmachung von Energie dar.

    Im nächsten Beitrag werde ich den sich bereits andeutenden Bogen zum Thema Wirtschaftswachstum schlagen und beleuchten, was es mit nachhaltigem Wachstum™ auf sich hat.

     

     

     
  • thewisemansfear 10:22 am am June 16, 2014 Permalink
    Tags: Economic Policy Institute, , , trickle-down-Theorie, ,   

    Profiteure der "trickle-down"-Theorie 

    Umverteilung einmal anders: Firmenbosse wurden im vergangenen Jahr durchschnittlich 296x höher entlohnt als ein Arbeiter, wie das Economic Policy Institute hier schreibt. David Ruccio hat dies ebenfalls in seinem Blog aufgegriffen und eine kurze Zusammenfassung geschrieben.

     

    Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – aber viel besser ist natürlich ein Video, was diesen Sachverhalt veranschaulicht:

     

    Interessant, was die Autoren noch dazu schreiben. U.a. haben sie facebook bei der Berechnung ausgenommen, da sie sonst für 2013 ein Verhältnis von 510 zu 1 hätten angeben müssen 🙂

    That CEO pay grew far faster than pay of the top 0.1 percent of wage earners indicates that CEO compensation growth does not simply reflect the increased market value of highly paid professionals in a competitive market for skills (the “market for talent”) but reflects the presence of substantial rents embedded in executive pay (meaning CEO pay does not reflect greater productivity of executives). Consequently, if CEOs earned less or were taxed more, there would be no adverse impact on output or employment.

    Fettaugensyndrom, anyone? Nitzan & Bichler haben kürzlich einen sehr erhellenden Beitrag über die Funktionsweise unseres Wirtschaftssystems geschrieben. Das, was die Leute heutzutage antreibe, ist der Ansatz von „relative power“ (ein größeres Stück vom Kuchen abzubekommen). Selbst an der Spitze gibt es eine weitere Auseinanderentwicklung. Jeder Wirtschaftsteilnehmer, der stärker als der Durchschnitt „wächst“, verzeichnet einen effektiven Machtgewinn bzw. hat ein größeres Stück vom Kuchen. Das schafft man natürlich nur, indem man anderen Leuten etwas wegnimmt vorenthält. Faire Bezahlung beispielsweise.

    Warum deswegen niemand aufbegehrt? Weil die Ideologen gute Arbeit geleistet haben: freier Markt®, freier grenzenloser Wettbewerb® und die trickle-down-Theorie. Hierzu als passender Abschluss:

    reaganomics_trickle_down

     
  • thewisemansfear 12:19 pm am June 2, 2014 Permalink
    Tags: , , , , Monetarismus, Quantitätstheorie, umlaufgeschwindigkeit   

    Breaking News: Märkte mit Geld geflutet – Geldumlaufgeschwindigkeit sinkt 

    OMG! Die Welt steht kurz vor dem Zusammenbruch! Am Beispiel USA wird hier „erklärt“, wie die Geldumlaufgeschwindigkeit beständig sinkt und so der wirtschaftliche Niedergang unaufhaltsam voranschreitet. Wer wollte schon die seit Jahren anhaltende deflationäre Tendenz ob dieser Grafik leugnen?

    Geldumlaufgeschwindigkeit M2 (USA)

    Geldumlaufgeschwindigkeit M2 (USA)

    Was sehen wir hier nun genau? Bis Ende der 90er ging es mehr oder weniger bergauf, dann 2000/01 das Platzen der Dotcom-Blase und 2007/08 die GFC (Great Financial Crisis). Grauer Hintergrund bedeuten Krisenjahre, da sollte jedem einleuchten, dass da die Menschen nicht mit Geld um sich werfen, sondern auf die Ausgabenbremse treten.

    Warum sinkt die Geschwindigkeit seitdem immer weiter? Werfen wir einen Blick auf die Quantitätstheorie und auf folgende Grafik:

    Seit 2008 wird seitens der FED die Geldmenge massiv ausgeweitet (über QE habe ich hier bereits etwas geschrieben), was sämtliche Monetaristen auf den Plan ruft, die die (Hyper-)Inflation vor der Türe stehen sehen.

    Ja, was denn nun? Deflation oder Inflation? Kann sich da mal jemand einig werden?!

    Schauen wir uns die Quantitätsgleichung einfach mal an: M*V=P*Y, „wobei M für die Geldmenge, V für die Geldumlaufgeschwindigkeit, P für das Preisniveau und Y für das Handelsvolumen (von realen Gütern) steht, das stark mit dem BIP (Bruttoinlandsprodukt) korreliert“.

