Aktualisierungen Juni, 2014 Kommentarverlauf ein-/ausschalten | Tastaturkürzel

  • thewisemansfear 5:56 pm am June 25, 2014 Permalink
    Tags: ergodisches Axiom, , , , , ,   

    Interlude: Wettbewerbslogik 

    Als Einschub ein paar teils aktuelle Zitate mehr oder weniger prominenter Personen rund um das Thema Wirtschaft & Wettbewerb:

    „Ich glaube, wir sind in einem Weltwirtschaftssystem, das nicht gut ist… Wir haben das Geld in den Mittelpunkt gestellt, den Geldgott. Wir sind in den Götzendienst des Geldes verfallen… Wir schließen eine ganze Generation aus, um ein Wirtschaftssystem aufrecht zu erhalten, das nicht mehr zu ertragen ist. Ein System, in das Krieg führen muss, um zu überleben…“ (QuellePapst Franziskus

     

    „Ihr Modell [das von EU-Kommission und deutscher Regierung, Anm.] für die Weltwirtschaft sieht so aus, dass es darum geht, die Einkommen zu Hause möglichst gering zu halten. Den Binnenmarkt ins künstliche Koma versetzen: Sie nennen das Wettbewerbspolitik.Wenn aber am Ende die Binnenmärkte überall eingeschläfert sind – wo sind dann die Exportmärkte? Und soll das wirklich ein Geschäftsmodell zwischen Staaten sein, zu sehen, wer dem anderen besser die Butter vom Brot klaut? Vielleicht schert sich Europa in Wahrheit ja einen Dreck um gemeinsame Interessen der Weltwirtschaft und der Bevölkerungen und möchte einfach nur auf Kosten anderer – schmarotzen?“ (QuelleErik Jochem

     

    „The deeper message is that mainstream economics is in fact an ideology – the ideology of the free market. Its tools and assumptions define its topics. If we assume perfect rationality and complete markets, we are debarred from exploring the causes of large-scale economic failures. Unfortunately, such assumptions have a profound influence on policy. The efficient-market hypothesis – the belief that financial markets price risks correctly on average – provided the intellectual argument for extensive deregulation of banking in the 1980s and 1990s. Similarly, the austerity policies that Europe used to fight the recession from 2010 on were based on the belief that there was no recession to fight. These ideas were tailored to the views of the financial oligarchy. But the tools of economics, as currently taught, provide little scope for investigating the links between economists’ ideas and the structures of power.“ (QuelleRobert Skidelsky

     

    „Da wird nicht geguckt, ob ein bestimmter Markt irgendwas hergibt oder ob es in diesem Markt Veränderungen gibt, die entweder für ne bestimmte Zeit oder strukturell dafür sorgen, dass in diesen Märkten so viel Geld verdient werden kann, nein, das gibt’s nicht. Jedes Jahr 10% mehr – wie Du das machst ist mir egal. I don’t care how you do it.“

    „Selbst wenn man anguckt, welche Semantik heutzutage benutzt wird: Die Märkte!
    Es gibt nicht die Märkte! Wir tun so, als wäre das irgendeine gotthafte Kraft, die über uns hereinbricht. „Die Bank oder die Firma hat entschieden -“ Nein! Da entscheiden Menschen. Und wenn man den Menschen sagt: „Hör damit auf!“ Dann hören die damit auf. Das muss man nur in der richtigen Art tun.“ (QuelleRainer Voss, aus „Der Banker – Master of the Universe“

     

    „Was in der neoklassischen Theorie grundlegend falsch läuft, hat Paul Davidson (unter anderem in dem Buch „Handelt jetzt“) das ergodische Axiom genannt, die Annahme nämlich, dass sich die Wirtschaft wie die Satelliten auf klar festgelegten Bahnen bewegt: Hat man die Bewegungsgesetze einmal durchschaut, müssen sie nur noch mathematisch formuliert werden, um aus der Ökonomik eine Wissenschaft zu machen. Wer jetzt den Piketty-Hype mitmacht, begibt sich genau auf diesen Weg und damit auf einen der ältesten Holzwege der Ökonomen überhaupt.“ (Quelle) Heiner Flassbeck

     

     

    Um den Brückenschlag zurück zum Thema Ressourcen hinzubekommen, in Kalifornien und angrenzenden Bundesstaaten verschärft sich der Wettbewerb um kostbares Nass: Wie die LA Times berichtet, reichen die Zuflüsse im und um den Colorado River wohl langfristig nicht aus, die angrenzenden Metropolen zu versorgen. Was hat nun Vorrang: Energieerzeugung, Bewässerung von Feldern oder Versorgung der Einwohner? Fakt ist wohl, dass, so lange das Wasser reichhaltig floss und für alle mehr als genug vorhanden schien, sich niemand groß Gedanken um die Zukunft gemacht hat. Erst recht war kein Anreiz da, sparsam damit umzugehen. Erst mit einer Verknappung der Ressourcen sieht man sich zum Handeln gezwungen. Wasser kann man nun nicht einfach irgendwo aus dem Hut zaubern, daher wird man sich etwas einfallen lassen müssen, wie das Verbrauchsniveau nachhaltig an die verfügbaren Zuflüsse angepasst wird. Beim Thema Energie wird das erst recht spannend.

     

    PS: Gail Tverberg hat es mit ihrem letzten Blogbeitrag über die Problematik unseres vernetzten Wirtschaftssystem bis auf zerohedge geschafft.
    —Klitzekleines Update beim Zitat von Rainer Voss, habe den Film endlich komplett geschaut. Sehenswert!—

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  • thewisemansfear 1:36 pm am June 19, 2014 Permalink
    Tags: , , International Energy Agency, , ,   

    Der Ölpreis balanciert auf Messers Schneide 

    Beim heutigen Beitrag geht es um den Schmierstoff moderner (Volks-)Wirtschaften schlechthin – das Öl. In einem Fass (159l) steckt ein Energiegehalt von 5,88 GigaJoule, im Vergleich dazu verbraucht ein Mensch pro Tag in etwa 8,5 MegaJoule (ca. 2.000kcal). Aber um die menschliche Ernährung geht es bei dem Stoff nur sekundär, vielmehr um seine Rolle als „low-entropy“ Energiequelle. Wenn man sich vor Augen hält, dass man für diese Energie mal weniger als eine Handvoll Dollar hinblättern brauchte, dann wirkt das fast schon grotesk. Wie bei allem in der Welt gilt: ist im Überfluss davon da, besitzt es keinen monetären/zählbaren Wert. Erst mit einer Verknappung bildet sich dieser heraus.

