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  • thewisemansfear 8:48 pm am April 27, 2015 Permalink
    Tags: , , , , ICU, Keynes, Schulden, Target2   

    Was ist dran an „unserem“ Geld in Griechenland? 

    Es häufen sich in den Kommentarspalten aufgebrachte (angestachelte?) Nutzer, die offen einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone fordern – es sei „schon genug von unserem sauer erarbeiteten Steuergeld in dieses Fass ohne Boden geflossen.“

    Medial aufgetischt wird einem die Griechenland-Rettung so zumindest. Die Troika aus EU-Kommission, IWF und EZB müssen beständig Kredite nachschießen, sonst ist das Land geldtechnisch trocken gelegt. Eine informative Zusammenstellung findet sich hier.

    Was ist aber dran, an der Behauptung von „unserem“ Geld?

    Man muss sich einerseits fragen, ob besagte Kommentatoren den Unterschied zwischen einer Bürgschaft und real fließendem Geld verstanden haben, aber schauen wir weiter auf die Entwicklung, die zum jetzigen Zeitpunkt hingeführt hat. Griechenland, d.h. die Gesamtheit von Bevölkerung, Unternehmen und Staat importieren Jahr für Jahr mehr, als sie im Gegenzug exportieren. Was geschieht konkret, wenn ein Produkt aus dem Ausland gekauft wird? Nun, die Ware wird bezahlt. Warenstrom erfolgt ins Inland, der Geldstrom über die Grenze ins Ausland. Letzteren schauen wir uns genauer an:

    Den Bargeldtransfer per Post oder Kurier klammere ich einmal aus, das Geld wird überwiesen. Beim internationalen Zahlungsverkehr sind neben den Geschäftsbanken (einheimisch oder Geschäftsstelle einer ausl. Bank) noch die Zentralbanken involviert. Warum? Weil bei der Übertragung von Giralgeld der Geschäftsbanken immer auch Zentralbankgeld bewegt wird, Geschäftsbanken akzeptieren untereinander nur ZBGeld zur Verrechnung ihrer Salden. Wie sollte die Bilanz der Bank sonst auch ausgeglichen bleiben? Fließt auf der Passivseite Kundenguthaben ab, muss automatisch auch auf der Aktivseite (Zentralbank-)Geld in selber Höhe abfließen (oder es finden Zuflüsse in gleicher Höhe statt, aber genau das ist bei chronischen Defiziten ja genau nicht der Fall).

    Damit das Geld vom Konto des Käufers in GR auf dem Konto des Verkäufers landet, sind die Bank of Greece und die ausländische ZB „Relaisstationen“. Effektiv finden überall Buchungssätze statt, dinglich transferiert wird da schon länger nichts mehr. Innerhalb der Eurozone kommt zur Saldendokumentation ein System namens Target2 zum Einsatz. Den Geld“transfer“-Weg kann man in der Grafik unten nachverfolgen, unterteilt in Geschäftsbank- und Zentralbankebene. Über den Dollar in der Abbildung nicht irritieren lassen, im Euro-Währungsverbund wird selbstverständlich nur Euro zwischen den Landes-ZBn transferiert – via Target2 eben.

    int. Geldtransfer im hierarchisch gegliederten Geldsystem

    int. Geldtransfer im hierarchisch gegliederten Geldsystem

    Target2 ist in erster Linie ein Dokumentationssystem. Auszug aus der BuBa-Beschreibung zum Thema:

    „Fließen beispielsweise einer über die Bundesbank an TARGET2 teilnehmenden Bank Gelder aus dem Ausland zu, führt dies bei der Bundesbank zu Verbindlichkeiten gegenüber dieser Bank (etwa durch Gutschrift des Betrages auf deren Girokonto). Im Gegenzug entsteht eine Forderung der Bundesbank in gleicher Höhe gegenüber der sendenden nationalen Zentralbank. Diese wiederum belastet das Konto der sendenden Geschäftsbank. Dies erfordert ein ausreichendes Guthaben an Zentralbankgeld der sendenden Bank.“ (Quelle)

    Damit ist der Zahlungsverkehr von Sender zu Empfänger nachvollziehbar. Fließen nun mehr Euro von Griechenland ins Ausland als in Gegenrichtung, wird das über einen negativen T2-Saldo angezeigt. Die Gegenbuchung darf natürlich auch nicht vernachlässigt werden, was sich auf der einen Seite als Defizit niederschlägt, bedeutet an anderer Stelle einen entsprechenden Überschuss. Querschüsse hat das in dieser Grafik wunderbar visualisiert:

    Target2 Salden der Eurozone

    Target2 Salden der Eurozone (Quelle und (c) querschuesse)

    Auf statista gibt einen etwas neueren Überblick (02/15) in Form eines Balkendiagramms.

    Jetzt kommt der Punkt, den es zu verstehen gilt: Der Gesamtsaldo ist wie üblich Null (aber da ist auch noch die EZB involviert). Positiver Saldo – und da nimmt D die Spitzenposition ein – bedeutet monetären Überschuss. Wie ein großer Staubsauger werden Euro aus den Defizitländern v.a. nach D transferiert. Die Waren- und Dienstleistungsströme finden entgegengesetzt statt. Hier wird (mehr) produziert und verkauft, anderswo entsprechend (mehr) konsumiert.

    Wenn sich dauerhaft positive (resp. negative) Salden herausbilden, dann lebt eine Partei unter- und eine Partei über ihren Verhältnissen. Das sind jedoch 2 Seiten ein und derselben Medaille. Man kann im Überschuss-Land mit dem Finger auf seinen Gegenpart zeigen und ihn des „nicht vernünftig Wirtschaftens“ bezichtigen. Das greift dann allerdings viel zu kurz und blendet die eigene Verantwortung an der Situation aus. Ausschlaggebend für Kaufentscheidungen der Konsumenten auf einem „freien Markt“ ohne vorhandene Beschränkungen ist nun einmal der Preis, bzw. Preis/Leistungsverhältnis. Und maßgeblich für den Preis sind die Lohnstückkosten (Lohnkosten im Verhältnis zur Produktivität).

    Wenn ein gesamtes Land meint, es müsse Lohnzurückhaltung üben, dann schlägt sich das positiv in den Kaufentscheidungen für die nun attraktiveren Produkte nieder (was ja gewollt war, Stichwort Exportweltmeister). Aber welchen Vorwurf will man den ausländischen Bürgern denn machen? Dass sie sich rational für das beste P/L-Verhältnis entscheiden? Was können diese Menschen in der Gesamtheit dafür, dass sich bei ihrem Kaufverhalten ein chronisches Defizit einstellt? Die politische Weichenstellung ging von Deutschland aus, hier nahm der Kampf um die Marktanteile über den Unterbietungswettbewerb bei den Lohn(stück)kosten seinen Anfang. Ausufernde Salden wären in einer perfekten Welt Anzeiger für Politik, zu handeln. Stattdessen lehnt man sich zurück und lässt gemeinsam in ideologischer Eintracht die Kritiker aus den Defizit-Ländern auflaufen.

    Das Ende vom Lied erleben wir gerade live mit. Die Konsumenten finden sich in der Schuldenfalle, die Produzenten werden über Verdummungsmedien gegen sie aufgestachelt und der Euro wird als Schuld an der Misere hingestellt… Das ist zu einfach!

    Der Mythos von „unserem Geld“

    Ach ja, es ging ja um „unser“ Geld im Ausland. Nichts könnte weiter entfernt von der Realität sein. Deutschland ist Staubsauger von ausländischer Nachfrage (= Geld) und hortet dies als monetären Überschuss. Die Schwarze Null im Bundeshaushalt ist nur möglich mit über 200Mrd.€ an Geld aus dem Ausland, und die Planungen für dieses Jahr legen da nochmal eine Schippe drauf!

    Geld entsteht in den Banken vor Ort per Kreditvergabe. Über den beschriebenen Mechanismus müssen zwangsweise die ausländischen Bürger irgendwann reihenweise pleite gehen, da ihnen Geld zur Kreditrückzahlung fehlt. DA muss die Politik ran. Klar können wir nach und nach die überschuldeten Länder aus der Eurozone kicken, GR wäre da nur der Anfang. So lange an der aktuellen Politik festgehalten wird (dauerhafte Überschüsse seien etwas Gutes), kann es keine Lösung geben. Überschüsse erzwingen Defizite, man kann es gar nicht oft genug wiederholen.