    Man kann jetzt ganz viele tolle Rechnungen anstellen, mal P als konstant annehmen, mal Y, usw. und dabei Dinge „beweisen“, die mit der Realität leider nicht viel gemein haben… Nimmt man die rechte Seite als konstant an, dann ergibt sich zwangsweise bei einer Steigerung der Geldmenge M ein Sinken der Umlaufgeschwindigkeit V – der helle Wahnsinn, oder? Wir hätten damit einen Automatismus gefunden, der beide oben beschriebenen Vorgänge unter einen Hut bringt, allerdings keinen kausalen Zusammenhang liefert. Ich zitiere einfach mal den Unterpunkt Kritik aus der wikipedia:

    Die Schlussfolgerungen aus der Quantitätsgleichung hängen nur davon ab, ob die Gleichung von links nach rechts gelesen wird, dass also eine höhere Geldmenge höhere Preise bewirke, oder einfach umgekehrt von rechts nach links, dass bei höheren Preisen ein größerer Geldumlauf erfolgt.[1] Die Gleichung beweist nicht, dass die höheren Preise von einer höheren Geldmenge verursacht wurden und nicht umgekehrt.
    Der entscheidende Einwand betrifft die angeblich für das Preisniveau ursächliche Geldmenge: Wir können uns eine Ökonomie denken, in der alle Zahlungen bargeldlos über Bankkonten abgewickelt werden und zum Ausgangszeitpunkt alle Konten auf Null stehen. Nach einem bestimmten Zeitraum sollen alle Haushalte ihr gesamtes Einkommen so ausgegeben haben, dass alle Konten zum Endzeitpunkt wieder auf Null stehen. Es lässt sich also weder zu Beginn noch zum Schluss irgendeine Geldmenge in der Ökonomie feststellen und dazwischen kann das Bankensystem durch Überweisungen mit vorübergehender Überziehung der Konten die Transaktionen mit jedem beliebig hohen Preisniveau abgewickelt haben.

    Man nennt eine solche Gleichung daher auch eine Tautologie. Sie ist untauglich, kausale Zusammenhänge herzustellen. Je nach ideologischer Ausrichtung, kann man alles und nichts damit „beweisen“. Schön für diejenigen Ökonomen, deren Publikum über diesen Sachverhalt noch nicht aufgeklärt wurde.

    Warum gibt es diese Gleichung überhaupt? Aus meiner Sicht dient sie der Rechtfertigung der Monetarismus-Theorie, dass man weiter von einem „Ding“ Geld ausgehen und es irgendwie fassbar zu machen versucht. Die Dynamik durch Werden und Vergehen bei Kreditvergabe und Tilgung ist da schon etwas komplizierter zu modellieren, aber dann müsste man sich von liebgewonnenen geschlossenen Kreislaufmodellen verabschieden.

    Auch die Erde ist kein geschlossenes System (auf abiotische Ressourcen bezogen schon), die Sonne versorgt uns mit zusätzlicher freier Energie, die Pflanzen, Tiere und wir nutzen, umwandeln und einen Teil davon als Abfallprodukt wieder in den Weltraum abstrahlen. Aber dazu in einem der kommenden Beiträge mehr.

     
    • Philosoph 8:33 am am Juni 14, 2014 Permalink | Antworten

      Das Konzept der Geldumlaufsgeschwindigkeit ist Schwachsinn. Dass die sogenannte Geldumlaufgeschwindigkeit sinkt, kann niemanden ernsthaft erstaunen. Hier mehr Infos:
      https://sites.google.com/site/geldsysteminfo/geldumlauf-illusion

      • thewisemansfear 10:38 am am Juni 16, 2014 Permalink | Antworten

        Nichts anderes soll der Beitrag aussagen.
        Danke für den Link. Da sind doch einige erhellende Beispiele, die mit manch aktuellen Mythen aufräumen. Die Schlussfolgerung, dass das Schuldgeldsystem Ursache für die jetzige Misere sei, teile ich aber nicht. Damit blendet man den Faktor Mensch so gut wie aus, obwohl es immer Menschen sind, die Systemschwächen für sich ausnutzen. M.M.n. trägt eine von Kleinauf eingeimpfte Wettbewerbs-Ideologie einen großen Teil dazu bei, dass die divide-et-impere-Strategie so gut funktioniert.

        • Philosoph 11:54 am am Juni 21, 2014 Permalink

          Da gebe ich Ihnen ganz recht. Das ist auf einer anderen Seite vermerkt und in ein Märchen verpackt:
          https://sites.google.com/site/geldsysteminfo/kritik-an-der-kritik/fehlender-zins

        • thewisemansfear 12:54 pm am Juni 21, 2014 Permalink

          Den Beitrag habe ich bereits entdeckt und kräftig weiter verlinkt. In dieselbe Richtung geht https://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik/Zins/Zinskritik-Kritik
          Ein gewisser Franz Hörmann als selbsternannter Buchhaltungsspezialist ist ja nach wie vor gegenteiliger Meinung, hat sich dazu bislang leider nicht geäußert :-9

        • Philosoph 8:50 am am Juni 22, 2014 Permalink

          Die Herren Hörmann, Senf und auch weitere Profs kann ich schon lange nicht mehr ernst nehmen. Allerdings denke ich, dass sie gefährlich sind, da sie eine Aufgabe zu haben scheinen, nämlich die Leute zu zermürben, bis sie das Maul halten. Sie handeln ganz nach der hegelschen Dialektik These-ANTITHESE-Synthese. Dass sie so dumm sind und ihren Senf, den sie verzapfen, auch noch glauben, kann ich mir eigentlich kaum vorstellen.