    Nach Angaben der International Energy Agency (IEA) sind 2011 weltweit knapp 89 Millionen Fass Rohöl pro Tag verbraucht worden. Die Peak-Oil Debatte existiert nicht erst seit gestern, man ist sich letztlich uneins, wie lange noch auf diesem Niveau weiter gefördert werden kann oder ob wir bereits das Fördermaximum überschritten hätten. Wer sich unbedarft mit der Diskussion auseinandersetzt, könnte schnell versucht sein, mit den Schultern zu zucken und dem „Problem“ keine große Relevanz beimessen, da Peak bedeuten würde, es wäre ungefähr nochmal so viel Öl vorhanden. Pustekuchen. Der Zusammenhang ist nicht so trivial.

    Es gibt unterschiedliche Arten von Ölvorkommen

    1. crude oil (Rohöl), höchste Konzentration, sehr leicht zu extrahieren
    2. offshore oil (aus dem Meer gewonnenes Rohöl), ebenfalls hohe Konzentration, der Extraktionsaufwand nimmt zu (Bohrinseln)
    3. tar sands (in Teersanden gebundenes Öl), niedrigere Konzentration, höherer Aufwand zur Extraktion (Trennung mittels Chemie)
    4. shale oil (in Schiefergestein gebundenes Öl), im Vergleich die niedrigste Konzentration, erneut höherer Förderaufwand + Nutzbarmachung

    Mit jeder dieser Stufen nimmt der Extraktionsaufwand zu. D.h. es steigen sowohl monetäre Kosten als auch energetischer Aufwand. Das Verhältnis von aufgewendeter zu gewonnener Energie sinkt, die Förderung wird zunehmend unökonomisch. Spätestens wenn man in Bereiche kommt, wo man kaum noch mehr „hinten raus“ bekommt, als von „vorne rein“ steckt, wird man von einer weiteren Förderung absehen. An dieser Stelle sollte klar werden, dass wir kein Problem ausgehender Rohstoffe haben, sondern dass ab einem Zeitpunkt X der weitere Abbau wegen schwindender Erträge (diminishing returns) nicht mehr lohnt. Der Rest an Rohstoffen verbleibt dann einfach ungenutzt in der Erde (siehe Quelle im Bild oben). Wichtig zu verstehen ist, dass sich diese Problematik auf so ziemlich alle mineralischen Abbauprodukte übertragen lässt, keinesfalls nur auf Öl begrenzt ist.

    Das Dilemma um die Höhe des Preises

    Der Preismechanismus soll ja nach Marktlogik® genau das gewährleisten: abschätzen zu können, wann sich etwas lohnt, bzw. nicht (mehr) lohnt. Der Ölpreis muss demnach steigen, damit die Erschließung der Vorkommen niedrigerer Konzentration weitergehen kann – andernfalls lohnt es nicht weiter. Die Kehrseite der Medaille ist die, dass sich höhere Energiepreise negativ auf das Wirtschaftswachstum® auswirken. Höhere Aufwendungen für Strom/Heizung/etc. verringern direkt das verfügbare Haushaltseinkommen für Konsum™. Das ist den Verantwortlichen nur allzu bewusst, sonst würden Forderungen nach „bezahlbarer Energie(wende)“ nicht so vehement von Politikern und Industrievertretern vertreten. Hier beißt sich die Katze allerdings in den Schwanz, denn ohne dass Energie teurer wird, erreicht man früher den Zeitpunkt, an dem die weitere Förderung nicht mehr rentabel durchzuführen ist. Das System steuert an dieser Stelle auf eine nicht zu überwindende Grenze zu.

    Zusammenhang von Energiepreis und Wirtschaftswachstum, Quelle: http://ourfiniteworld.com/2014/05/21/the-connection-between-oil-prices-debt-levels-and-interest-rates/  (Fig. 8)

    Zusammenhang von Energiepreis und Wirtschaftswachstum, Quelle: http://ourfiniteworld.com/2014/05/21/the-connection-between-oil-prices-debt-levels-and-interest-rates/ (Fig. 8)

    Dieser empirische Beleg ist kein Nachweis kausaler Zusammenhänge. Man sieht jedoch gut, wie sich Öl- und Energiepreise relativ im Gleichtakt mit der Wirtschaftsentwicklung bewegen. Das führt uns direkt zum nächsten Schaubild, auf dem die Ausgaben/Aufwendungen (capital expenditures – capex) einiger der führenden Öl-/Energiemultis (entsprechen ca. 1/3 des Weltmarktes) aufgelistet sind:

    Während der letzten 10 Jahre sind diese kontinuierlich auf das Fünffache gestiegen. Im selben Zeitraum ist die absolute Ölfördermenge auf dem selben (hohen) Niveau verharrt. Das trägt den oben genannten Zusammenhängen Rechnung, dass die Erschließung weiterer, weniger effizient auszubeutender Quellen nicht ohne monetären Mehraufwand vonstatten geht. Wichtig ist der Forecast, der bestenfalls stagniert oder nach einigen Prognosen sogar wieder sinken soll. Ein weiteres Zeichen, dass Aufwand/Nutzen für die Unternehmen in einem zunehmend ungünstigeren Verhältnis stehen.

    Der Tanz auf Messers Schneide

    Niemand kann konkret vorhersagen, welche Auswirkungen eine neuere wirtschaftliche Schwächephase für Auswirkungen haben wird. In der Weltpolitik sprießen die Konfliktherde geradezu wie Pilze aus dem Boden. Was für Auswirkungen ein neuerlicher Schock durch Platzen der nächsten Finanzmarkt-Blase hätte, lässt sich allenfalls erahnen. Dass der Ölpreis dadurch unter Druck gerät, steht außer Frage. Damit würden u.U. sofort weitere Investitionen bei der Förderung auf Eis gelegt, was sich mittel- und langfristig auf die globale Wirtschaft und damit jeden von uns auswirken wird. Ein Zurückkehren auf das alte Niveau würde wahrscheinlich Jahre dauern. So lange, bis sich der Preis wieder „erholt“ hätte und die Investitionen nachgeholt werden könnten. Unter Umständen wird das bisherige Niveau aber auch gar nicht mehr erreicht werden können.