    Was geschähe denn, wenn es die Eurozone nicht mehr gäbe? Es würden rasch über Auf- und Abwertungen Auslands-Schulden entwertet! Das ist der einzige Sinn und Zweck von Währungsabwertungen… Die Gläubiger schauen so oder so in die Röhre. Lieber geriert man sich noch über Notkredite und Finanzhilfen, womit man die Banken im Ausland liquide hält. Auf die ein oder andere Weise muss ein Ausgleich stattfinden, bei dauerhaft mehr Ab- als Zufluss an (monetären) Mitteln ist überall irgendwann Sense. Klopft der Politik endlich auf die Finger, dass hier in D die Inlandsnachfrage höher ausfällt. Es funktioniert nicht, dass von hier aus für den Rest der Welt mit produziert wird. Als Ausgleich müssten wir dann im Ausland jeder kräftig Urlaub machen und das Geld wieder dorthin zurücktragen.

    Keynes hatte mit der Idee einer International Clearing Union (ICU) einen eleganten und zudem funktionalen Vorschlag, wie dieses Problem des Überschussrecycling zu lösen wäre. Man sanktioniert sowohl Defizite als auch Überschüsse, wenn sie überhand nehmen bzw. chronisch werden sollten. Das wäre die simpelste Lösung, da der Anreiz verloren ginge, dauerhaft Überschüsse erwirtschaften zu wollen. Dann kann jedes Land nach seiner Façon glücklich werden und keines braucht sich mehr von außen reinregieren zu lassen. Die USA haben sich in Bretton-Woods über den Vorschlag von Keynes hinweggesetzt, daher braucht es mehr Druck und Aufklärung von unten, um eine für alle Parteien zufriedenstellende Lösung zu finden.

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  • thewisemansfear 11:29 pm am February 24, 2015 Permalink
    Tags: , , Saldenmechanik, Schulden, ,   

    Die Glanzleistung der ‚Schwarzen Null‘ 

    Deutschlands Vorzeigepolitiker freuen sich über eine Schwarze Null im Staatshaushalt und nach neuesten Zahlen sogar über einen Primärüberschuss von 18 Mrd. €. Wenn das kein Grund zur Freude ist! Wer so lange so effizient und sparsam wirtschaftet, wie die Deutschen es tun, der kann nun endlich die Früchte seiner Anstrengungen bzw. Entbehrungen einfahren.

    Doch Moment! Werfen wir im Überschwang der Gefühle doch mal einen Blick „unter die Haube“. Mal schauen, was wir da alles zutage fördern:

    Dfinazsaldojan15A1728

    Die Sektorkonten der Deutschen Volkswirtschaft, einmal aufgeteilt in In- und Auslandsanteil und weiter unten der Inlandsanteil noch feiner aufgegliedert (Quelle). Deutschland feiert sich nun mal als Export- und Überschussweltmeister, d.h. „es“ nimmt netto mehr ein als „es“ ausgibt. Der Warenstrom (inkl. Dienstleistungen) nach außen ist größer als der ins Land hinein. Freuen tut das die hiesigen Exportunternehmen, die nicht nur die Einkommen der eigenen -, sondern auch das der ausländischen Bevölkerung als Umsatzquelle anzapfen. Deutschland saugt sich so bildlich gesprochen mit fremdem Geld voll, nur als Gegenbuchung stehen im Ausland gleich große Schulden gegenüber. Da sich diese Entwicklung über eine längere Zeitspanne fortgesetzt hat, fehlt dort über kurz oder lang Geld zur Tilgung von Krediten und diese fangen an zu platzen. Das bringt Banken in Bedrängnis, deren Eigenkapital wie Schnee in der Sonne dahinschmilzt. Macht ja nichts, muss man halt anfangen Banken zu retten, der Steuerzahler wird’s schon richten. Keiner spricht von der Ursache, geschweige denn langfristigen Abstellmaßnahmen, sondern von alternativlosen Entscheidungen. Aber ich schweife ab.Dfinazsalden-sektorenA1729

    In dieser Abbildung sieht man die volkswirtschaftlichen Sektoren mit ihrem jeweiligen Anteil. Man muss eigentlich nur wissen, dass alles zusammenaddiert zu jedem Zeitpunkt NULL ergibt. Das ist übrigens die einzige Null, die zählt. Privathaushalte, Unternehmen UND seit Kurzem wie oben beschrieben auch noch der Staat sparen, den Counterpart übernimmt das Ausland. Es muss einfach klar werden, dass Sparen (=Horten) Neuverschuldung erzwingt, ansonsten wird dem Wirtschaftskreislauf immer weiter Geld entzogen und man befindet sich in einem brachial deflationärem Umfeld wieder. Bevor einige monetaristisch Angehauchte sich bestätigt fühlen, dass das an der sinkenden Geldmenge liegen würde – vergesst es einfach. Deflation entsteht zum Einen durch sinkende Ausgaben (=gesparte Einkommensanteile) oder direkt durch sinkende Einkommen. Was uns zum nächsten Schaubild führt:

    Dreallöhne_dez14A1155Die Reallohnentwicklung in Deutschland seit Anfang der 90er. Selbst die positive Entwicklung der letzten paar Jahre kann die Delle davor nur gerade so wieder ausgleichen. Höchst inflationsgefährdetes Umfeld, wenn man mich fragt… Bildet man einen Mittelwert, dann ist die Entwicklung flach wie ein Brett! Und das obwohl die Produktivität im selben Zeitraum erheblich gestiegen ist. Die Kollegen von maskenfall haben die Zeitreihe hier visualisiert. Damit sind wir direkt beim Kernproblem angelangt: Der Verteilungsspielraum der Arbeitnehmerseite wurde politisch gewollt! die ganzen Jahre nicht ausgeschöpft, übrig blieben Unternehmen, die im internationalen Vergleich bei den Lohnstückkosten immer wettbewerbsfähiger wurden und neue Umsätze (v.a. im Ausland) generiert haben. Zu dumm, dass mit eben dieser Entwicklung die Ungleichgewichte auf volkswirtschaftlicher Ebene ebenfalls anschwollen und in einer „Schuldenkrise“ mündeten (Target2 lässt grüßen).

    Wer nun behauptet, dass der Euro Schuld an all dem habe und nur wieder rückabgewickelt werden müsse, damit die Probleme verschwänden, der jagt einer Vergangenheit nach, die nicht mehr wieder kommen wird. Keine Frage, dass durch den Euro problematische Entwicklungen verstärkt wurden, z.B. durch die Zinskonvergenz wurden Kredite in einigen Ländern mit der Euro-Einführung unschlagbar günstig (verglichen mit früher). Das ist nicht von der Hand zu weisen. Aber warum das Geld dann über die Grenze fließt und nicht wieder zurück, das ist einem preislichen Wettbewerbsvorteil geschuldet, der wie gesagt politisch durchgedrückt wurde. Da kann man die „Unabhängigkeit der Tarifpartner“ wie einen Schild vor sich hertragen, ohne politischen Willen hat die Arbeitnehmerseite in der Vergangenheit nicht auf ihren gerechte Anteil verzichtet – und ohne entsprechenden Willen lässt sich dieses Rad auch nicht wieder zurückdrehen. Aber selbst dafür fehlt bei den Entscheidern die Einsicht (siehe vorangegangenen Beitrag).