        • thewisemansfear 10:46 am am Juni 22, 2014 Permalink

          Dummheit würde ich denen nun nicht unbedingt vorwerfen, aber es kommt wie so oft eine menschliche Eigenart zum Tragen: sich gegen Kritik zu immunisieren und diese nicht für voll zu nehmen. Senf hat spätestens seit den Antisemitismus-Vorwürfen „zu“ gemacht, Hörmann wird stellenweise als Esoteriker bezeichnet. Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten…
          Keine Ahnung, ob man es „Hybris“ nennen will, die sie an der Richtigkeit ihrer eigenen Äußerungen glauben lässt. Zum Teil wird die als unverhältnismäßig angesehene Kritik sie weiter in ihrem Tun bestärken „jetzt erst recht“.
          Man muss immer mal wieder „geerdet“ werden, wenn man Gefahr läuft, sich eine eigene Welt zusammenzustricken. Das müssen Fachleute durch ihr Umfeld, wie Politiker durch ihre Wähler, usw.

    • rjmaris 8:46 am am Juni 22, 2014 Permalink | Antworten

      Interessante Denkanstöße aus den Kommentaren! Die Geldumlaufgeschwindigkeit sinkt, weil soviel Geld gehortet wird (Spekulationsmasse o.ä.). Die Geldflutungen ersetzen bloß das Geld, das in den Umlauf fehlt. Das ist einer der Gründe, weshalb es (noch) keine Inflation gibt.
      Was sagt uns das?
      1) Das BIP ist letztlich aussagekräftiger.
      2) Es ist Durchblick benötigt über die „inaktiven“ Geldmengen. Dann kann eine Diskussion starten über Möglichkeiten, dieses verrostete Zeug freizukriegen.

      • thewisemansfear 10:30 am am Juni 22, 2014 Permalink | Antworten

        Die Frage, die sich stellt, ist doch: Wann ist Geld in der Wirtschaft wirksam?
        Wenn es auf dem Konto liegt? Nein, sondern nur dann, wenn es ausgegeben wird. Die Monetaristen und sonstigen Geldmengentheoretiker begehen den Fehlschluss, dass auf dem Konto einbezahltes Geld einfach so von jemand anderem per Kredit wieder abgerufen wird. Wenn nicht genug Nachfrage herrscht, müsse ja irgendwo Geld fehlen.

        Geldumlauf und Umlaufgeschwindigkeit sind reine Kunstbegriffe, um deren Theoriegebilde weiter am Leben zu halten. Wenn mein Geld, was ich zur Bank getragen habe, dort nicht wieder abgerufen wird, hat das denselben Effekt, wie wenn ich es unter die Matratze stopfe. Letzteres wird als „Horten“ verunglimpft und soll mittels Strafgebühr unterbunden werden, während ersteres „Sparen“ der Welten Rettung sei.
        Ohne Kreditnachfrage nützen aber alle Sparguthaben der Welt nichts.

        Update: EZB und BuBa haben aus gutem Grund die Geldbasis M0 aus ihren Verlautbarungen gestrichen. (Nur) Bargeld und Sichtguthaben sind zu M1 zusammengeführt, und das obwohl das eine Zentralbankgeld und das andere Giralgeld ist. ZBG-Reserven (andere Bezeichnung für die Geldbasis) sind in der Wirtschaft nicht wirksam, können es auch nicht werden. Nur indirekt. Entweder hebt jemand wieder Bargeld ab oder er überweist etwas – jeweils zur Bezahlung von irgendetwas.

        • rjmaris 11:21 am am Juni 22, 2014 Permalink

          „Monetaristen und sonstigen Geldmengentheoretiker begehen den Fehlschluss, dass auf dem Konto einbezahltes Geld einfach so von jemand anderem per Kredit wieder abgerufen wird.“ – ist das wirklich so? Ich meine, die meisten Fachleute wissen, dass Buchgeld von Geschäftsbanken geschöpft wird. Dann ist doch die logische Folgerung, dass jedes Guthaben auf einem Bankkonto, die Gegenbuchung des Kredites bereits darstellt? – vereinfachte Darstellung ohne sonstige Bilanzposten.

          Ich widerspreche allerdings, dass Geldumlauf ein Kunstbegriff ist. Sehr plastisch wird dies in einer witzigen Darstellung Sloterdijks dargestelltt: http://www.youtube.com/watch?v=tiyBRTK9XUc
          Es sind 2 Minuten, und der hier dargestellte Kreislauf macht klar, dass die Anzahl der Tauschbeteiligten klar etwas über die Wirtschaftsaktivität aussagt.
          Inaktives Geld auf einem Konto hat Hortungsqualität (das sehe ich seit Kurzem ein). „Matratzengeld“ ist allerdings schlimmer, weil der Bank Geld in den Bilanzen fehlt. Ich vermute, dass dies Sparzinstreibend wirkt.