    Von verantwortungsvoller Politik (und deren Beratern) würde man erwarten, dass solcherlei Abhängigkeiten erkannt werden und man versucht, diese zu beseitigen. Wachstum in Form eines immer höher wachsenden tumbling-towers kann niemand ernsthaft wollen. Leider ist es so, dass Wachstum® längst zum nicht mehr hinterfragten Selbstzweck verkommen ist. Die Gründe dafür werden im kommenden Beitrag beleuchtet.

     

     

     

     
  • thewisemansfear 11:24 am am June 18, 2014 Permalink
    Tags: Daniele Ganser, , , , Herman E. Daly, , , ,   

    Der Zusammenhang von Energie und Wirtschaftswachstum 

    Auf dem vorigen Beitrag aufbauend geht es heute um die Frage, inwieweit Wirtschaftswachstum Grenzen gesetzt sind. Ökonomen beschränken sich leider allzu oft nur auf die monetäre Ebene. Zu Beginn eine kurze Einführung zum Thema Wirtschaften – was geschieht da eigentlich? Menschen erbringen Arbeitsleistung unter Einsatz mehr oder weniger körperlicher Anstrengung (teilweise durch erhebliche technische Hebel „verlängert“) und veredeln dabei Rohstoffe zu höherwertigen Endprodukten. Es kann sich dabei auch nur um einen Teil einer komplexen Wertschöpfungskette handeln, das ist unerheblich. Je nachdem wie hochwertig dieser Veredelungsprozess ist (bzw. angesehen wird), trägt er mehr oder weniger stark zu einem Mehrwert, also Wirtschaftswachstum bei. Ganz profan kann man natürlich auch einfach den Output steigern. Wenn Unternehmen eines können, dann ist es die Skalierung des Ausstoßes. Wir haben aber eine wichtige Komponente noch nicht genannt, die Voraussetzung jeglichen Wirtschaftens ist: Energie. raw-materials-energy-finished-product Da wir aus dem letzten Beitrag gesehen haben, dass alle Dinge einem natürlichen Ausgleichsprozess entgegen streben, welcher nur eine Richtung kennt -> höhere Entropie/“Unordnung“ und gleichzeitig weniger für Arbeit nutzbare Energie. Für den Umkehrprozess muss zusätzliche Energie aufgewendet werden. Wie das im Detail abläuft, hat Steve Keen in diesem Beitrag ausgeführt. Ein Screenshot aus dem Vortrag soll die Vorgänge illustrieren:

    Prozessabläufe in der Wirtschaft

    Prozessabläufe in der Wirtschaft

    • Aus Rohstoffen werden mittels freier „low-entropy“ Energie veredelte (oder einfach mehr) Endprodukte geschaffen
    • als Energieträger stehen regenerative (Sonne, Wind, Wasser, Biomasse) sowie fossile Energieträger (Öl, Gas, Kohle) und Kernenergie zur Verfügung
    • die Entropie des Endprodukts (höherer Ordnung) reduziert sich, allerdings nimmt die Gesamtentropie zu, da gleichzeitig reale Abfälle und Abwärme anfallen (so lange niemand die Unmöglichkeit eines perpetuum mobile widerlegt, bleibt dies eine physikalische Gesetzmäßigkeit, der sich niemand entziehen kann)
    • Recycling von nicht regenerativen Materialien kommt ebenfalls nicht ohne Verluste/Abfälle aus, die nicht mehr verwertet werden können -> Müllberg wächst
    • selbst der Erhalt von Infrastruktur benötigt ständigen Einsatz zusätzlicher Energie (dem Verfall entgegenwirken), der Aufwand steigt mit zunehmender Größe/Komplexität

    Wir halten fest: Ein wachsender Ausstoß an Endprodukten und komplexer Infrastruktur benötigt zwingend auch ein mehr an freier (zur Arbeit verwendbarer) Energie. Nochmal zurück zum letzten Beitrag – so gewaltig die in den Ozeanen gespeicherte Energiemenge auch ist, sie ist nicht oder kaum noch effizient nutzbar. Fossile Energieträger stellen eine einmalige Quelle frei nutzbarer Energie dar, aber irgendwann ist auch dieses Potential erschöpft. Was danach noch bleibt, sind auf der Sonne basierende regenerative Quellen. Kernenergie wird aus gutem Grund gesellschaftlich abgelehnt, das hält einen gewissen Prof. Sinn aber nicht davon ab, den Ausstieg rückabwickeln zu wollen. Die Energiefrage wird uns die kommenden Jahre noch weiter beschäftigen. Aus meiner Sicht wird die Erkenntnis weiter reifen, dass das jetzige Niveau nicht nachhaltig ist.

    Was bedeutet Nachhaltigkeit?

    Nachhaltig bedeutet langfristig stabil, es wird ein Gleichgewicht im System erreicht von verwertbarer einströmender (das ist in unserem Fall die Sonne) und abgegebener Energie. System bzw. Organismus wachsen bis zu einer energetisch auferlegten Grenze, die abgebildete Funktion dient sowohl zur Beschreibung vom Wachstum eines Baumes wie auch von dem eines Menschen. Technische Hilfsmittel lassen uns (als Menschheit) diese Grenzen temporär außer Kraft setzen, aber langfristig, wenn alle Einweg-Energieträger aufgebraucht sind, werden diese Systemgrenzen wieder relevant. Problematisch wird es dann, wenn man sich von einer Energiequelle abhängig macht, von der man weiß, dass sie nicht bis in alle Ewigkeit weiter sprudeln wird. Daniele Ganser hat das im Gespräch mit KenFM sehr gut zum Ausdruck gebracht. Die ersten paar Minuten reichen aus, um die Grundaussage nachvollziehen zu können. Wenn man sich dann noch vor Augen hält, was im Namen des Öls schon für Konflikte ausgetragen wurden und aktuell werden… Öl werde ich im nächsten Beitrag weiter thematisieren, insbesondere die Problematik herausarbeiten, dass der Ölpreis auf Messers Schneide balanciert. Wir wenden uns zunächst wieder dem Hauptthema Wachstum und Nachhaltigkeit zu.

    Kann Wachstum unökonomisch werden?

    Klare Antwort: Selbstverständlich, und zwar dann, wenn die nachhaltigen (systemischen) Grenzen überschritten werden. Beispielsweise durch Ausnutzung technischer Hilfsmittel, die die Basis langfristig erreichbarer Erträge in Mitleidenschaft ziehen. Herman E. Daly beschreibt dies in Ecological Economics folgendermaßen: Je weiter Wachstum voranschreitet, desto weiter verringert sich der Grenznutzen (marginal utility). Durch Rückwirkungen auf das System gibt es in zunehmende Maße negative Rückkopplungen (marginal disutility). Wachstum wird ab dem Punkt unökonomisch, an dem sich Grenznutzen und negative Effekte aufheben und der negative Anteil überwiegt.