    Friederike Spieker hat auf flassbeck-economics letzte Woche einen wichtigen Satz gesagt:

    „Wer aber argumentiert, er persönlich könne doch nichts für diese deutschen Überschüsse, da er ja niemanden zwinge, deutsche Waren zu kaufen, er wisse ja nicht einmal, womit die deutschen Waren von wem bezahlt würden, der sollte dieses Argument auch in umgekehrter Richtung voll und ganz gelten lassen: Ein griechischer Bürger kann nämlich auch nichts dafür, dass sein Land insgesamt im Ausland verschuldet ist, weil er nicht wissen geschweige denn steuern kann, wer welche Waren von wem mit welchem Geld oder Kredit kauft.“

    Das Fazit kann nur lauten, dass einem Unterbietungswettstreit von vornherein ein Riegel vorgeschoben werden muss. Es geht im Kern immer um preisliche Wettbewerbsfähigkeit, entweder werden klammheimlich (oder auch ganz offen) Währungen abgewertet – oder innerhalb von einer Währungsunion die Löhne gedrückt. Beides ist jeweils politisch motiviert und wirkt in dieselbe Richtung. Wenn verstanden ist, dass ein Unterbietungswettbewerb unsinnig ist, leuchtet hoffentlich auch ein, dass Wirtschaftsräume langfristig nur im Gleichschritt wachsen können. Die Widersprüche beim Wachstumsthema klammere ich an dieser Stelle mal aus.

     
  • thewisemansfear 9:28 pm am April 11, 2014 Permalink
    Tags: Bilanz, doppelte Buchführung, Eisenstein, , , Graeber, , Schulden   

    Wie war das noch mit dem Geld (2) 

    Den Gedankengang rund ums Geld möchte ich noch ein wenig ausweiten.

    Nehmen wir an, Adam geht spazieren und pflückt unterwegs ein paar Blumen. Seine Bilanz verlängert sich um den Aktivposten „Blumenstrauß“ und eine gleich hohe Rückstellung auf der Passivseite.  (Bilanzen haben es an sich, immer ausgeglichen zu sein.) Die doppelte Buchführung soll hier nicht verwirren, sondern ist hilfreich zu verstehen, wie sich die Besitzgegenstände des Einzelnen (Aktivseite) und die dafür nötigen Aufwendungen (Passivseite) gegenüberstehen. Man kann mit dem Hintergrund der ausgeglichenen Bilanz recht gut das Prinzip der Reziprozität erklären. Wird hoffentlich gleich verständlich:

    Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft…

    Adam schenkt Eva besagten Blumenstrauß beim nächsten Wiedersehen, worüber sie sehr angetan ist. Der Aktivposten von Adam ist nun zu Eva gewandert, bestehen bleibt seine Rückstellung (kreativer und körperlicher Aufwand beim Pflücken) und vielleicht ein schlechtes Gewissen wegen Evas leerer Passivseite, die sich nun darum Gedanken macht, den Gefallen zu erwidern. Beide Bilanzen ist nun nämlich schief. Für einen Ausgleich wird sie sich für Adam etwas gleichwertiges Ausdenken, dann wären sie quitt. So lange steht sie quasi in Adams „Schuld“, denn er hält ja nach wie vor die Forderung (seine Aufwendungen) und Eva das Aktivum. Den Mechanismus des Ausgleichs nennt man Reziprozität. In etwa wie „Wie Du mir, so ich Dir“.

    Anthropologe David Graeber und ebenso Charles Eisenstein erklären so das Zustandekommen bzw. das Funktionieren zwischenmenschlicher Beziehungen. I.d.R. wird das gegenseitige ’sich beschenken‘ nie auf ein „quitt“ hinauslaufen, denn damit wäre alle „Schuld“ aufgewogen und es bestünde keine Notwendigkeit einer weiteren Beziehungspflege. Die Kunst besteht also darin, immer etwas mehr zu geben als man selbst erhalten hat oder eben nicht alles auf einmal aufzuwiegen…

    Schauen wir mal, wie wir eine Verbindung zum Geld herstellen können…

    Jetzt ist ein Blumenstrauß kein allzu werthaltiges Asset. Nach ein paar Tagen ist er verblüht und landet auf dem Kompost. Hat Eva sich bis dahin revanchiert? Wenn nicht, hat Adam mit zunehmender Zeit immer schlechtere Karten, eine Gegenleistung (ja, das ist in dem Zusammenhang überspitzt) zu erhalten. Seine Rückstellung auf der Passivseite kann er dann getrost wieder streichen – für die Katz! Ob er auch nach längerer Zeit noch bedacht wird, hängt allein davon ab, wie verbunden sich Eva im gegenüber fühlt, bzw. welchen Wert sie dem (nun nicht mehr vorhandenen) Blumenstrauß beimisst. Adam kann also nichts weiter als Vertrauen in Eva setzen.

    Jeder kann das Beispiel gern nochmal mit einem selbstgemachten/gefundenen Schmuckstück durchspielen. Das verschwindet in jedem Fall nicht so schnell und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Adams Mühen nicht umsonst gewesen sind. Auch hier gilt: ist das schmucke Ding erst einmal runtergefallen oder sonstwie angeknabbert, sinkt der Wert und damit gleichzeitig der zu erwartende Gegenwert – zumindest bezogen auf die Hardware, der ideelle Part ist davon unabhängig. Der Faktor Zeit spielt eine gewichtige Rolle, denn alles auf der Welt ist vergänglich.

    Wenn aber alles vergänglich ist…

    …warum tun wir dann in unserem Geld- bzw. Bankensystem so, als ob eine (Geld-)Forderung nie an Wert verliert? Denn genau das ist der Fall, wenn eine Bank sozusagen „dazwischen hängt“.

    Auch dann wenn der Apfel laengst gegessen oder verfault ist, bestehen die Forderungen fort. Sie erhoehen sich sogar per Zins. Sogar fuer die bank faellt Gewinn aus Zinsdifferenzgeschaeften ab. Bis Adam sich entscheidet den Ruecken krumm zu machen zwei drei Kartoffeln auszugraben, diese zu verkaufen und mit dem Erloes die Schulden zu begleichen und somit die Forderungen aus der Welt zu schaffen. Genial! Oder?

    aus dem Kommentar von Georg Trappe zum vorangegangenen Beitrag zitiert

    Über das Gejammer der Inflation als schleichende Enteignung kann man sich mit diesen Hintergründen nur verwundert die Augen reiben.

     

     
    • bertrandolf 1:26 pm am Mai 10, 2014 Permalink | Antworten

      Die Frage ist doch, wie Adam die Forderungen (Blumenstrauss) bewertet und was er als Gegenleistung verlangt. Auch das Ausfallsrisiko kann er einkalkulieren, in die Bewertung aufnehmen und bilanzieren.

      Auch die Reziprozität bietet keine 100% Sicherheit. Auch wenn Adam und Eva total ineinander verliebt wären, so könnte Eva nach Erhalt des Blumenstrausses vor ein Auto laufen und tödlich verunglücken. Dann müsste Adam einen Totalausfall und müsste seine Forderung komplett abschreiben.

      • thewisemansfear 2:45 pm am Mai 10, 2014 Permalink | Antworten

        Reziprozität habe ich nur als Beispiel (zwischen-)menschlicher Beziehungen genannt. Gerade bei Geschenken ist das ja offensichtlich, denn die sind in der Regel freiwillig. Der Beschenkte fühlt sich aber meist „verpflichtet“, das „Forderungsverhältnis“ (technisch ausgedrückt) wieder halbwegs gerade zu rücken. Graeber hat das gut beschrieben.

        Sicherheit gibt es eben nie, jede Form von aufgenommenem Kredit ist im Grunde genommen ein abgegebenes Versprechen. Das Einschieben von Geld in diesen Prozess verändert aber etwas grundsätzlich:
        Nehmen wir an, Adam verkauft den frisch gepflückten Strauß an irgendjemanden und erhält dafür 3 Taler (Summe im Prinzip egal). Im Schuldgeld- oder Kreditgeldsystem steht jeder Summe Geld auch eine entsprechende Schuld gegenüber, d.h. die Bank hat diese 3 Taler Forderungen gegen irgendwem in den Büchern stehen. Bis dieser sie zurückzahlt.
        Der Blumenstrauß verwelkt, der Apfel verrottet, vom Auto blättert der Lack ab, egal was man nimmt, vom ursprünglichen Wert ist mit der Zeit immer weniger übrig (ohne zutun). Die Forderungen der Bank gegenüber dem Kreditnehmer (egal wer das nun war, ob der Käufer oder jemand anderes) bleiben jedoch in gleicher Höhe bestehen und müssen i.d.R. noch verzinst werden.