        • thewisemansfear 12:38 pm am Juni 22, 2014 Permalink

          Ich kann Dich/Sie nur ermuntern, ein bisschen in den Tiefen dieses Blogs zu stöbern. Das Beispiel was Sloterdijk da bringt, habe ich bereits aufgegriffen: https://thewisemansfear.wordpress.com/2014/04/01/wie-war-das-noch-mit-dem-geld/
          grob zusammengefasst soll die Geschichte ja aussagen, dass ohne das „Ding“ Geld nichts läuft. Trotzdem muss aber niemand warten, bis es „zu ihm/ihr“ kommt. Es gibt so viele Wege, Schulden zu begleichen…

          Zum ersten Absatz: Ich bin gebranntes Kind durch die Freiwirte, die sind da sehr speziell…
          Und zum Geldumlauf: davon auszugehen macht nur Sinn, wenn man von einem „Ding“ Geld ausgeht, was man irgendwie rumreicht. Das kommt von einer Ansicht, dass unsere Wirtschaft und quasi alles menschliche Handeln nur über Tausch funktionieren würde. Werden und Vergehen ist dabei nicht vorgesehen.

    • rjmaris 1:15 pm am Juni 22, 2014 Permalink | Antworten

      Danke für die Hinweise. Bzgl. „in den Tiefen“ zu stöbern: da bin ich zurückhaltend. Es gibt ja so wahnsinnig viele Blogs. Und Zeit ist ja knapp…
      Kurz zum Geldumlauf: natürlich handelt es sich nur um „Besitzwechsel“ von Ansprüchen auf Geld, also um Referenzen. Faszinierend finde ich Stützels begriff „Gleichschritt“. Ich wende es alternativ auf Gleichschritt von gegenseitiger Leistungserbringung an. Theoretisch wäre die Geldmenge zu einem beliebigen Zeitpunkt X gleich Null, wenn alle gegenseitige zeitversetzte, multilaterale Leistungsansprüche (Gütertausch) zu jenem Zeitpunkt befriedigt wären, angewandt auf das Sloterdijk-Beispiel wäre was wie mit einer riesigen mathematischen Gleichung, in die Variablen links und rechts weggestrichen werden können, und y = 0 übrigbleibt. Auch diese Betrachtung zeigt, dass es nicht um Geld, sondern um Buchhaltung geht.

      • thewisemansfear 1:35 pm am Juni 22, 2014 Permalink | Antworten

        Die Haltung kann ich nachvollziehen. Wenn der Punkt erreicht ist, an dem einen die Antworten in seinem gewohnten Umfeld nicht mehr zufrieden stellen, geht man eben auf die Suche und „stöbert“ 😉
        Den Aufmerksamkeitsfilter kalibriert jeder selbst nach den eigenen Vorlieben, ganz klar.

    • bertrandolf 10:37 am am Juni 27, 2014 Permalink | Antworten

      Intressant ist wer gerade die Märkte flutet. Laut NZZ sind zu 40% staatliche Fonds und „unabhängige“ Intitute wie die Zentralbanken mit an Bord. Theorethisch spekulieren sie nicht, sondern bilden so eine Art Sockel, der sich nicht umschlägt.
      http://www.nzz.ch/finanzen/einstieg-von-notenbanken-in-die-aktienmaerkte-1.18328034

      • thewisemansfear 12:51 pm am Juni 27, 2014 Permalink | Antworten

        Schon allein die Überschrift trifft den Kern nicht: „Die Finanzmärkte verlieren zunehmend ihren Bezug zur Realität.“
        Ich kann nur nochmal das Zitat von Rainer Voss (im letzten Beitrag) bringen: „Es gibt nicht die Märkte. Wir tun so, als wäre das irgendeine gotthafte Kraft, die über uns hereinbricht. “Die Bank oder die Firma hat entschieden -” Nein! Da entscheiden Menschen. Und wenn man den Menschen sagt: “Hör damit auf!” Dann hören die damit auf. Das muss man nur in der richtigen Art tun.”
        Leider ist das Video mittlerweile nicht mehr verfügbar, aber das bringt es auf den Punkt.
        ‚Unabhängig‘ ist zu recht in Anführungszeichen gesetzt, das ist auch so eine Mär.

        Ohne Kreditlenkung wird freigesetztes Kapital nur wieder ins Casino gehen, da man dort die höchsten Renditen erwartet. Das sind die Auswüchse des ach so freien Marktes, ohne sinnvolle Begrenzungen funktioniert es nicht.

        • bertrandolf 1:14 pm am Juni 27, 2014 Permalink

          Ich habe den Film sogar 2 Mal gesehen. Die Vorstellung von Märkte ist wie die Weltvernichtungsmaschine aus dem Film „Dr. Seltsam – Oder wie ich anfing die Bombe zu lieben“. In dem FIlm baut die UDSSR eine Maschine, wenn sie angegriffen wird, automatisch die Welt zerstört. Also quasi das größtmögliche Abschreckungsszenario darstellt, weil keiner Verantwortung trägt und es keine Kontrolle, bzw einen Ansprechpartner gibt. Und deswegen meint Herr Voss das dort Menschen gibt, die kontrolliert und zur Verantwortung gezogen werden können.

          Im Artikel wird darstellt, das Notenbanken, Staatsfonds usw…. einen großen Anteil am Casino haben und quasi das Geld da reinlenken. Dies zerstört doch jegliche Theorien^^

  • thewisemansfear 6:45 pm am May 30, 2014 Permalink
    Tags: FIFA, Fußball, ,   

    FIFA la Revolución! 