    Als Beispiel blicken wir auf den Fischfang. In einer noch unerschlossenen Welt, deren Rohstoff (Fisch-)Reichtum nur darauf wartet, ausgebeutet zu werden, ist der Ertrag rein durch die Größe der Fischfangflotte begrenzt. Dieser lässt sich so lange steigern, wie neue Schiffe gebaut und neue Fischer angeheuert werden und diese die Meere durchkreuzen. Irgendwann ist jedoch eine Grenze erreicht, an der die Menge, die abgefischt wird, den Betrag übersteigt, der auf natürlichem Weg „nachwächst“. Ab diesem Punkt geht eine weitere Steigerung direkt an die Substanz, die den langfristigen Ertrag schmälert.

    Beispiel nicht nachhaltigem Wachstums

    Beispiel nicht nachhaltigem Wachstums

    Das perfide ist, dass sich der Ertrag noch eine ganze Weile absolut gesehen weiter steigern lässt, indem man einfach die Bestände leer fischt. Das läuft dann auf einen klassischen Generationenkonflikt hinaus. Daniele Ganser sagt das im oben verlinkten Interview sehr treffend – wir (die Menschen) seien nicht enkeltauglich.

    Paul Ehrlich (Biologe): „Warum nur ist die Walfangindustrie so emsig dabei, die eigentliche Quelle ihres Reichtums zu zerstören?“ Japanischer Journalist: „Wenn die Walfanindustrie innerhalb von 10 Jahren die Wale ausrotten kann und dabei 15 Prozent Gewinn erzielt, während bei einer nachhaltigen Fangrate der Gewinn nur 10 Prozent beträgt, dann wird man selbstverständlich die Wale in 10 Jahren ausrotten – und danach das Kapital eben zur Ausbeutung einer anderen Ressource verwenden.“ Paul Ehrlich (zit. nach Meadows, 1991, S. 223 f.)  Quelle (S.10)

    Übertragen lässt sich dieses Verhaltensmuster auf so ziemlich alle nachwachsenden und insbesondere nicht-nachwachsenden Rohstoffe wie den Energieträger Öl. Wenn es allein von der Anzahl der Förderquellen abhängt, wie viel gefördert wird, wer macht sich dann noch Gedanken an zukünftige Generationen? Der technische Fortschritt wird uns schon aus diesem Dilemma befreien, so die einhellige? Meinung. Stephen Hawking möchte lieber heute statt morgen ins Weltall aufbrechen, damit die Menschheit wieder ein Ziel vor Augen hat, dass es lohnen würde, verfolgt zu werden.

    Materielles Wachstum ist begrenzt

    Nach Ansicht einiger Ökonomen, die sich dieser Problematik bewusst sind, wird Wachstum durch qualitative „Entwicklung“ propagiert. Der Weg führt weg von der materiellen Industrie direkt in die Dienstleistungs- bzw. Informationsgesellschaft. Zu dumm, dass auch diese Energie benötigt. Wie oben bereits geschrieben, benötigt selbst eine einmal geschaffene komplexe Infrastruktur zu deren Erhalt fortwährend neue Energie. Kollege deedl hat das in einem inspirierenden Artikel zusammengefasst:

    „Es ist also schlicht unmöglich, Wirtschaftswachstum vom Energieverbrauch zu entkoppeln, weil es im Prinzip das gleiche ist. Jegliches Wirtschaften involviert immer Energie in irgendeiner Form. Die Grenzen des Wachstums sind also die Grenzen unserer Fähigkeit, die Energieströme unserer Welt nutzbar zu machen und unsere Abwärme an unsere Umwelt abzugeben. Beides ist begrenzt.“

    Spielt Geld denn überhaupt keine Rolle?

    Doch, natürlich tut es das. Das Lösen der monetären Handbremse durch eine gerechtere Verteilung der Geldmittel ist das Eine. Wolfgang Waldner hat das hier sehr anschaulich beschrieben. Wie mit den natürlichen Ressourcen umgegangen wird und wie es um deren Verteilung steht, ist eine andere Frage. Man darf sich hier nichts vormachen, die monetäre Ausbremsung großer Teile der Bevölkerung ist von den Eliten dieser Welt (die die hier geschilderte Ressourcenproblematik ganz sicher oben auf ihrem Schirm haben) so gewollt. Dazu gehören aber auch wir in den Industrieländern, die den Schwellen- und Entwicklungsländern die Möglichkeiten zur Entfaltung auf ein ähnliches Niveau vorenthalten. Die Ideologie des grenzenlosen Wettbewerbs macht’s möglich. Aber das ist wiederum ein anderes Thema und führte an dieser Stelle zu weit.

     
  • thewisemansfear 2:21 pm am June 17, 2014 Permalink
    Tags: Ökosystem, , Energiewende, ,   

    Hintergrundwissen zum Thema Energie: Entropie und Exergie 

    Um die Probleme rund um Energieversorgung / Energiewende und damit zusammenhängend des Wachstums™ verstehen zu können, muss man sich mit den physikalischen Grundlagen beschäftigen. Naturwissenschaftler sollten mit dem Konzept von Entropie vertraut sein, für diese ist der Beitrag nur als Auffrischung zu verstehen.