        Worauf ich hinaus will: auf zwischenmenschlicher Ebene (ohne Geld), strebt das Forderungsverhältnis (Sachleistungen/Forderungen) mit der Zeit immer einem ja, natürlichen Ausgleich entgegen. Einfach durch die Vergänglichkeit allen seins, um’s mal philosophisch auszudrücken. Wenn der Blumenstrauß verwelkt ist, wird sich Eva irgendwann vielleicht nicht mal mehr daran erinnern, dass sie damit bedacht wurde…
        Mit „Geld“ dazwischen ist immer noch alles vergänglich, nur die Forderungen bleiben davon unberührt. D.h. im Endeffekt müssen die Geld-Schuldner immer den Wert zum Kaufzeitpunkt abtragen. Die gekauften Dinge werden jedoch immer weniger wert, was sich natürlich auch in einer niedrigeren Bilanzierung niederschlägt. Das Geld – Schuldenpaar bleibt aber so lange bestehen, bis der Kreditnehmer den Kredit tilgt. Geldschulden werden also nur geringer, wenn sie durch die Arbeitskraft des Schuldners getilgt werden.

        Taugt das als Herleitung, warum immer mehr Geld/Schulden in der Welt immer weniger Sachleistungen entgegen stehen?
        Um den Wert von Dingen/Sachen zu erhalten, muss zudem zusätzlicher Aufwand/Energie aufgewendet werden. Also nochmal Arbeitsleistung + Ressourcen oben drauf…

        • bertrandolf 10:41 am am Mai 11, 2014 Permalink

          Das Problem sind die subjektiven Werte, die bei Reziprozität geschuldet werden. Zudem wird Reziprozität auch beim Marketing gezielt eingesetzt, um mit einem kleinen Geschenk im Vorhinnein, große Gewinne einzufahren.

          Bei der Inflation wird doch immer zwischen absoluten und relativen Wert unterschieden. Absolut bleibt der Geldbetrag gleich oder wächst durch Zinsen. Relativ kann die Kaufkraft sinken.

          Im Grunde ist die Inflation wie beim Schwundgeld, nur das es nicht absolut, sondern relativ entwertet wird. Nur beim Schwundgeld gibt es das Problem, das Menschen Verlustaversiv sind und wegnehmen schon bei den Steuern ein großes Drama sind.

        • thewisemansfear 11:39 am am Mai 11, 2014 Permalink

          Inwiefern ein „Problem“? Inflation wäre dahingehend (wenn ich es mit oben genannten verknüpfe) ein Versuch, den natürlichen Entwertungsprozess auch monetär nachzuvollziehen.
          Wer sind denn diejenigen, die Geldwertstabilität als oberstes Ziel propagieren? Doch die Gläubiger. Dem „kleinen Mann“, der sich abstrampelt, wird eingeredet, dass Inflation etwas Furchbares wäre. Dann will der auch noch einen Inflationsausgleich über die Löhne, igittigitt. Wenn das konsequent angewendet würde, würden die aufgenommenen Kreditsummen mit der Zeit ebenfalls an Gewicht verlieren – genau wie die realen Werte es auch tun.

          Ob ein Inflationsausgleich nun über Zinseinkommen, Lohneinkommen oder etwas anderes zustande kommt, ist eigentlich nebensächlich. „Wirtschaft“ an sich ist ein einziger riesiger Umverteilungsmechanismus. Es geht nur darum, wer etwas hinzugewinnt und wer etwas abgibt/verliert. Dazu passt der aktuelle Beitrag von deedl: http://deedls.blog.de/2014/05/09/unsichtbare-ameisenpfote-18415287/

          Volle Zustimmung zur Thematik absolut/relativ und verlustaversiv. Abgeben tut eben keiner gern. Es bleibt aber ein unwiderlegbarer Fakt, dass jedem (Macht-)Gewinn auch ein (Macht-)Verlust gegenüber steht. Sätze wie „the rising tide lifts all boats“ sind vor allem Verschleierung dieser Tatsachen. Siehe Georg Trappe’s „Fettaugensyndrom“ https://www.google.de/search?q=fettaugensyndrom&rlz=1C1NNVC_enDE490DE490&oq=fettaugensyndrom oder hier http://rwer.wordpress.com/2014/04/30/profit-from-crisis-why-capitalists-do-not-want-recovery-and-what-that-means-for-america/

  • thewisemansfear 11:07 am am April 1, 2014 Permalink
    Tags: , , Geldtheorie, Schulden   

    Wie war das noch mit dem Geld? 

    Jeder hier ist wahrscheinlich schon mal über das folgende Beispiel gestolpert. Eine amüsante Anekdote, wie ein Geldkreislauf funktioniert:

    Ein Reisender kommt in ein fremdes Dorf und kehrt in einem Hotel ein. Er sagt dem Hotelier, dass er sich gerne die Zimmer anschauen möchte, um vielleicht eines für eine Übernachtung zu mieten und legt als Kaution einen 100 Euro Schein auf den Tresen.
    Der Eigentümer gibt ihm einige Schlüssel und dann geht’s los:
    1. Als der Besucher die Treppe hinauf ist, nimmt der Hotelier den Geldschein, rennt zu seinem Nachbarn, dem Metzger und bezahlt seine Schulden.
    2. Der Metzger nimmt die 100 Euro, läuft die Straße runter und bezahlt den Bauern.
    3. Der Bauer nimmt die 100 Euro und bezahlt seine Rechnung beim Genossenschaftslager..
    4. Der Mann dort nimmt den 100 Euro Schein, rennt zur Kneipe und bezahlt seine Getränkerechnung.
    5. Der Wirt schiebt den Schein zu einer an der Theke sitzenden Prostituierten, die auch harte Zeiten hinter sich hat und dem Wirt einige Gefälligkeiten auf Kredit gegeben hatte.
    6. Die Dirne rennt zum Hotel und bezahlt ihre ausstehende Zimmerrechnung mit den 100 Euro.
    7. Der Hotelier legt den Schein wieder zurück auf den Tresen. In diesem Moment kommt der Reisende die Treppe herunter, nimmt seinen Geldschein und meint, dass ihm keines der Zimmer gefällt und er verlässt die Stadt.
    Niemand produzierte etwas. Niemand verdiente etwas. Alle Beteiligten sind ihre Schulden los.

    Was kann man in diese Geschichte nun alles hinein interpretieren, der Reihe nach:

    • (Bar-)Geld ist notwendig, damit die untereinander verschuldeten Menschen sich ihrer Forderungen entledigen können. Dabei kann es quasi verzögerungsfrei von einem zum anderen weitergereicht werden. Dies ist die monetaristische Sichtweise, ohne Moos nix los! 😉

    Ist Bargeld aber wirklich notwendig, um diese Kette an Forderungen aufzulösen?

    • Angenommen es kommt kein Gast vorbei, was hindert den Hotelier zu seiner Bank zu gehen und sein Konto um 100 Euro zu überziehen? Wir wollen annehmen, dass die Bank ihn soweit kreditwürdig einstuft. Die Bank schreibt ihm den Betrag gut, und zwar indem sie ihre Bilanz verlängert (sog. „Geldschöpfung aus dem Nichts“). Er überweist den Betrag an den Metzger, usw. usf., bis dieser von der Dirne zurück an ihn überwiesen wird. Damit kann der Kredit wieder getilgt werden, das Geld verschwindet wieder im Nichts (Bilanzverkürzung der Bank auf den Ursprungszustand). Dies ist die Sichtweise des „endogenen Geldes“, vom Nachfrager durch die Bank erzeugt. Es ist bei den getätigten Überweisungen vollkommen egal, ob alle Kunden bei derselben Bank sind oder nicht, denn die Zahlungsströme gleichen sich alle wieder aus.