    Am Dienstag lief wieder Die Anstalt im ZDF, diesmal mit Hintergrundberichterstattung zum bald höchst aktuellen Thema Fußball(-WM) – genauer der FIFA. Ebenso kommt die Heuchelei der Machthaber bei der Ukraine-Krise und der Spähaffäre inkl. Snowden zur Sprache. „Wem kann ich denn noch Vertrauen?“ fragt folgerichtig Gastredner Philip Simon. Wie bei jeder guten Kabarettsendung bleibt einem nur die Spucke weg, wenn der Schmutz zutage gefördert wird und man erfährt, was da so alles getrieben wird. Großsponsor Adidas bekommt ebenfalls sein Fett weg, wegen Ausbeutung von Näherinnen, die unter widrigen Bedingungen die Trikots zusammenschneidern. Ja, das ist Kapitalismuskritik in Reinform – aber hey, es machen doch alle so!

    Man kann natürlich die Schuld ganz und gar auf die großen Konzerne oder mächtige Vereine wie die Fifa schieben. Aber letztlich sind wir (in Form von Konsumenten) diejenigen, die das Spiel durch unsere Kauf- und Sehgewohnheiten mitspielen. Ich halte es der Sendung zugute, dass sie aufrüttelt und moralisiert. Ohne dass wir anfangen, unser Tun und Handeln zu hinterfragen, wird sich nichts ändern.

    Welcher Suchtfaktor in der Fußballmanie steckt und an negativen Schlagzeilen verdrängen lässt, bringt der folgende Satz auf den Punkt:

    „Sie werden es nicht bereuen, nach dem ersten Schuss sind alle Probleme vergessen!“

     
  • thewisemansfear 12:51 pm am May 20, 2014 Permalink
    Tags: , BIP, , Einzelhandel, Leistungsbilanz, , querschüsse, Wechselkurs,   

    Deutschland, dein Wirtschaftsmodell ist… KRANK 

    Um das zu untermauern, gibt es diese wunderbaren Visualisierungen aus dem Querschuesse-Blog. Fangen wir an mit der Leistungsbilanz. Die erste Grafik zeigt diese auf Monatsbasis, d.h. jeden Monat kommt der angegebene Beitrag oben drauf! Wie wir wissen, summieren sich auf der Welt die Leistungsbilanzsalden allesamt auf NULL, d.h. des Einen Überschüsse sind des Anderen Defizite.

     

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    Quelle und ©: http://www.querschuesse.de/deutschland-zahlungsbilanz-maerz-2014/

     

    Ein wahres Feuerwerk, was hier seit 2001/02 abgebrannt wird. Sehr schön zu sehen ist hier die Tendenz nach oben Ende der 80er, die dann mit der Wiedervereinigung Deutschlands ein jähes Ende fand. Hier geht es wie gesagt nur um den Außenhandel.

    Sehr eindrucksvoll zeigt die folgende Grafik, dass die Leistungsbilanzüberschüsse mit einem beständigen Kapitalabfluss Richtung Ausland in gleicher Höhe einher gehen. Die 1.800 Milliarden Euro Marke hätten wir mittlerweile geknackt, wenn das kein Grund ist, die Sektkorken knallen zu lassen!

    Ähm, was? Wie das zusammenpasst? Na wir exportieren mehr Waren / Dienstleistungen als wir importieren, verdeutlicht in der folgenden Grafik unten. Der Kapitalabfluss bedeutet den Export des nötigen Kleingelds gleich noch mit, damit sich die Kundschaft den Kram auch kaufen kann. Tolles Konzept, oder?

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    Quelle und ©: http://www.querschuesse.de/deutschland-aussenhandel-maerz-2014/

    Wie kann es aber überhaupt zu solchen Ungleichgewichten, oder sagen wir besser: Verwerfungen kommen? Damit wären wir beim Thema Wettbewerbsfähigkeit. Etwas, das sich aus Produktivität, Arbeitskosten (man sagt dazu auch Lohnstückkosten), allgemeinem Preisniveau, etc. zusammensetzt. Die Qualität wird auch immer wieder gern angeführt, aber auch die wird letztlich preislich eingerechnet.

    Ein Staat mit eigener Währung kann nun über Auf- bzw. Abwertung einen Ausgleich der Handelsungleichgewichte (über die Preisschiene) herbeiführen. In einer Währungsunion ist das für die beteiligten Länder keine Option mehr. Man muss in einer solchen Situation andere Wege eines Ausgleichs finden, Vertrauen auf das sich von selbst einstellende Marktgleichgewicht (sic!) ist unangebracht. Schauen wir uns die realen effektiven Wechselkurse an (normiert auf den BIP-Deflator):

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    Quelle und ©: http://www.querschuesse.de/euroland-reale-effektive-wechselkurse/

     

    Whoops! Die Entwicklung Frankreichs deckt sich übrigens voll mit der Zielsetzung aller Länder, die ursprünglich eine Steigerung des allgemeinen Preisniveaus von 1,9% vereinbart hatten. Die Südstaaten schießen über das Ziel hinaus und sind nun dabei, die Fehlentwicklung über Lohnanpassungen und anderweitige Kürzungsorgien zu korrigieren. Sowohl ein im Vergleich zu niedriges Zinsniveau und zu schnell steigende Löhne haben zu dieser Entwicklung geführt.

