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  • thewisemansfear 5:56 pm am June 25, 2014 Permalink
    Tags: ergodisches Axiom, , Nachhaltigkeit, , , ,   

    Interlude: Wettbewerbslogik 

    Als Einschub ein paar teils aktuelle Zitate mehr oder weniger prominenter Personen rund um das Thema Wirtschaft & Wettbewerb:

    „Ich glaube, wir sind in einem Weltwirtschaftssystem, das nicht gut ist… Wir haben das Geld in den Mittelpunkt gestellt, den Geldgott. Wir sind in den Götzendienst des Geldes verfallen… Wir schließen eine ganze Generation aus, um ein Wirtschaftssystem aufrecht zu erhalten, das nicht mehr zu ertragen ist. Ein System, in das Krieg führen muss, um zu überleben…“ (QuellePapst Franziskus

     

    „Ihr Modell [das von EU-Kommission und deutscher Regierung, Anm.] für die Weltwirtschaft sieht so aus, dass es darum geht, die Einkommen zu Hause möglichst gering zu halten. Den Binnenmarkt ins künstliche Koma versetzen: Sie nennen das Wettbewerbspolitik.Wenn aber am Ende die Binnenmärkte überall eingeschläfert sind – wo sind dann die Exportmärkte? Und soll das wirklich ein Geschäftsmodell zwischen Staaten sein, zu sehen, wer dem anderen besser die Butter vom Brot klaut? Vielleicht schert sich Europa in Wahrheit ja einen Dreck um gemeinsame Interessen der Weltwirtschaft und der Bevölkerungen und möchte einfach nur auf Kosten anderer – schmarotzen?“ (QuelleErik Jochem

     

    „The deeper message is that mainstream economics is in fact an ideology – the ideology of the free market. Its tools and assumptions define its topics. If we assume perfect rationality and complete markets, we are debarred from exploring the causes of large-scale economic failures. Unfortunately, such assumptions have a profound influence on policy. The efficient-market hypothesis – the belief that financial markets price risks correctly on average – provided the intellectual argument for extensive deregulation of banking in the 1980s and 1990s. Similarly, the austerity policies that Europe used to fight the recession from 2010 on were based on the belief that there was no recession to fight. These ideas were tailored to the views of the financial oligarchy. But the tools of economics, as currently taught, provide little scope for investigating the links between economists’ ideas and the structures of power.“ (QuelleRobert Skidelsky

     

    „Da wird nicht geguckt, ob ein bestimmter Markt irgendwas hergibt oder ob es in diesem Markt Veränderungen gibt, die entweder für ne bestimmte Zeit oder strukturell dafür sorgen, dass in diesen Märkten so viel Geld verdient werden kann, nein, das gibt’s nicht. Jedes Jahr 10% mehr – wie Du das machst ist mir egal. I don’t care how you do it.“

    „Selbst wenn man anguckt, welche Semantik heutzutage benutzt wird: Die Märkte!
    Es gibt nicht die Märkte! Wir tun so, als wäre das irgendeine gotthafte Kraft, die über uns hereinbricht. „Die Bank oder die Firma hat entschieden -“ Nein! Da entscheiden Menschen. Und wenn man den Menschen sagt: „Hör damit auf!“ Dann hören die damit auf. Das muss man nur in der richtigen Art tun.“ (QuelleRainer Voss, aus „Der Banker – Master of the Universe“

     

    „Was in der neoklassischen Theorie grundlegend falsch läuft, hat Paul Davidson (unter anderem in dem Buch „Handelt jetzt“) das ergodische Axiom genannt, die Annahme nämlich, dass sich die Wirtschaft wie die Satelliten auf klar festgelegten Bahnen bewegt: Hat man die Bewegungsgesetze einmal durchschaut, müssen sie nur noch mathematisch formuliert werden, um aus der Ökonomik eine Wissenschaft zu machen. Wer jetzt den Piketty-Hype mitmacht, begibt sich genau auf diesen Weg und damit auf einen der ältesten Holzwege der Ökonomen überhaupt.“ (Quelle) Heiner Flassbeck

     

     

    Um den Brückenschlag zurück zum Thema Ressourcen hinzubekommen, in Kalifornien und angrenzenden Bundesstaaten verschärft sich der Wettbewerb um kostbares Nass: Wie die LA Times berichtet, reichen die Zuflüsse im und um den Colorado River wohl langfristig nicht aus, die angrenzenden Metropolen zu versorgen. Was hat nun Vorrang: Energieerzeugung, Bewässerung von Feldern oder Versorgung der Einwohner? Fakt ist wohl, dass, so lange das Wasser reichhaltig floss und für alle mehr als genug vorhanden schien, sich niemand groß Gedanken um die Zukunft gemacht hat. Erst recht war kein Anreiz da, sparsam damit umzugehen. Erst mit einer Verknappung der Ressourcen sieht man sich zum Handeln gezwungen. Wasser kann man nun nicht einfach irgendwo aus dem Hut zaubern, daher wird man sich etwas einfallen lassen müssen, wie das Verbrauchsniveau nachhaltig an die verfügbaren Zuflüsse angepasst wird. Beim Thema Energie wird das erst recht spannend.