    Monetaristen, bzw. orthodoxe Geldtheoretiker haben ihre Probleme mit den sprachlichen Verwirrungen des Begriffs „Geld“. Das, was die Bank hier erzeugt, wäre „nur“ ein Guthaben, aber kein „echtes“ Geld. Wie, Sie sehen da keinen Unterschied? Seien Sie unbesorgt, denn dann geht es Ihnen wie >95% der Menschen. Natürlich gibt es einen rechtlichen Unterschied zwischen den beiden „Geldarten“, aber der ist ähnlich wie bei Gold-Geld und Papiergeld. Geld ist, was als Geld akzeptiert wird. Und im Fall der Fälle kann man ja gerne klagen 🙂

    Ist das aber der Weisheit letzter Schluss? Nein, natürlich nicht.

    • Ist diese vorliegende Verkettung von Forderungen erst einmal als solche von allen Beteiligten erkannt, können sich alle an einem runden Tisch zusammensetzen und diese gegenseitig streichen. Schritt für Schritt würde das so aussehen, dass z.B. der Hotelier den Metzger mit seiner Forderung gegen die Dirne „bezahlt“. Dieser muss die Übertragung natürlich akzeptieren, was i.d.R. Vertrauen voraussetzt. Hier im Beispiel wissen alle Beteiligten, dass am Ende alle profitieren werden und stimmen deshalb zu.

    Wir halten fest:

    • Geld ist Mittel zum Zweck, Forderungen zu begleichen
    • was als „Geld“ letztlich zum Einsatz kommt, ist herzlich egal, so lange es der Gegenüber akzeptiert
    • „Geld ist eine zur Umlauffähigkeit veredelte SchuldForderung“ (G. Trappe R. Menéndez unbekannt) nach Kommentar erneut editiert

     

     
    • GeorgT 2:05 am am April 6, 2014 Permalink | Antworten

      Hallo TWMFEAR,
      das Zitat “Geld ist eine zur Umlauffähigkeit veredelte Schuldforderung” ist zum einen nicht ganz richtig, es muss heissen „“Geld ist eine zur Umlauffähigkeit veredelte Forderung” und es stammt nicht von mir, sondern ich habe es, wenn ich mich richtig erinnere, mal im Blog von Dottore Menendez aufgeschnappt.
      Ich verwende es regelmaessig, weil ich es fuer sehr zutreffend halte. Um aber zu verstehen, was mit diesem treffenden knappen Satz gemeint ist, muss man wohl, wie so oft, bei Adam und Eva anfangen.

      Nehmen wir zunaechst einmal eine geschlossene Volkswirtschaft an und Eva pflueckt einen Apfel vom Baum und moechte den an Adam verkaufen. Dieser zeigt Interesse und nimmt das Angebot an. Eva liefert und schreibt eine Rechnung, d.h. sie kreiert eine Forderung gegen Adam und traegt diese auf der Seite der Aktiva in ihre Bilanz. Auf der Seite der Passiva traegt sie als vorsichtige Frau eine Rueckstellung fuer ausstehende Zahlungen in gleicher Hoehe ein. D.h. das Pfluecken und Verkaufen des Apfels (Wertschoepfung) hat Evas Bilanz verlaengert. Man koennte schon hier von einer Art „Geldschoepfung“ sprechen. Wenn Adam nun nicht etwas gleichwertiges tut, in dem er zwei Kartoffeln ausgraebt, diese erfolgreich zum Kauf anbietet und ebenfalls eine gleich hohe Rechnung schreibt, dann bleibt ihm nur der Weg zur Bank, die fuer ihn Geld schoepft, also ihre Bilanz verlaengert in dem sie ihm das Geld zur Verfuegung stellt und eine entgegengerichtete Forderung als Aktivum in ihre Buecher eintraegt. Zahlt nun Adam Evas Rechnung nun mit diesem von der Bank geschoepften Geld=zur Umlauffaeigkeit veredelten Forderung, bucht Eva den entsprechenden Betrag auf seiten ihrer Aktiva auf dem Konto Kassenbestand ein und auf dem Konto accounts receivable aus. Auf Seiten ihrer Passiva wird sie die Ruestellung aufloesen und den Betrag endgueltig ihrem Eigenkapital zuschreiben. D.h. sie haelt jetzt eine Forderung gegen die Bank. Wenn nichts weiter geschieht oder dieser Vorgang wiederholt einseitig ablaeuft wachsen sowohl die Bankbilanz als auch Evas Bilanz in genau dem Mass wie Adams Schulden bei der Bank.

      Im Moment der Geldschoepfung durch die Bank bzw. der Zahlung an Eva mit diesem Geld geschieht etwas wunderbares. Und das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
      Die spezifische auf Adam gerichtete Forderung in Form einer Rechnung wird bei Eva geloescht und landet bei der Bank in Form eines Schuldkontos auf den Namen Adam. Gleichzeitig wird Eva unvorsichtig. Zuvor hatte sie es noch nicht gewagt, den Erloes des Verkaufs ihrem Eigenkapital zuzuschreiben. Doch in dem Moment der Veredlung zur Umlauffaehigkeit tut sie dies. Sie tut so als sei es jetzt garantiert, dass Adam den Ruecken krumm macht und ihr in naher Zukunft zwei Kartoffeln im Austausch fuer den Apfel ausgraebt.
      Gleichzeitig erweckt dieser Moment den Wert des Apfels zu potentiell ewigem Leben. Auch dann wenn der Apfel laengst gegessen oder verfault ist, bestehen die Forderungen fort. Sie erhoehen sich sogar per Zins. Sogar fuer die bank faellt Gewinn aus Zinsdifferenzgeschaeften ab. Bis Adam sich entscheidet den Ruecken krumm zu machen zwei drei Kartoffeln auszugraben, diese zu verkaufen und mit dem Erloes die Schulden zu begleichen und somit die Forderungen aus der Welt zu schaffen. Genial! Oder?

      • GeorgT 9:31 am am April 6, 2014 Permalink | Antworten

        … Dieser „Veredlungsprozess“ Geld gegen Rechnung aka schuldbefreiende Zahlung, der im wesentlichen dazu fuehrt, dass Eva fundamentale Lebenserfahrungen ueber Bord wirft, ist der springende Punkt. Bis dahin trifft Eva Vorsorge. Sie weiss genau, dass es nichtzahlende Kaeufer auf dieser Welt gibt, die ihre Rechnung=Forderung nicht begleichen. Aber in dem Moment wo die spezifische Forderung in Form einer Rechnung gegen eine Forderung getauscht wird, die mit viel Buhei Geld getauft wurde, vergisst sie, dass in den Armanianzuegen, die die geldschoepfenden Banker tragen, auch nur Maenner stecken, die, wie Adam auch, ab und zu gerne Aepfelchen knabbern ohne anschliessend den Ruecken krumm zu machen, um fuer sie Kartoffeln auszugraben.

        Ganz interessant sind auch die Ueberlegungen zu den moeglichen Koalitionen in dieser Dreiecksanordnung und den daraus entstehenden Moeglichkeiten / Auswirkungen.

        • thewisemansfear 8:30 pm am April 6, 2014 Permalink

          Genau, das was vorher unter dem Aspekt der Reziprozität von Geben und Nehmen bei jedem Handel berücksichtigt wurde, fällt durch die Bank dazwischen quasi weg. Es findet eine Entkopplung der zwischenmenschlichen Schuldverhältnisse statt. Vorher musste Adam Eva glaubhaft versichern, in absehbarer Zukunft Kartoffeln als reale Gegenleistung für den Apfel auszubuddeln, damit der initiale Handel überhaupt durchgeführt werden konnte. So obliegt es der Bank, ob sie Adams Kreditwunsch nachkommt und dem Vertrauen von Eva in die von der Bank ausgestellten Forderung=Geld. Das Forderungs-Ausfallrisiko trägt nun nicht mehr Eva (oder allgemein „der/die Handelstreibende“), sondern es wird zur Bank hin verschoben, quasi anonymisiert. Da es zudem in der Natur der Bank liegt, ihren Profit zu mehren, wird sie immer bestrebt sein, Kunden neue Kredite anzudrehen und bei der Kreditwürdigkeit vielleicht mit der Zeit ein paar kleine Abstriche zu machen. Im Zuge grenzenloser Kreativität wird sie Finanzinnovationen entwickeln, z.B. um Risiken zu streuen. Die sind dann zwar nicht aus dem Markt, sondern nur anders verteilt, aber für eine Weile wähnt(e) man sich so auf der sicheren Seite… Wenn das Kind dann doch in den Brunnen gefallen ist, wird kurzerhand auf die Systemrelevanz-Tränendrüse gedrückt und der verquere Mechanismus weiter am Leben erhalten.