    Gesucht wird der Elefant im Raum, der von sich behauptet, alles richtig gemacht zu haben und dass sich der Rest an ihm zu orientieren habe. Angesichts der erdrückenden Faktenlage eine schon fast irre anmutende Selbsteinschätzung. Deutschland unterbietet den Rest, aber anstatt eines Entgegenkommens perlt Kritik an den verantwortlichen Betonschädeln einfach ab. Kritikresistenz durch dogmatisches Denken hatten wir hier erst, ist leider ein ernst zu nehmender Faktor bei der Diskussion.

    Zum Abschluss noch ein kleines Schmankerl mit einer Betrachtung der Binnenwirtschaft, genau genommen des Einzelhandels. Wer sich politisch motiviert in Lohnzurückhaltung übt, braucht sich über eine solche Entwicklung nicht zu wundern. Deutschland verharrt hier seit Jahren auf demselben Niveau (bei den Reallöhnen sieht es genauso aus), während es in Frankreich längerfristig beständig aufwärts geht.

     

    In Südeuropa ging es bis zum Ausbruch der Finanzkrise ebenfalls aufwärts, doch hier wurde der Überschwang beendet. Das sind wie gesagt nur die Folgen der gewünschten Angleichung des Preisniveaus an das deutsche internationale Niveau. Die sonstigen Auswirkungen wie Massenarbeitsloskeit und Verelendung/Ausgrenzung breiter Bevölkerungsteile sollte man sich ebenfalls gut vor Augen halten.

    Wenn Deutschland meint, auch Frankreich dieselbe „Kur“ aufdrücken zu können, wird es … sagen wir mal … interessant. Welchen Vorwurf wollte man Frankreich machen?! Die realen effektiven Wechselkurse als Vergleichswert auf internationaler Ebene zeigen es eindeutig im vereinbarungsgemäßen Soll, der Elefant im Raum wird mit seinen Dickschädel aber weiter argumentieren, dass eine Steigerung des Preisniveaus nur über einen Verlust an nicht hinnehmbarer Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen sei. Das ist sogar bis auf das Kursive korrekt, aber nur innerhalb der Währungsunion – und das ist im Sinne eines friedlichen Zusammenlebens absolut notwendig. Dauerhaft unterbieten, manche nennen es „Lohndumping“, funktioniert nicht. Der Ausgleich muss – und er wird kommen. Entweder hart und mit einschneidenen Konsequenzen (Abschreibung uneinbringbarer Forderungen) oder einer gewollten Angleichung der Niveaus Schritt für Schritt.

    Ach ja, nach außen gibt es nach wie vor das Steuerungselement einer eigenen Währung. Dieses Instrument ist aber nur wirkungsvoll einsetzbar, wenn die internen Ungleichgewichte minimiert/ausgeräumt sind. Vergessen wir nicht, dass die Eurozone mittlerweile als Ganzes Exportüberschüsse „erwirtschaftet“. Hier zeichnet sich das gleiche Spiel ab, das Deutschland mit seinen Handelspartnern getrieben hat. Bei einem internationalen Währungskrieg verlieren aber, wie das bei „race to the bottom“-Spielen üblich ist, am Ende alle Beteiligten.

     
    • Der Malachit 8:50 am am Mai 26, 2014 Permalink | Antworten

      Sehr informativer Beitrag. Die entscheidende Frage ist allerdings, welche persönlichen Konsequenzen wir daraus ziehen können. Und zwar jetzt sofort und nicht erst, wenn die deutsche Karre im Dreck stecken bleibt.

      • thewisemansfear 7:37 pm am Mai 27, 2014 Permalink | Antworten

        Danke für die Blumen. Ohne das Zusammentragen und Visualisieren wäre das nicht halb so informativ – von daher gebührt den querschüssen der größte Anteil daran.

        Einen einfachen Lösungsweg gibt es nicht, hier kulminiert gerade eine Systemkrise. Dieses ganze Schauspiel ist nur Teil davon: ein Land (bzw. seine Steuermänner und -frauen), welches denkt, seine Politik hätte keine Auswirkungen auf den Rest der Welt. Da haben die Marktradikalen ganze Arbeit geleistet, egoistisches Denken verbunden mit realitätsleugnendem Starrsinn.

        Die alten Dogmen sind ausgelutscht und zerbröseln bei genauerem Hinsehen: „Wir müssen nur alle wieder auf Wachstumskurs!“ (sic!) Ja, wohin denn noch? Wie viel ist genug? sollte vielmehr die Debatten dieser Tage bestimmen.

