Wie war das noch mit dem Geld?

Jeder hier ist wahrscheinlich schon mal über das folgende Beispiel gestolpert. Eine amüsante Anekdote, wie ein Geldkreislauf funktioniert:

Ein Reisender kommt in ein fremdes Dorf und kehrt in einem Hotel ein. Er sagt dem Hotelier, dass er sich gerne die Zimmer anschauen möchte, um vielleicht eines für eine Übernachtung zu mieten und legt als Kaution einen 100 Euro Schein auf den Tresen.
Der Eigentümer gibt ihm einige Schlüssel und dann geht’s los:
1. Als der Besucher die Treppe hinauf ist, nimmt der Hotelier den Geldschein, rennt zu seinem Nachbarn, dem Metzger und bezahlt seine Schulden.
2. Der Metzger nimmt die 100 Euro, läuft die Straße runter und bezahlt den Bauern.
3. Der Bauer nimmt die 100 Euro und bezahlt seine Rechnung beim Genossenschaftslager..
4. Der Mann dort nimmt den 100 Euro Schein, rennt zur Kneipe und bezahlt seine Getränkerechnung.
5. Der Wirt schiebt den Schein zu einer an der Theke sitzenden Prostituierten, die auch harte Zeiten hinter sich hat und dem Wirt einige Gefälligkeiten auf Kredit gegeben hatte.
6. Die Dirne rennt zum Hotel und bezahlt ihre ausstehende Zimmerrechnung mit den 100 Euro.
7. Der Hotelier legt den Schein wieder zurück auf den Tresen. In diesem Moment kommt der Reisende die Treppe herunter, nimmt seinen Geldschein und meint, dass ihm keines der Zimmer gefällt und er verlässt die Stadt.
Niemand produzierte etwas. Niemand verdiente etwas. Alle Beteiligten sind ihre Schulden los.

Was kann man in diese Geschichte nun alles hinein interpretieren, der Reihe nach:

  • (Bar-)Geld ist notwendig, damit die untereinander verschuldeten Menschen sich ihrer Forderungen entledigen können. Dabei kann es quasi verzögerungsfrei von einem zum anderen weitergereicht werden. Dies ist die monetaristische Sichtweise, ohne Moos nix los! 😉

Ist Bargeld aber wirklich notwendig, um diese Kette an Forderungen aufzulösen?

  • Angenommen es kommt kein Gast vorbei, was hindert den Hotelier zu seiner Bank zu gehen und sein Konto um 100 Euro zu überziehen? Wir wollen annehmen, dass die Bank ihn soweit kreditwürdig einstuft. Die Bank schreibt ihm den Betrag gut, und zwar indem sie ihre Bilanz verlängert (sog. „Geldschöpfung aus dem Nichts“). Er überweist den Betrag an den Metzger, usw. usf., bis dieser von der Dirne zurück an ihn überwiesen wird. Damit kann der Kredit wieder getilgt werden, das Geld verschwindet wieder im Nichts (Bilanzverkürzung der Bank auf den Ursprungszustand). Dies ist die Sichtweise des „endogenen Geldes“, vom Nachfrager durch die Bank erzeugt. Es ist bei den getätigten Überweisungen vollkommen egal, ob alle Kunden bei derselben Bank sind oder nicht, denn die Zahlungsströme gleichen sich alle wieder aus.

Monetaristen, bzw. orthodoxe Geldtheoretiker haben ihre Probleme mit den sprachlichen Verwirrungen des Begriffs „Geld“. Das, was die Bank hier erzeugt, wäre „nur“ ein Guthaben, aber kein „echtes“ Geld. Wie, Sie sehen da keinen Unterschied? Seien Sie unbesorgt, denn dann geht es Ihnen wie >95% der Menschen. Natürlich gibt es einen rechtlichen Unterschied zwischen den beiden „Geldarten“, aber der ist ähnlich wie bei Gold-Geld und Papiergeld. Geld ist, was als Geld akzeptiert wird. Und im Fall der Fälle kann man ja gerne klagen 🙂

Ist das aber der Weisheit letzter Schluss? Nein, natürlich nicht.

  • Ist diese vorliegende Verkettung von Forderungen erst einmal als solche von allen Beteiligten erkannt, können sich alle an einem runden Tisch zusammensetzen und diese gegenseitig streichen. Schritt für Schritt würde das so aussehen, dass z.B. der Hotelier den Metzger mit seiner Forderung gegen die Dirne „bezahlt“. Dieser muss die Übertragung natürlich akzeptieren, was i.d.R. Vertrauen voraussetzt. Hier im Beispiel wissen alle Beteiligten, dass am Ende alle profitieren werden und stimmen deshalb zu.

Wir halten fest:

  • Geld ist Mittel zum Zweck, Forderungen zu begleichen
  • was als „Geld“ letztlich zum Einsatz kommt, ist herzlich egal, so lange es der Gegenüber akzeptiert
  • „Geld ist eine zur Umlauffähigkeit veredelte SchuldForderung“ (G. Trappe R. Menéndez unbekannt) nach Kommentar erneut editiert

 

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