    Um uns den Begriffen Entropie und Exergie zu nähern, schauen wir uns die zwei Hauptsätze der Thermodynamik an. Keine Sorge, die sind nur Mittel zum Zweck 🙂

    Von Energie wissen wir – entgegen des landläufigen Sprachgebrauchs – dass sie sich nicht „verbraucht“, sondern nur umgewandelt wird, z.B. in mechanische Arbeit und Wärme. Nichts anderes besagt der sog. Energieerhaltungssatz (1. Hauptsatz der Thermodynamik). Nutzbar machen in Form (elektro-mechanischer) Arbeit lässt sich Energie jedoch nur unter Ausnutzung einer Potentialdifferenz. Die riesige in den Weltmeeren gespeicherte Energie (in Form von Wärme und potentieller Energie) lässt sich nicht nutzbar machen, da sie bei Umgebungstemperatur und auf Höhe Normalnull vorliegt. Wasser fließt nun mal nur den Berg herunter und spontan wird es auch nicht wärmer werden. Das ist im Prinzip schon die Kernaussage des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik. Wichtig ist für uns an dieser Stelle, dass es bei der jeweils auftretenden Form von Energie auf die Arbeitsfähigkeit ankommt. Der Zusammenhang verbildlicht sich wie folgt:

    Zusammenhang von Energie, Exergie und Entropie

    Zusammenhang von Energie, Exergie und Entropie

    Die Grafik stammt aus diesem lesenswerten Beitrag, der noch weiter ins Detail bezüglich Exergie geht. Exergie ist sozusagen die Maßzahl der für Arbeit nutzbare Energie. Diese schwindet bei der Umsetzung, im selben Maße nimmt die Entropie zu. Entropie ist in diesem Zusammenhang ein Maß für nicht mehr nutzbare Energie. Irgendwann ist alles Wasser den Berg herunter geflossen, alles auf Umgebungstemperatur abgekühlt, etc. Ein Beispiel aus dem Beitrag soll das verdeutlichen:

    Eine Autobatterie mit 12V, 2,3Ah hat denselben Energiegehalt wie 1kg Wasser der Temperatur von 43°C, nämlich 100kJ. Das Wasser können wir bestenfalls zum Händewaschen oder Abspülen benutzen, während wir die in der Batterie gespeicherte Energie wesentlich besser nutzbar machen können.

    Oft wird Entropie auch als Maß für (Un-)Ordnung (engl. order) eines Systems benutzt. Zur Veranschaulichung dient das folgende Bild:

    Ohne zusätzliche Energie wird man die beiden Flüssigkeiten nicht wieder wie links zu sehen trennen können. Ohne zusätzlichen Aufwand wird auch die Unordnung auf dem Schreibtisch oder im Kinderspielzimmer nicht wieder abnehmen 😉
    Gut veranschaulichen lässt sie sich auch als „Zahn der Zeit“, der überall nagt. Alterung/Zerfall ist nichts anderes, als das Bestreben aller Dinge, einen energetisch niedrigeren Zustand zu erreichen. Die Flussrichtung ist in einem geschlossenen System (welches ich für die Ausführungen zum 2. HS d. T.-Dyn. vorausgesetzt habe) jeweils nur von höherem zu niedrigerem Niveau möglich.

    Der Zahn der Zeit.

    Der Zahn der Zeit.

     

    Wie kommt nun Leben in die Bude und vor allem, wie wird dieser Zustand dauerhaft erhalten? Ganz einfach, dies erfordert einen ständigen Zustrom von freier „low-entropy“ Energie von außerhalb. Diese bekommt unser Planet seit ein paar Jahrmilliarden kostenfrei von der Sonne zur Verfügung gestellt. Daraus hat sich ein richtig gehender Bioreaktor entwickelt:

    ENERGY MOVEMENT IN ECOSYSTEMS (Energiefluss in Ökosystemen)

    Energy moves through TROPHIC LEVELS
    Producers – take in energy by photosynthesis, produce biomass
    CO2 + H2O + light  ->   sugar + O2
    ex: plants (Pflanzen)
    Consumers – organisms that eat other organisms (live or recently dead)
    herbivores eat plants (deer, squirrel)
    carnivores eat animals (fox, bobcat)
    omnivores eat both (turkey) (+Menschen)
    Decomposers – organism that eat dead material (Verwertung durch Zersetzung, es entsteht die Nährstoffgrundlage für die Produzenten/Pflanzen)
    ex: fungi, bacteria, some insects (ants, termites)

    Jede einzelne Station benötigt für sie nutzbare Energie (Exergie), um zu funktionieren. Ebenso entstehen bei der Umwandlung jeweils Verluste, meist in Form von Abwärme. Ohne die Sonne als externer „low-entropy“ Energiequelle käme dieser Kreislauf recht schnell zum Erliegen bzw. erst gar nicht in Gang. Man halte sich nur vor Augen, dass Menschen und sonstige Lebewesen ihre komplette Zellstruktur innerhalb eines bestimmten Zeitraums erneuern, all das ist nur mit „frischer“ Energie möglich. Bei Pflanzen läuft dieser Prozess erheblich schneller ab. Ohne Licht und Wärme ist teilweise innerhalb von Stunden Ende im Gelände. Bedeutsam ist, dass sich lediglich der Zeitraum unterscheidet, wie lange die Lebenserhaltung ohne Zuführung neuer Energie aufrecht erhalten werden kann.

    Vergleich von offenem und geschlossenen System

    Vergleich von offenem und geschlossenen System

    Natürlich steht uns nicht nur die Sonne als Energieträger zur Verfügung. Die Verbrennung von Holz als nachwachsendem Rohstoff kann zur Wärmegewinnung (Kochen, Heizung, etc.) genutzt werden. Ebenso wie Kohle, Öl und Gas als fossile Energieträger mit ungleich höherer Energiedichte zum Einsatz kommen. Nicht vernachlässigt werden sollte jedoch, dass auch diese Erscheinungsformen ohne Sonneneinstrahlung nicht entstanden wären. Der Entstehungszeitraum lässt sich als Mensch nur schwer begreifbar machen. Wir leben im Hier und Jetzt und freuen uns über die Segnungen der Vergangenheit. Oder etwa nicht? Kernspaltung und -fusion stellen ebenfalls Möglichkeiten zur Nutzbarmachung von Energie dar.

    Im nächsten Beitrag werde ich den sich bereits andeutenden Bogen zum Thema Wirtschaftswachstum schlagen und beleuchten, was es mit nachhaltigem Wachstum™ auf sich hat.

     

     

     
  • thewisemansfear 10:22 am am June 16, 2014 Permalink
    Tags: Economic Policy Institute, , , trickle-down-Theorie, ,   

    Profiteure der "trickle-down"-Theorie 

    Umverteilung einmal anders: Firmenbosse wurden im vergangenen Jahr durchschnittlich 296x höher entlohnt als ein Arbeiter, wie das Economic Policy Institute hier schreibt. David Ruccio hat dies ebenfalls in seinem Blog aufgegriffen und eine kurze Zusammenfassung geschrieben.