        Interdisziplinärer Austausch und Zusammenarbeit sind überhaupt erst Voraussetzung zum Erkennen der Problemstellen. Gebt den Ökonomen doch mal ein paar Physiker an die Hand, die können den dann erklären, dass schon der Erhalt eines komplexen Systems ständig neue Energie verschlingt. Nein, das kann das Verbrennen fossiler Energieträger auf Dauer nicht leisten…
        Dann braucht es noch ein paar Soziologen, Psychologen, Antropologen, um den Ökonomen klar zu machen, dass die Annahmen, auf denen ihre Modelle beruhen, nicht mit der Realität in Einklang zu bringen sind.
        Eine echte Zielsetzung außer einem „immer mehr“ wäre auch nicht verkehrt…

        Konkret kann man als Einzelner nur sein Umfeld versuchen aufzuklären. Hinterfragen und kritisieren, wo man ideologische Dogmen erkennt. Man versucht ja gerade, die Leute in die Resignation zu treiben. Leider mit allzu großem Erfolg.

        Hier noch der Hinweis auf einen Beitrag von H. Flassbeck zum Themenkomplex Europa/Euro: http://www.flassbeck-economics.de/europawahl-seht-die-zeichen-an-der-wand/

    • Der Malachit 11:51 am am Mai 28, 2014 Permalink | Antworten

      Du schreibst: “Wir müssen nur alle wieder auf Wachstumskurs!” … und weist nach, dass es dieses ewige Wachstum nicht geben kann.
      Das ist richtig, wenn man das System als abgeschlossenes System betrachtet und das System als solches in ein unendlich großes Zeitfenster stellt.
      Die gesellschaftliche Entwicklung zeigt aber, dass das Zeitfenster für jedes System ein begrenztes ist. d.h. Jedes System wird durch ein neues System abgelöst, da es sich als System nicht selbst reformieren kann.
      Als das Römische Reich seinen durch Sklaven aufgebrachten Energiebedarf nicht mehr decken konnte, zerfiel es. Der Aufwand für die Armee, die zur Herbeischaffung immer neuer Sklaven aus neu eroberten Gebieten erforderlich war, konnte nicht mehr erbracht werden. Folge s.o. .
      Als die Eurozone seinen durch Wirtschaftswachstum aufgebrachten Energiebedarf nicht mehr ….. .
      Aber so weit ist es noch nicht, denn der Aufwand für die Angliederung weiterer Staaten an den Euroraum kann momentan noch erbracht werden. Die Osterweiterung ist noch nicht abgeschlossen. Moldavien, Ukraine, Georgien, Armenien, Usbekistan, in Aserbaitschan gibt es neues Öl. Da geht im Moment noch was. Doch wenn der wirtschaftliche Aufwand zu groß wird, dann … .
      Wann das passiert und wie das neue System dann aussieht, weiß keiner. Aber dass es so kommen wird schon.
      Der Malachit.

      • thewisemansfear 12:39 pm am Mai 28, 2014 Permalink | Antworten

        Ich weiß nicht, ob es Sinn macht, hier über die EU-Außenpolitik zu spekulieren.
        (Versuchte) Machtausweitung zur Sicherung von Ressourcen sieht man auf der ganzen Welt. Wer die Konflikte analysiert, egal ob aktuell oder vergangen, wird immer ein ähnliches Muster vorfinden.
        Man kann das Spiel natürlich so lange treiben, bis es unökonomisch wird. Immer weiter expandieren, neue Vorkommen erschließen, usw. Wenn dabei allerdings unser aller langfristige Lebensgrundlagen in Mitleidenschaft gezogen werden, läuft das auf sich zuspitzende Generationenkonflikte hinaus. Der einzige energetische Systeminput kommt von der Sonne. Wenn alles andere verbrannt ist, bleibt nur diese Ressource übrig. Werde das mal als einen der kommenden Beiträge aufgreifen und konkretisieren.

        • Der Malachit 10:13 am am Mai 29, 2014 Permalink

          Das wäre eine echte wissenschaftliche Herausforderung. Ich hatte meinen Kommentar nur auf die Entwicklungen gesellschaftlicher Systeme bezogen und nur zwei Beispiele betrachtet. Es gibt da auch noch mehr.

  • thewisemansfear 10:38 am am May 17, 2014 Permalink  

    ‚Das Geheimnis der sieben Schwestern‘ 

    Wer die Vorgänge auf der Welt einordnen will, kommt nicht umhin, sich mit dem „Treibstoff“ modernen Wirtschaftens zu beschäftigen. Es wäre fatal, die historischen Ereignisse nicht zur Kenntnis zu nehmen.

    Oeconomicus

    Als Seven Sisters  wurden nach dem Zweiten Weltkrieg sieben Ölkonzerne bezeichnet, die in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren den globalen Ölmarkt beherrschten.