          Die Leute vergessen leider, dass sämtlicher Fortschritt, sämtliche Wertschöpfung auf diesem Planeten durch Menschenhand geschaffen wurde bzw. wird. Sei es durch Kraft x Weg oder Kopfarbeit. Sog. „leistungslose“ Einkommen sind nur für den Nutznießer von Vorteil, irgendwo auf dieser Welt wird dadurch anderer Leute Arbeitskraft ausgenutzt.

        • GeorgT 2:21 am am April 7, 2014 Permalink

          So ist das! Geld arbeitet nicht. Nur Menschen arbeiten. Die laenge des technologischen Hebels, der dabei inzwischen eingesetzt wird, macht es manchmal schwer, dies zu erkennen.

          Wenn das aber klar ist, dann ist auch klar worauf sich Forderungen = Geld und somit auch monetaere Ersparnisse letztendlich immer beziehen. Auf zukuenftige zu leistende Arbeit. Diejenigen, die den Wert des Geldes durch seine „Besicherung“ erklaeren wollen, uebersehen den Symmetriebruch, der durch den dissipativen Charakter realer Gueter entsteht. Aepfel verfaulen oder werden gegessen, Oel verbrennt, Haeuser verfallen, urbar gemachtes Land verwuestet usw. usf.. Eine Rueckabwicklung wird dadurch verunmoeglicht bzw. fuehrt ins Absurde. Wenn dann noch klar wird, dass sich sowohl die Forderungen = Geld UND die werthaltigen Gueter, also die nur mit grosser Zeitkonstante gegen Null strebenden Werte, sich zunehmend in den selben Haenden versammeln, dann hat man es im wesentlichen verstanden.

      • soffisticated 7:23 pm am Mai 5, 2014 Permalink | Antworten

        Hallo Herr Trappe,

        nichts für ungut, aber die Zuschreibung dieser Formulierung an meine Adresse möchte ich entschieden zurückweisen, weil in dieser Begriffskombination die Differenz von Forderungsinhalten und Erfüllungsgegenständen völlig durcheinander geht.

        Ich vermute eher, daß Sie diese Formulierung in dem Dunstkreis um Buschbeck aufgegriffen haben, denn von dem kenne ich derartige Formulierungen. Im Allgemeinen haben die Leute, die den Debitismus für eine ökonomietheoretische Offenbarung halten, solche Pseudo-Erklärungen parat und hoffen stets darauf, daß niemand die nicht leicht erkennbaren Fehler bemerkt.

        Der Unfug, (Zentralbank-) Geld als Forderung zu interpretieren stammt jedenfalls nicht von mir. Als Beleg kann ich ja auch unsere Diskussion anführen:

        http://georgtsapereaude.blogspot.de/2012/05/antworten-zu-fragen-der-geldtheorie-2.html

        Grüße

        • thewisemansfear 7:55 pm am Mai 5, 2014 Permalink

          Entschuldigung von meiner Seite. Er hat lediglich geschrieben, es in Ihrem Blog aufgeschnappt zu haben. Daraus habe ich fälschlicherweise gefolgert, dass die Äußerung von Ihnen war. Ist nun korrigiert.
          Danke für den Hinweis.

    • Stephan Goldammer 1:50 pm am Mai 6, 2014 Permalink | Antworten

      Dieses Beispiel gab es auch (wenn ich mich recht erinnere) von Sloterdijk im Philosophischen Quartett, müsste bei YouTube zu finden sein.

      Meine erste Frage (an mich selbst) war damals: Wo kommen die 100 Euro des Reisenden her? Sie können nur durch Kredit entstanden sein. Daher muss (vermutlich der Reisende selbst) jemand vorher bei einer Geschäftsbank einen Kredit aufgenommen haben und seine Forderung auf Geld (Girokonto) umgewandelt haben in Geld (Zentralbankgeld, meist Banknoten). Mit diesem Geld taucht jetzt der Reisende in dem Dorf auf.

      Zweite Frage: Worauf lauten die gegenseitigen (Kredit-) Verträge vom Metzger, Bauer usw.? Offenbar auf EURO. Würde in den Kreditverträgen der Dorfbewohner Dollar stehen, oder Perlen, oder Muscheln, könnten die 100 Euro des Reisenden nicht zur dorfinternen Schuldentilgung genutzt werden.

      Dritte Frage: Kann ein Geldschein (=Geld) mehrere Schulden tilgen? Offenbar ja. (Vielleicht ist das ja auch für jeden offensichtlich und trivial, aber für mich war das eine gedanklich neue Erkenntnis, dass ein 100 Euroschein (=Geld) praktisch beliebig vielen Kreditverträgen zur Tilgung dienen kann – diesen Punkt müsst ich aber selbst nochmal zu Ende denken, bin mir da technisch im Detail nicht so sicher, der Grundgedanke müsste aber stimmen)

      Die Dorfbewohner scheinen auch ein wenig verrückt zu sein, dass sie sich untereinander Forderungs-Verbindlichkeiten-Paare vereinbaren, aber den Forderungsgegenstand nur von einem externen Reisenden bekommen können. Was wäre wenn der nicht gekommen wäre? Da hängen die ganzen Schuldverträge ewig in der Luft und können nicht getilgt werden, da der Forderungsgegenstand nicht auftreibbar ist.

      Trotz Tilgung aller dorfinternen Schulden bleibt immer noch ein Kreditvertrag offen, nämlich der Dorfexterne, erst wenn dieser getilgt wird verschwinden die 100 Euro Geld.

      • thewisemansfear 3:53 pm am Mai 6, 2014 Permalink | Antworten

        Warum so kompliziert? Als ob „Geld“ der einzige Erfüllungsgegenstand einer Schuld wäre. Weil „der Staat“ das vorgibt? Gehandelt werden Waren und Dienstleistungen (ja, eigentlich eine Binse). Das Beispiel verdeutlicht doch, dass eben kein Erfüllungsgegenstand Bargeld notwendig ist. Die Akzeptanz der gegenseitigen Forderungen (Stichwort Vertrauen) ist die einzig relevante Größe. Die Waren/Dienstleistungen sind längst über den Tisch gegangen, was bleibt ist die Kette an Forderungen. Der Schein/Goldklumpen/Muschel/wasauchimmer ist letztlich ein Token, dass die Leute herumreichen.

        Habe mir gerade Ihre Punkte der „Irrtümer ums Geld“ angeschaut, bei Punkt 2 und 3 haben wir inhaltliche Differenzen. Punkt 3 habe ich bei Herrn Menendez im Blog bereits angesprochen (http://soffisticated.wordpress.com/2014/05/05/die-fallen-zwischen-stromen-und-bestanden/), Sie können da gerne auch zu Stellung nehmen.
        Bei der Akzeptanz geht es letztlich um die Sichtweise, was Geld eigentlich darstellt – Ding oder kein Ding (Ihr Punkt 2). Ich sehe Geld als „Mittel zum Zweck“ an, ein Behelfskonstrukt, um Handel/Austausch auf größerer Ebene zu ermöglichen. Ein Zwischentauschmittel (erst recht ein werthaltiges) ist ein zusätzlicher Prozessschritt, der dann quasi weg optimiert wurde.

        Viele Grüße

        • Stephan Goldammer 4:08 pm am Mai 6, 2014 Permalink

          Es kann zwar jedes dingliche Objekt zu Geld werden, aber wenn in ihrem Kreditvertrag steht, dass sie EUROS zu liefern haben, dann nützt es ihnen nichts wenn sie die Taschen voller DOLLARS haben.

          Wir müssten in die Verträge der Dorfbewohner schauen (oder uns die mündlichen Verträge anhören).Dann wüssten wir, was der Forderungsgegenstand war. Offenbar waren es Euros, sonst hätte die Tilgung ja nicht funktioniert.