     

    Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – aber viel besser ist natürlich ein Video, was diesen Sachverhalt veranschaulicht:

     

    Interessant, was die Autoren noch dazu schreiben. U.a. haben sie facebook bei der Berechnung ausgenommen, da sie sonst für 2013 ein Verhältnis von 510 zu 1 hätten angeben müssen 🙂

    That CEO pay grew far faster than pay of the top 0.1 percent of wage earners indicates that CEO compensation growth does not simply reflect the increased market value of highly paid professionals in a competitive market for skills (the “market for talent”) but reflects the presence of substantial rents embedded in executive pay (meaning CEO pay does not reflect greater productivity of executives). Consequently, if CEOs earned less or were taxed more, there would be no adverse impact on output or employment.

    Fettaugensyndrom, anyone? Nitzan & Bichler haben kürzlich einen sehr erhellenden Beitrag über die Funktionsweise unseres Wirtschaftssystems geschrieben. Das, was die Leute heutzutage antreibe, ist der Ansatz von „relative power“ (ein größeres Stück vom Kuchen abzubekommen). Selbst an der Spitze gibt es eine weitere Auseinanderentwicklung. Jeder Wirtschaftsteilnehmer, der stärker als der Durchschnitt „wächst“, verzeichnet einen effektiven Machtgewinn bzw. hat ein größeres Stück vom Kuchen. Das schafft man natürlich nur, indem man anderen Leuten etwas wegnimmt vorenthält. Faire Bezahlung beispielsweise.

    Warum deswegen niemand aufbegehrt? Weil die Ideologen gute Arbeit geleistet haben: freier Markt®, freier grenzenloser Wettbewerb® und die trickle-down-Theorie. Hierzu als passender Abschluss:

    reaganomics_trickle_down

     
  • thewisemansfear 12:19 pm am June 2, 2014 Permalink
    Tags: , , , , Monetarismus, Quantitätstheorie, umlaufgeschwindigkeit   

    Breaking News: Märkte mit Geld geflutet – Geldumlaufgeschwindigkeit sinkt 

    OMG! Die Welt steht kurz vor dem Zusammenbruch! Am Beispiel USA wird hier „erklärt“, wie die Geldumlaufgeschwindigkeit beständig sinkt und so der wirtschaftliche Niedergang unaufhaltsam voranschreitet. Wer wollte schon die seit Jahren anhaltende deflationäre Tendenz ob dieser Grafik leugnen?

    Geldumlaufgeschwindigkeit M2 (USA)

    Geldumlaufgeschwindigkeit M2 (USA)

    Was sehen wir hier nun genau? Bis Ende der 90er ging es mehr oder weniger bergauf, dann 2000/01 das Platzen der Dotcom-Blase und 2007/08 die GFC (Great Financial Crisis). Grauer Hintergrund bedeuten Krisenjahre, da sollte jedem einleuchten, dass da die Menschen nicht mit Geld um sich werfen, sondern auf die Ausgabenbremse treten.

    Warum sinkt die Geschwindigkeit seitdem immer weiter? Werfen wir einen Blick auf die Quantitätstheorie und auf folgende Grafik:

    Seit 2008 wird seitens der FED die Geldmenge massiv ausgeweitet (über QE habe ich hier bereits etwas geschrieben), was sämtliche Monetaristen auf den Plan ruft, die die (Hyper-)Inflation vor der Türe stehen sehen.

    Ja, was denn nun? Deflation oder Inflation? Kann sich da mal jemand einig werden?!

    Schauen wir uns die Quantitätsgleichung einfach mal an: M*V=P*Y, „wobei M für die Geldmenge, V für die Geldumlaufgeschwindigkeit, P für das Preisniveau und Y für das Handelsvolumen (von realen Gütern) steht, das stark mit dem BIP (Bruttoinlandsprodukt) korreliert“.

    Man kann jetzt ganz viele tolle Rechnungen anstellen, mal P als konstant annehmen, mal Y, usw. und dabei Dinge „beweisen“, die mit der Realität leider nicht viel gemein haben… Nimmt man die rechte Seite als konstant an, dann ergibt sich zwangsweise bei einer Steigerung der Geldmenge M ein Sinken der Umlaufgeschwindigkeit V – der helle Wahnsinn, oder? Wir hätten damit einen Automatismus gefunden, der beide oben beschriebenen Vorgänge unter einen Hut bringt, allerdings keinen kausalen Zusammenhang liefert. Ich zitiere einfach mal den Unterpunkt Kritik aus der wikipedia:

    Die Schlussfolgerungen aus der Quantitätsgleichung hängen nur davon ab, ob die Gleichung von links nach rechts gelesen wird, dass also eine höhere Geldmenge höhere Preise bewirke, oder einfach umgekehrt von rechts nach links, dass bei höheren Preisen ein größerer Geldumlauf erfolgt.[1] Die Gleichung beweist nicht, dass die höheren Preise von einer höheren Geldmenge verursacht wurden und nicht umgekehrt.
    Der entscheidende Einwand betrifft die angeblich für das Preisniveau ursächliche Geldmenge: Wir können uns eine Ökonomie denken, in der alle Zahlungen bargeldlos über Bankkonten abgewickelt werden und zum Ausgangszeitpunkt alle Konten auf Null stehen. Nach einem bestimmten Zeitraum sollen alle Haushalte ihr gesamtes Einkommen so ausgegeben haben, dass alle Konten zum Endzeitpunkt wieder auf Null stehen. Es lässt sich also weder zu Beginn noch zum Schluss irgendeine Geldmenge in der Ökonomie feststellen und dazwischen kann das Bankensystem durch Überweisungen mit vorübergehender Überziehung der Konten die Transaktionen mit jedem beliebig hohen Preisniveau abgewickelt haben.

    Man nennt eine solche Gleichung daher auch eine Tautologie. Sie ist untauglich, kausale Zusammenhänge herzustellen. Je nach ideologischer Ausrichtung, kann man alles und nichts damit „beweisen“. Schön für diejenigen Ökonomen, deren Publikum über diesen Sachverhalt noch nicht aufgeklärt wurde.

    Warum gibt es diese Gleichung überhaupt? Aus meiner Sicht dient sie der Rechtfertigung der Monetarismus-Theorie, dass man weiter von einem „Ding“ Geld ausgehen und es irgendwie fassbar zu machen versucht. Die Dynamik durch Werden und Vergehen bei Kreditvergabe und Tilgung ist da schon etwas komplizierter zu modellieren, aber dann müsste man sich von liebgewonnenen geschlossenen Kreislaufmodellen verabschieden.

