Rohstoffdebatte: Auswirkungen von verminderter Ertragsleistung

Ugo Bardi stellt in seinem letzten Blogeintrag „The invasion of the resource zombies“ die fehlgerichtete Berichterstattung eines Autoren des WallStreet Journal (WSJ) an den Pranger, der gegen die Ressourcenproblematik argumentiert. Im WSJ heißt es „The World’s Resources Aren’t Running Out„.

Diese Argumentation sei dahingehend fehlerhaft bzw. unvollständig, dass das Problem eben nicht das Knapp-werden oder gar Ausgehen von Ressourcen/Rohstoffen sei, sondern die sich seit Jahren abzeichnende und gut dokumentierte Verminderung der wirtschaftlichen Ertragsleistung bei der Förderung:

„But, apart from platitudes and legends, the article by Matt Ridley is wrong because it is based on a classic strawman: the one that says that we should worry about „running out“ of mineral resources. It is not so. Let me say it emphatically, assuredly, and unequivocally: we are NOT running out of anything. That’s not the problem; the real problem with resources is diminishing economic returns. It means that we have extracted the „easy“ (i.e. inexpensive) resources and that now we are forced to extract from „difficult“ (i.e. more expensive) resources.“

Als Anschauungsbeispiel dient der Verlauf der Silberproduktion der letzten Jahre. Diese verharrt absolut gesehen auf relativ hohem Niveau, allerdings ist die Ertragsleistung stark rückläufig. Es muss immer mehr Gestein bearbeitet werden, um auf dieselbe Gesamtmenge zu kommen. Die „guten“, reichhaltigen Vorkommen sind mittlerweile ausgebeutet, die noch vorhandenen können nur unter weiter steigendem Aufwand extrahiert werden. Kurz gesagt, uns werden die Ressourcen nicht ausgehen, aber es wird wirtschaftlich immer unrentabler, die noch vorhandenen Vorkommen zu erschließen und auszubeuten. Im Endeffekt bleiben sie dann im Boden.

Muss man hinzufügen, dass für Öl, Gas, Edelmetalle, usw. das gleiche gilt?

Gail Tverberg hat sich auf ihrem Blog eingehend mit dem Thema Grenzerträge bei der Erölförderung beschäftigt: „Oil Limits and the Economy: One Story, Not Two

Sie verknüpft die großen Notwendigkeiten der heutigen Wirtschaftssysteme – Wirtschaftswachstum und die langfristige Substitution fossiler Energieträger – denn diese seien in keiner Weise unabhängig voneinander:

„Energy use is very closely tied to economic growth. When energy consumption becomes slow-growing (or high-priced—which  is closely tied to slow-growing), it pulls back on economic growth. Job growth becomes more difficult, and governments find it difficult to get enough funding through tax revenue. This is the situation we have been experiencing for the last several years.
We might think that governments would be aware of these issues and would alert their populations to them.  But governments either don’t understand these issues, or only partially understand them and are frightened by the prospect of what is happening.“

Den Grafiken kann man entnehmen, dass der Ölpreis mit der wirtschaftlichen Entwicklung korreliert. Hohe Nachfrage treibt den Preis nach oben, während in Schwächephasen der Ölpreis sinkt. Auch sie zieht dieselben Schlüsse der schwindenden Erträge: „Diminishing Returns is Like a Treadmill that Runs Faster and Faster

Schlussfolgerung: Die immer aufwändigere und damit teurer werdende Förderung wird für weiter zunehmende Preise der betreffenden Rohstoffe sorgen. Dies wird sich nachteilig auf das weitere Wirtschaftswachstum (in der heutigen Form) auswirken und dieses begrenzen. Man steuert so unaufhaltsam auf einem tipping point zu, an dem die Wirtschaft kippt und die Preise dann so weit fallen, dass sich mit einem Schlag die weitere Förderung kaum noch lohnen würde. Der (Energie-)Aufwand wäre schlicht zu hoch. Um zum Beginn zurückzukehren: Material wäre dann noch ausreichend vorhanden, nur ökonomisch würde sich die Ausbeutung der Vorkommen nicht mehr lohnen. Zu den Aussagen aus Richtung Bundestag, dass Energie bezahlbar bleiben soll, fällt mir nichts weiter ein… Immerhin scheint der Zusammenhang von steigenden Energiepreisen als „Wachstumsbremse“ erkannt zu sein. Aber dann eine solche Forderung aufzustellen, ist an Naivität/Dummheit nicht zu überbieten.

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