          Wenn Bäcker und Metzger ausmachen in EUROS zu tilgen, dann nützt es dem Bäcker nichts, wenn er 1 Million Brötchen auf Metzgers Tisch legt, denn der Vertrag lautet auf EURO und der Bäcker hat gefälligst EURO zu besorgen, sonst kann der Vertrag nicht beendet/auflöst werden.

          Auch wir können nicht bei der Bank in Fahrädern, Häusern oder Autos tilgen, die Bank will klipp und klar genau das was im Kreditvertrag steht und das ist Geld (Zentralbankgeld, also Euros). Würden Muscheln im Kreditvertrag stehen, dann könnten wir in Muscheln tilgen, das wäre grundsätzlich kein Problem.

          Das Missverständnis liegt eher bei Punkt 8 (Mit den zwei Indianern) => https://plus.google.com/106110585362718948544/posts/dj1Zf3W5GGJ

        • thewisemansfear 4:52 pm am Mai 6, 2014 Permalink

          Punkt 8 scheint nicht ganz schlüssig zu sein. Derjenige, der das Pferd erhält, gibt ein Versprechen ab, ein Jahr später eine Kuh als Gegenleistung zu liefern. Dass die bis dahin noch Milch liefert (Mehrwert erzeugt), schön und gut, aber die „Werthaltigkeit“ des Versprechens liegt an der Durchsetzungsfähigkeit des Systems (Häuptlings in dem Fall), falls sich der Bauer mit der Kuh am Ende weigern sollte, diese auch rauszurücken. Die könnten ja auch nen Haufen Steine oder nen Klumpen Gold als Erfüllungsgegenstand vereinbaren, der „produziert“ nix, hat aber trotzdem „einen Wert“.

          Es handelt sich immer um abgegebene Versprechen, Unterschied macht am Ende nur die (Vertrags-)Form. Wichtig zur Erfüllung sind Vertrauen, ansonsten die Durchsetzungsfähigkeit der Forderung. Fehlt es an mindestens einem von beiden, wird nur ein werthaltiges (jetzt im wahrsten Sinne des Wortes) Zwischentauschmittel vom Gläubiger akzeptiert. Sonst wäre der schön blöd. 😉

          edit: aus Ihrem Punkt No. 2: „Kredit kann man nicht anfassen. Kredite sind Verträge zwischen Menschen. Sie können zwar das Kreditpapier anfassen, aber nicht den „Kreditwillen“. Kredite enthalten einen Willensakt, nämlich ein Ding (Geld) zu übergeben und später wieder zurückzugeben.“
          Ersetzen Sie Ding (Geld) mit Ding (Ware/Dienstleistung) und fertig.

        • Stephan Goldammer 6:35 pm am Mai 6, 2014 Permalink

          Bei einem Kredit-Vertrag besteht die Tilgungspflicht in Dingen (Euros) und wird nie durch Ware/Dienstleistung (Nicht-Euros) ersetzt. In jedem Kredit-Vertrag steht: „Erst gebe ich dir Geld, dann gibt’s du mir Geld zurück“. In Kreditvertragen steht nie: „Ich gebe dir Geld, du gibt’s mir Ware/Dienstleistung zurück.“ (Zeigen sie mir so einen Kreditvertrag zw. Bank und Bank-Kunde und ich ändere sofort meine Meinung) Richtig ist: In allen Kreditverträgen steht: EURO hin, EURO zurück.

          Was sie meinen sind Kaufverträge, z.B. an der Supermarktkasse. Hier heißt es: „Gib du mir Ware, ich geb dir Geld“.

          Ich sehe den Prozess so: Es gibt beliebige dingliche Objekte, aber nur ganz wenige erhalten (nach Vereinbarung eines Kredites) den juristischen Status „Geld zu sein“. Sobald zwischen Geschäftsbank und Zentralbank ein Kredit vereinbart wird (=Doppelseitiger Willensakt), kann die Zentralbank den dinglichen, gedruckten Papierschein (juristisch) zu Geld machen. Bei Tilgung wird der Kredit beendet und die Papierscheine fallen aus ihrem juristischen Status „Geld zu sein“ heraus.

          Geld ist Schuldentilgungsmittel für diejenigen Kreditverträge, in denen genau dieses Geld als Forderungsgegenstand drinsteht. Würden aus irgendeinem Grund über Nacht unsere Kreditverträge umgestellt auf „Taler“, dann würden „Euros“ funktionslos (nicht wertlos, wertlos waren sie immer). Alle würden dann nach Talern gieren, denn nur so könnten sie die Kreditverträge tilgen. Das heißt natürlich auch, dass die Zentralbank auf Taler umstellen muss, denn sonst könnte niemand tilgen! Geschäftsbanken können kein Geld erzeugen. Geld kommt immer nur von der Zentralbank, auf Anfrage einer Geschäftsbank.

        • soffisticated 10:12 pm am Mai 6, 2014 Permalink

          „Ich sehe Geld als “Mittel zum Zweck” an…“

          Sie sind sich doch hoffentlich darüber im Klaren, daß Sie damit versuchen mit einer Ausrede um eine definitive Antwort herumzukommen. Auch ihre folgenden Erläuterungen helfen nicht dabei Ihre Position erkennen zu können. Auch die philosophische Frage, ob Geld der einzige Erfüllungsgegenstand wäre hilft nicht weiter.

          Es nützt nichts: wenn es eine Forderung auf was auch immer gibt, dann gibt es auch einen Erfüllungsgegenstand. Im „Kaufmann von Venedig“ war der Erfüllungsgegenstand bei Eintreten eines bestimmten Ereignisses ein Pfund Fleisch des Schuldners. So drastisch das auch sein mag dient das doch als Hinweis, daß es auch bei Geldforderungen einen Erfüllungsgegenstand geben muß, sonst verliert der Begriff „Forderungen“ und übrigens auch „Verbindlichkeiten“ seinen Bedeutungsinhalt.

          Sie können sich gerne damit schwer tun, geht anderen auch so. Die Grundregeln des Geschäftslebens kann man aber mit einer solchen Theorie nicht aushebeln.

        • thewisemansfear 8:35 am am Mai 7, 2014 Permalink

          Den „Vorwurf“, wenn Sie so wollen, den ich Ihnen beiden mache, ist der, dass Sie im „Geld-Denken“ schon viel zu sehr verhaftet sind.
          Ja, es geht um den Grundansatz: Niemand geht für Geld arbeiten, sondern um sich seinen Lebensunterhalt zu sichern und vielleicht auch ganz annehmlich zu gestalten. Das ist die Aussage des Geld als Mittel zum Zweck. Als „Ausrede“ sehe ich das nicht gerade…
          Effektiv „gehandelt“ bzw. ausgetauscht werden immer! Waren/Dienstleistungen. Das Geldsystem ist in diesen Prozess dazwischen eingeschoben. Diesen Perspektivwechsel sollte man hinbekommen, wenn man sich temporär vom Geld(system) löst.
          Das ganze Vertragswesen ist doch lediglich eine zunehmend komplexere Ausgestaltung dieser Grundvorgänge.
          Wird es so verständlich? So lange Sie es nicht nachvollziehen können, reden wir leider aneinander vorbei.

          Woher diese Sichtweise kommt? Inspiriert von Graeber, Eisenstein und anderen.

        • soffisticated 6:33 pm am Mai 7, 2014 Permalink

          Ich weiß, daß das schwierig zu begreifen ist, weil einem die emotionale Empfindung darüber was „wahr“ ist schlichtweg im Wege steht.

          Vielleicht noch ein letzter Hinweis: der Umstand, daß Sie den ultimativen Grund für wirtschaftliches Handeln im Tausch von Waren sehen bedeutet, daß Sie immerhin in guter Gesellschaft sind. Denn damit definieren Sie sich als überzeugter Neoklassiker für die gerade der Tausch die Zentralfigur ökonomischen Denkens ist.