    Auch die Erde ist kein geschlossenes System (auf abiotische Ressourcen bezogen schon), die Sonne versorgt uns mit zusätzlicher freier Energie, die Pflanzen, Tiere und wir nutzen, umwandeln und einen Teil davon als Abfallprodukt wieder in den Weltraum abstrahlen. Aber dazu in einem der kommenden Beiträge mehr.

     
    • Philosoph 8:33 am am Juni 14, 2014 Permalink | Antworten

      Das Konzept der Geldumlaufsgeschwindigkeit ist Schwachsinn. Dass die sogenannte Geldumlaufgeschwindigkeit sinkt, kann niemanden ernsthaft erstaunen. Hier mehr Infos:
      https://sites.google.com/site/geldsysteminfo/geldumlauf-illusion

      • thewisemansfear 10:38 am am Juni 16, 2014 Permalink | Antworten

        Nichts anderes soll der Beitrag aussagen.
        Danke für den Link. Da sind doch einige erhellende Beispiele, die mit manch aktuellen Mythen aufräumen. Die Schlussfolgerung, dass das Schuldgeldsystem Ursache für die jetzige Misere sei, teile ich aber nicht. Damit blendet man den Faktor Mensch so gut wie aus, obwohl es immer Menschen sind, die Systemschwächen für sich ausnutzen. M.M.n. trägt eine von Kleinauf eingeimpfte Wettbewerbs-Ideologie einen großen Teil dazu bei, dass die divide-et-impere-Strategie so gut funktioniert.

        • Philosoph 11:54 am am Juni 21, 2014 Permalink

          Da gebe ich Ihnen ganz recht. Das ist auf einer anderen Seite vermerkt und in ein Märchen verpackt:
          https://sites.google.com/site/geldsysteminfo/kritik-an-der-kritik/fehlender-zins

        • thewisemansfear 12:54 pm am Juni 21, 2014 Permalink

          Den Beitrag habe ich bereits entdeckt und kräftig weiter verlinkt. In dieselbe Richtung geht https://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik/Zins/Zinskritik-Kritik
          Ein gewisser Franz Hörmann als selbsternannter Buchhaltungsspezialist ist ja nach wie vor gegenteiliger Meinung, hat sich dazu bislang leider nicht geäußert :-9

        • Philosoph 8:50 am am Juni 22, 2014 Permalink

          Die Herren Hörmann, Senf und auch weitere Profs kann ich schon lange nicht mehr ernst nehmen. Allerdings denke ich, dass sie gefährlich sind, da sie eine Aufgabe zu haben scheinen, nämlich die Leute zu zermürben, bis sie das Maul halten. Sie handeln ganz nach der hegelschen Dialektik These-ANTITHESE-Synthese. Dass sie so dumm sind und ihren Senf, den sie verzapfen, auch noch glauben, kann ich mir eigentlich kaum vorstellen.

        • thewisemansfear 10:46 am am Juni 22, 2014 Permalink

          Dummheit würde ich denen nun nicht unbedingt vorwerfen, aber es kommt wie so oft eine menschliche Eigenart zum Tragen: sich gegen Kritik zu immunisieren und diese nicht für voll zu nehmen. Senf hat spätestens seit den Antisemitismus-Vorwürfen „zu“ gemacht, Hörmann wird stellenweise als Esoteriker bezeichnet. Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten…
          Keine Ahnung, ob man es „Hybris“ nennen will, die sie an der Richtigkeit ihrer eigenen Äußerungen glauben lässt. Zum Teil wird die als unverhältnismäßig angesehene Kritik sie weiter in ihrem Tun bestärken „jetzt erst recht“.
          Man muss immer mal wieder „geerdet“ werden, wenn man Gefahr läuft, sich eine eigene Welt zusammenzustricken. Das müssen Fachleute durch ihr Umfeld, wie Politiker durch ihre Wähler, usw.

    • rjmaris 8:46 am am Juni 22, 2014 Permalink | Antworten

      Interessante Denkanstöße aus den Kommentaren! Die Geldumlaufgeschwindigkeit sinkt, weil soviel Geld gehortet wird (Spekulationsmasse o.ä.). Die Geldflutungen ersetzen bloß das Geld, das in den Umlauf fehlt. Das ist einer der Gründe, weshalb es (noch) keine Inflation gibt.
      Was sagt uns das?
      1) Das BIP ist letztlich aussagekräftiger.
      2) Es ist Durchblick benötigt über die „inaktiven“ Geldmengen. Dann kann eine Diskussion starten über Möglichkeiten, dieses verrostete Zeug freizukriegen.

      • thewisemansfear 10:30 am am Juni 22, 2014 Permalink | Antworten

        Die Frage, die sich stellt, ist doch: Wann ist Geld in der Wirtschaft wirksam?
        Wenn es auf dem Konto liegt? Nein, sondern nur dann, wenn es ausgegeben wird. Die Monetaristen und sonstigen Geldmengentheoretiker begehen den Fehlschluss, dass auf dem Konto einbezahltes Geld einfach so von jemand anderem per Kredit wieder abgerufen wird. Wenn nicht genug Nachfrage herrscht, müsse ja irgendwo Geld fehlen.

        Geldumlauf und Umlaufgeschwindigkeit sind reine Kunstbegriffe, um deren Theoriegebilde weiter am Leben zu halten. Wenn mein Geld, was ich zur Bank getragen habe, dort nicht wieder abgerufen wird, hat das denselben Effekt, wie wenn ich es unter die Matratze stopfe. Letzteres wird als „Horten“ verunglimpft und soll mittels Strafgebühr unterbunden werden, während ersteres „Sparen“ der Welten Rettung sei.
        Ohne Kreditnachfrage nützen aber alle Sparguthaben der Welt nichts.

        Update: EZB und BuBa haben aus gutem Grund die Geldbasis M0 aus ihren Verlautbarungen gestrichen. (Nur) Bargeld und Sichtguthaben sind zu M1 zusammengeführt, und das obwohl das eine Zentralbankgeld und das andere Giralgeld ist. ZBG-Reserven (andere Bezeichnung für die Geldbasis) sind in der Wirtschaft nicht wirksam, können es auch nicht werden. Nur indirekt. Entweder hebt jemand wieder Bargeld ab oder er überweist etwas – jeweils zur Bezahlung von irgendetwas.