     

    PS: Gail Tverberg hat es mit ihrem letzten Blogbeitrag über die Problematik unseres vernetzten Wirtschaftssystem bis auf zerohedge geschafft.
    —Klitzekleines Update beim Zitat von Rainer Voss, habe den Film endlich komplett geschaut. Sehenswert!—

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  • thewisemansfear 10:11 pm am April 16, 2014 Permalink
    Tags: Nachhaltigkeit, Ressourcenverschwendung   

    The Lightbulb Conspiracy – Entwicklung zur Wegwerfgesellschaft 

    Gefunden habe ich das folgende Video verlinkt bei Banks-need-Boundaries, es geht um geplante Obsoleszens, eine bewusst herbeigeführte Ressourcenverschwendung. Warum? Weil das System es so erfordert und die Erde es (noch) hergibt.

    edit [22.04.]: gegen die deutsche Version des Films ausgetauscht, bitte nicht von dem Standbild verwirren lassen 🙂

     
  • thewisemansfear 9:52 pm am February 1, 2014 Permalink
    Tags: Nachhaltigkeit, Ressourcen, ,   

    Die Abgründe unseres Wirtschaftssystems (1) 

    Was tun in einer Welt, die nicht mehr wachsen will? Allerorten mehren sich die Anzeichen bzw. werden sie immer deutlicher, dass eine Phase der Stagnation bevorsteht. So spricht fast-Notenbankchef Larry Summers von einer möglichen „säkularen Stagnation“, da die Investitionsbereitschaft so gering sei, dass sie nur bei negativem Zinssatz wieder angefacht werden könne. Ist auch irgendwie logisch – wenn der ROI weniger Rendite verspricht, als man durch das Parken des Geldes erhält, dann hat die Wirtschaft und damit Welt ein Problem!

    Das Ideen-Panoptikum ist dabei so skurril, dass unter den „Lösungsvorschlägen“ allen ernstes die Abschaffung von Bargeld erwogen wird, um das Horten von Geld bei negativem Zinssatz zu unterbinden. Alternativ spränge wieder mal der Staat als Schuldner ein oder man verstaatlicht gleich das ganze Bankenwesen. Die Prämisse ist klar, es muss weiter aufwärts gehen, am Wachstumsdogma wird nicht gerüttelt. Aus Sicht der Eliten durchaus verständlich, kämen doch Probleme ganz anderer Größenordnung ans Tageslicht, wenn man sich davon lösen würde…

    Am Glauben fehlt es gerade denjenigen keynesianisch geprägten Fachleuten nicht, dass man nur mehr Geld in die Hand nehmen müsse, und das System liefe wieder rund. Andernorts lautet es, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sei zu gering und genau deswegen müsse man zu Zwangsmaßnahmen wie negativen Zinsen greifen. [Diese Begrifflichkeit führt allerdings in die Irre, dazu im nächsten Teil mehr.] Aber genau jener „Glaube“ ist so bar jeglicher Realität, dass es zumindest mir als Naturwissenschaftler bitter aufstößt. Aber wahrscheinlich bin ich nur ein gebranntes Kind, wie die letzten Jahre Arbeit in der erneuerbaren Energien-Branche gezeigt haben. Dort wurde in den absoluten Boomzeiten 2010 die sich bislang abgezeichnete Exponentialfunktion bei Personalbedarf und Produktionskapazitäten einfach weiter in die Zukunft hoch skaliert. Da liefen Planungen mit 3-facher Kollegenanzahl und riesigen neuen Werken binnen 3-5 Jahren.

    Dementsprechend groß war (und ist) der Katzenjammer. Die Lehre, die man daraus ziehen kann, ist die, dass der Mensch dazu neigt, die Entwicklung der Vergangenheit in die Zukunft zu übertragen – erst recht im positiven Überschwang. Diese Entwicklung hielt auf die Firma bezogen nur wenige Jahre an, irgendwann ebbte einfach der Geldstrom ab. Steile Wachstumsraten bedeuten eben auch ein schnelles Ende des Zyklus. Übertragen wir das Ganze einmal auf die Gesamtwirtschaft. Hier läuft die Entwicklung im Vergleich zu einer einzelnen Firma erheblich langsamer ab. Die Wachstumsraten sind eher gering, und so dauert es um einiges länger, bis man an einem Punkt ankommt, wo das System an seine Grenzen stößt und anfängt zu kippe(l)n. Damit wären wir wieder bei der Einleitung und genau an dem Punkt, wo wir heute stehen.

    Geht es nun weiter so wie bisher, mit noch mehr Anstrengung und Energieaufwand, jeder legt noch ein Schippchen drauf? Oder fangen doch ein paar mehr Leute an mal einen Schritt zurückzutreten und sich das Hamsterrad einmal genauer anzuschauen, in dem sie sich werktäglich abstrampeln? Nachhaltigkeit ist ein immens wichtiger Begriff, an dem die Welt, an dem jede(r) Einzelne nicht länger vorbeikommt. Rohstoffe aus der Erde zu buddeln ist es eben gerade nicht! Ich mache mir nichts vor, bisher hat es immer erst eines großen Knalls bedurft, bevor der Mensch ein Einsehen hatte und sein Handeln änderte. Wäre ein Novum, wenn es einmal ohne Krise funktionieren würde.

    Dieser Ausblick auf die reale Wirtschaftskomponente soll für den ersten Teil ausreichen, in Teil 2 werden wir uns das Geldsystem näher anschauen und auf das Thema Verteilung zu sprechen kommen. Denn irgendwo her muss der Drang bzw. Zwang nach immer mehr Wachstum ja kommen!

     
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