    Die Seven Sisters bildeten die folgenden Unternehmen:

    1. Standard Oil of New Jersey (Esso) – später mit Mobil zu ExxonMobil zusammengeschlossen.
    2. Royal Dutch Shell
    3. Anglo-Persian Oil Company (APOC) – später Anglo-Iranian Oil Company (AIOC), dann British Petroleum und schließlich BP Amoco nach der Übernahme von Amoco (früher Standard Oil of Indiana). Inzwischen tritt das Unternehmen nur noch unter dem Kürzel BP auf.
    4. Standard Oil Co. of New York (Socony) – Später Mobil bzw. ExxonMobil (s.o.)
    5. Standard Oil of California (Socal) – Daraus entstand Chevron, dann, durch Zusammenschluss mit Texaco, ChevronTexaco. Inzwischen wurde der Name ‚Texaco‘ wieder abgelegt und das Unternehmen firmiert wieder als Chevron.
    6. Gulf Oil – Gulf wurde 1984 zerschlagen, der größte Teil ging an Chevron, Teile an BP und Cumberland Farms.
    7. Texaco – schloss…

    Ursprünglichen Post anzeigen 190 weitere Wörter

     
  • thewisemansfear 9:16 pm am May 11, 2014 Permalink
    Tags: Peak-Oil, , Rohstoffe, Rohstoffknappheit, tipping point, Ugo Bardi   

    Rohstoffdebatte: Auswirkungen von verminderter Ertragsleistung 

    Ugo Bardi stellt in seinem letzten Blogeintrag „The invasion of the resource zombies“ die fehlgerichtete Berichterstattung eines Autoren des WallStreet Journal (WSJ) an den Pranger, der gegen die Ressourcenproblematik argumentiert. Im WSJ heißt es „The World’s Resources Aren’t Running Out„.

    Diese Argumentation sei dahingehend fehlerhaft bzw. unvollständig, dass das Problem eben nicht das Knapp-werden oder gar Ausgehen von Ressourcen/Rohstoffen sei, sondern die sich seit Jahren abzeichnende und gut dokumentierte Verminderung der wirtschaftlichen Ertragsleistung bei der Förderung:

    „But, apart from platitudes and legends, the article by Matt Ridley is wrong because it is based on a classic strawman: the one that says that we should worry about „running out“ of mineral resources. It is not so. Let me say it emphatically, assuredly, and unequivocally: we are NOT running out of anything. That’s not the problem; the real problem with resources is diminishing economic returns. It means that we have extracted the „easy“ (i.e. inexpensive) resources and that now we are forced to extract from „difficult“ (i.e. more expensive) resources.“

    Als Anschauungsbeispiel dient der Verlauf der Silberproduktion der letzten Jahre. Diese verharrt absolut gesehen auf relativ hohem Niveau, allerdings ist die Ertragsleistung stark rückläufig. Es muss immer mehr Gestein bearbeitet werden, um auf dieselbe Gesamtmenge zu kommen. Die „guten“, reichhaltigen Vorkommen sind mittlerweile ausgebeutet, die noch vorhandenen können nur unter weiter steigendem Aufwand extrahiert werden. Kurz gesagt, uns werden die Ressourcen nicht ausgehen, aber es wird wirtschaftlich immer unrentabler, die noch vorhandenen Vorkommen zu erschließen und auszubeuten. Im Endeffekt bleiben sie dann im Boden.

    Muss man hinzufügen, dass für Öl, Gas, Edelmetalle, usw. das gleiche gilt?

    Gail Tverberg hat sich auf ihrem Blog eingehend mit dem Thema Grenzerträge bei der Erölförderung beschäftigt: „Oil Limits and the Economy: One Story, Not Two

    Sie verknüpft die großen Notwendigkeiten der heutigen Wirtschaftssysteme – Wirtschaftswachstum und die langfristige Substitution fossiler Energieträger – denn diese seien in keiner Weise unabhängig voneinander:

    „Energy use is very closely tied to economic growth. When energy consumption becomes slow-growing (or high-priced—which  is closely tied to slow-growing), it pulls back on economic growth. Job growth becomes more difficult, and governments find it difficult to get enough funding through tax revenue. This is the situation we have been experiencing for the last several years.
    We might think that governments would be aware of these issues and would alert their populations to them.  But governments either don’t understand these issues, or only partially understand them and are frightened by the prospect of what is happening.“

    Den Grafiken kann man entnehmen, dass der Ölpreis mit der wirtschaftlichen Entwicklung korreliert. Hohe Nachfrage treibt den Preis nach oben, während in Schwächephasen der Ölpreis sinkt. Auch sie zieht dieselben Schlüsse der schwindenden Erträge: „Diminishing Returns is Like a Treadmill that Runs Faster and Faster

    Schlussfolgerung: Die immer aufwändigere und damit teurer werdende Förderung wird für weiter zunehmende Preise der betreffenden Rohstoffe sorgen. Dies wird sich nachteilig auf das weitere Wirtschaftswachstum (in der heutigen Form) auswirken und dieses begrenzen. Man steuert so unaufhaltsam auf einem tipping point zu, an dem die Wirtschaft kippt und die Preise dann so weit fallen, dass sich mit einem Schlag die weitere Förderung kaum noch lohnen würde. Der (Energie-)Aufwand wäre schlicht zu hoch. Um zum Beginn zurückzukehren: Material wäre dann noch ausreichend vorhanden, nur ökonomisch würde sich die Ausbeutung der Vorkommen nicht mehr lohnen. Zu den Aussagen aus Richtung Bundestag, dass Energie bezahlbar bleiben soll, fällt mir nichts weiter ein… Immerhin scheint der Zusammenhang von steigenden Energiepreisen als „Wachstumsbremse“ erkannt zu sein. Aber dann eine solche Forderung aufzustellen, ist an Naivität/Dummheit nicht zu überbieten.

     
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