        • rjmaris 11:21 am am Juni 22, 2014 Permalink

          „Monetaristen und sonstigen Geldmengentheoretiker begehen den Fehlschluss, dass auf dem Konto einbezahltes Geld einfach so von jemand anderem per Kredit wieder abgerufen wird.“ – ist das wirklich so? Ich meine, die meisten Fachleute wissen, dass Buchgeld von Geschäftsbanken geschöpft wird. Dann ist doch die logische Folgerung, dass jedes Guthaben auf einem Bankkonto, die Gegenbuchung des Kredites bereits darstellt? – vereinfachte Darstellung ohne sonstige Bilanzposten.

          Ich widerspreche allerdings, dass Geldumlauf ein Kunstbegriff ist. Sehr plastisch wird dies in einer witzigen Darstellung Sloterdijks dargestelltt: http://www.youtube.com/watch?v=tiyBRTK9XUc
          Es sind 2 Minuten, und der hier dargestellte Kreislauf macht klar, dass die Anzahl der Tauschbeteiligten klar etwas über die Wirtschaftsaktivität aussagt.
          Inaktives Geld auf einem Konto hat Hortungsqualität (das sehe ich seit Kurzem ein). „Matratzengeld“ ist allerdings schlimmer, weil der Bank Geld in den Bilanzen fehlt. Ich vermute, dass dies Sparzinstreibend wirkt.

        • thewisemansfear 12:38 pm am Juni 22, 2014 Permalink

          Ich kann Dich/Sie nur ermuntern, ein bisschen in den Tiefen dieses Blogs zu stöbern. Das Beispiel was Sloterdijk da bringt, habe ich bereits aufgegriffen: https://thewisemansfear.wordpress.com/2014/04/01/wie-war-das-noch-mit-dem-geld/
          grob zusammengefasst soll die Geschichte ja aussagen, dass ohne das „Ding“ Geld nichts läuft. Trotzdem muss aber niemand warten, bis es „zu ihm/ihr“ kommt. Es gibt so viele Wege, Schulden zu begleichen…

          Zum ersten Absatz: Ich bin gebranntes Kind durch die Freiwirte, die sind da sehr speziell…
          Und zum Geldumlauf: davon auszugehen macht nur Sinn, wenn man von einem „Ding“ Geld ausgeht, was man irgendwie rumreicht. Das kommt von einer Ansicht, dass unsere Wirtschaft und quasi alles menschliche Handeln nur über Tausch funktionieren würde. Werden und Vergehen ist dabei nicht vorgesehen.

    • rjmaris 1:15 pm am Juni 22, 2014 Permalink | Antworten

      Danke für die Hinweise. Bzgl. „in den Tiefen“ zu stöbern: da bin ich zurückhaltend. Es gibt ja so wahnsinnig viele Blogs. Und Zeit ist ja knapp…
      Kurz zum Geldumlauf: natürlich handelt es sich nur um „Besitzwechsel“ von Ansprüchen auf Geld, also um Referenzen. Faszinierend finde ich Stützels begriff „Gleichschritt“. Ich wende es alternativ auf Gleichschritt von gegenseitiger Leistungserbringung an. Theoretisch wäre die Geldmenge zu einem beliebigen Zeitpunkt X gleich Null, wenn alle gegenseitige zeitversetzte, multilaterale Leistungsansprüche (Gütertausch) zu jenem Zeitpunkt befriedigt wären, angewandt auf das Sloterdijk-Beispiel wäre was wie mit einer riesigen mathematischen Gleichung, in die Variablen links und rechts weggestrichen werden können, und y = 0 übrigbleibt. Auch diese Betrachtung zeigt, dass es nicht um Geld, sondern um Buchhaltung geht.

      • thewisemansfear 1:35 pm am Juni 22, 2014 Permalink | Antworten

        Die Haltung kann ich nachvollziehen. Wenn der Punkt erreicht ist, an dem einen die Antworten in seinem gewohnten Umfeld nicht mehr zufrieden stellen, geht man eben auf die Suche und „stöbert“ 😉
        Den Aufmerksamkeitsfilter kalibriert jeder selbst nach den eigenen Vorlieben, ganz klar.

    • bertrandolf 10:37 am am Juni 27, 2014 Permalink | Antworten

      Intressant ist wer gerade die Märkte flutet. Laut NZZ sind zu 40% staatliche Fonds und „unabhängige“ Intitute wie die Zentralbanken mit an Bord. Theorethisch spekulieren sie nicht, sondern bilden so eine Art Sockel, der sich nicht umschlägt.
      http://www.nzz.ch/finanzen/einstieg-von-notenbanken-in-die-aktienmaerkte-1.18328034

      • thewisemansfear 12:51 pm am Juni 27, 2014 Permalink | Antworten

        Schon allein die Überschrift trifft den Kern nicht: „Die Finanzmärkte verlieren zunehmend ihren Bezug zur Realität.“
        Ich kann nur nochmal das Zitat von Rainer Voss (im letzten Beitrag) bringen: „Es gibt nicht die Märkte. Wir tun so, als wäre das irgendeine gotthafte Kraft, die über uns hereinbricht. “Die Bank oder die Firma hat entschieden -” Nein! Da entscheiden Menschen. Und wenn man den Menschen sagt: “Hör damit auf!” Dann hören die damit auf. Das muss man nur in der richtigen Art tun.”
        Leider ist das Video mittlerweile nicht mehr verfügbar, aber das bringt es auf den Punkt.
        ‚Unabhängig‘ ist zu recht in Anführungszeichen gesetzt, das ist auch so eine Mär.

        Ohne Kreditlenkung wird freigesetztes Kapital nur wieder ins Casino gehen, da man dort die höchsten Renditen erwartet. Das sind die Auswüchse des ach so freien Marktes, ohne sinnvolle Begrenzungen funktioniert es nicht.

        • bertrandolf 1:14 pm am Juni 27, 2014 Permalink

          Ich habe den Film sogar 2 Mal gesehen. Die Vorstellung von Märkte ist wie die Weltvernichtungsmaschine aus dem Film „Dr. Seltsam – Oder wie ich anfing die Bombe zu lieben“. In dem FIlm baut die UDSSR eine Maschine, wenn sie angegriffen wird, automatisch die Welt zerstört. Also quasi das größtmögliche Abschreckungsszenario darstellt, weil keiner Verantwortung trägt und es keine Kontrolle, bzw einen Ansprechpartner gibt. Und deswegen meint Herr Voss das dort Menschen gibt, die kontrolliert und zur Verantwortung gezogen werden können.

          Im Artikel wird darstellt, das Notenbanken, Staatsfonds usw…. einen großen Anteil am Casino haben und quasi das Geld da reinlenken. Dies zerstört doch jegliche Theorien^^

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