          Der Hänger ist: es ist in 200 Jahren ökonomischer Forschung über genau diese elementare Sozialhandlung nicht gelungen die Frage zu klären, warum sich Geld nicht so verhält, wie man es von einem Tauschmittel erwarten könnte. Die letzte Erkenntnis, daß da was nicht stimmt ist gerade knapp 5 Jahre her. Aber Sie können gerne diese Position weiter verteidigen. 🙂

        • thewisemansfear 9:10 pm am Mai 7, 2014 Permalink

          Interessante Argumentation. Wenn die Neoklassiker so argumentieren, und sich meine Argumentation in einem Punkt gleicht, muss ich auch einer sein? Naja…

          Und nein, der ultimative Antrieb „wirtschaftlichen Handelns“ war ursprünglich mal Kooperation. Was gut ist für die Gemeinschaft, ist auch gut für den einzelnen. Das kommt dem sozialen Wesen Mensch deutlich näher als dem „godfather of Tausch“ Adam Smith mit seiner Theorie nachgesagt wird. Menschen werden mittlerweile überspitzt ausgedrückt zu Maschinen umprogrammiert, weil sie genau diesen Selbstzweck „Geld verdienen“ eingeimpft bekommen haben.

          Die Neoklassiker ignorieren den Bankensektor in der Tat komplett, während ich das genaue Gegenteil tue. Durch die „Geld“schöpfungsmöglichkeit der Geschäftsbanken ist eben jener Sektor alles andere als neutral. Zudem knappst man sich für die „zur Verfügung-Stellung“ des allgemein akzeptierten Schuldbefreiungsmittels auch noch einen Anteil ab.

      • soffisticated 10:22 pm am Mai 6, 2014 Permalink | Antworten

        „Was wäre wenn der nicht gekommen wäre?“

        Ganz einfach, dann hätte der Hotelier dem Metzger einen Wechsel gegeben, welcher dann vom Bauern… etc. bis die Dirne ihre Schulden mit eben jenem Wechsel getilgt hätte. Wechsel tot, alles gut.

        Was lernt man daraus? Solche Beispiele werden von Leuten entworfen, die sich vor nicht fachlich versierten Leuten wichtig machen wollen.

        • Stephan Goldammer 12:26 am am Mai 7, 2014 Permalink

          Danke für die Erklärung. Ich habe schon (nicht wirklich oft) das Wort Wechsel gehört, fand aber (zumindest im Ersteindruck), das ist „schwierige Materie“. Aber das war der Unterschied zwischen Geld und Forderung auf Geld ja am Anfang auch 😉

        • thewisemansfear 8:47 am am Mai 7, 2014 Permalink

          Auch ein Wechsel ist doch nur ein Behelfskonstrukt. Im Grunde dreht sich die Geschichte um die Akzeptanz der Forderungen. Und da ist ein allgemein akzeptiertes Token überaus hilfreich. Ob das nun Geldscheine, Wechsel, Goldklumpen, oder Muscheln sind, ist letztlich egal. Wenn es von allen akzeptiert wird, geht es einmal die Reihe um und wird (weder davor noch) danach nicht mehr benötigt.

        • Stephan Goldammer 12:55 pm am Mai 7, 2014 Permalink

          @thewisemansfear

          Vielleicht kommen wir ja weiter wenn sie ganz kleinschrittig beschrieben, wie sie den Weg von „nix“ bis zum fertigen „end-tausch“ sehen. Begriffe wie „Vertrauen“, „Token“, „allgemein akzeptiert“ müsste man definieren. (Ich bin ja eher der Meinung dass man diese Begriffe gar nicht braucht und ohne diese Begriffe auskommt – und mit viel weniger schon fast alles erklären kann)

          „Wenn es von allen akzeptiert wird“

          Eine „allgemeine Akzeptanz“ ist nicht notwendig, wichtig ist, dass der „Token“ (wie sie in nennen) in den Kreditverträgen drin steht. Es spielt dann keine Rolle ob er „allgemein akzeptiert wird“. Die Schuldner werden immer mit Freude den Token akzeptieren, da braucht man nicht zusätzlich eine „allgemeine Akzeptanz“. Ein Stuhlkreis in dem wir dem Token unser gegenseitiges Vertrauen und allgemeine Akzeptanz aussprechen, braucht man nicht. Was passiert denn, wenn auf einmal die Bewohner einer Stadt das „Vertrauen“ in Geld verlieren. Nix passiert! Denn der Bäcker will Euros, der Media-Markt will Euros, das Finanzamt will die Steuern in Euros, der Vermieter will Euros, die Bank will Zinsen in Euros usw.

          „•was als “Geld” letztlich zum Einsatz kommt, ist herzlich egal, so lange es der Gegenüber akzeptiert“

          Hier verstehe ich die Art von Kulanz nicht. Es ist alles in Verträgen festgelegt. Somit ist immer klar, welcher Gegenstand bei Übergabe den Vertrag erfüllt. „Herzlich egal“ kann es ja nur dann sein, wenn die Bank/Unternehmen aus Kulanzgründen oder warum auch immer, statt Euros auch Perlen oder Brötchen akzeptiert. Aber das werden sie nicht tun, denn Bank/Unternehmen haben ja selbst wiederum Kreditverträge „an der Backe“, für deren Tilgung sie Euros benötigen.

          Mit „Euros“ ist hier immer Zentralbankgeld gemeint.

        • thewisemansfear 5:30 pm am Mai 7, 2014 Permalink

          Sie klammern sich aber wirklich fest ans Geld 🙂 Arbeiten Sie für Geld? Oder vielleicht doch vielmehr für die Dinge, die Sie damit anstellen können?

          Lesen Sie bitte nochmal den vorletzten Absatz unter „Weisheit letzter Schluss“. Die jeweilige Forderung ist der Gegenpart (auf der Passivseite) des Handelguts (Aktivseite). Also die Aufwandsentschädigung, wenn Sie so wollen.
          Sie definieren jetzt den Erfüllungsgegenstand ohne Not als Geld. Was vereinbart wurde ist aber nicht notwendigerweise Geld. Eine Schuld kann logischerweise nur aus dem laufenden Einkommen beglichen werden, d.h. durch die eigene Arbeitsleistung. Schön für alle Beteiligten, wenn man ein universelles Mittel zur Verfügung hat, das von allen akzeptiert wird. Aber es geht auch OHNE – vorausgesetzt die Jungs und Mädels sind sich einig!
          Was zwischen den Beteiligten geschlossen wird, sind Abmachungen bzw. Versprechen. Ich gebe dir das JETZT, dafür bekomme ich von dir SPÄTER. Kreditverträge sind letztlich nur eine komplexe Ausgestaltung davon.

  • thewisemansfear 8:19 pm am January 6, 2014 Permalink
    Tags: , Schulden, ,   

    Wachstum als Lösung ist eine Illusion“

    „Industriestaaten dürfen nicht mehr am irrationalen Glauben festhalten, dass die Wirtschaft eines Tages wieder so stark wachse, dass bisher angehäufte Schulden mit den Erträgen getilgt und genügend Arbeitsplätze geschaffen werden können. Die Unternehmen versuchen mit allen Mitteln, ihre Produktivität zu steigern, das heisst, mit weniger Arbeitsplätzen auszukommen.

    Der frühere ETH-Gastprofessor und Naturwissenschaftler Marco Morosini bezeichnet die heutige Ökonomie als «autistisch». Sie sei blind für die Natur und die künftigen Generationen: «Trotz vierzig Jahren Umweltbewusstsein und Umweltökonomie ist sie noch immer eine Ökonomie, deren einziger Drehpunkt die Vermehrung des Geldaustausches ist – denn das Bruttoinlandprodukt BIP misst nichts anderes.»

    Zitiert aus dem lesenswerten Artikel von Urs P. Gasche auf infosperber.ch, der dort die aktuelle Situation beleuchtet, in der wir alle stecken:
    http://www.infosperber.ch/Artikel/Wirtschaft/Krise-Wachstum-Defizite-Schulden-trugerische-Ruhe

     
  • thewisemansfear 9:10 pm am December 11, 2013 Permalink
    Tags: , Schulden,   

    Staatsschulden – der Gipfel der Schizophrenie 

    Einerseits finden Viele Staatsschulden doof. Bei ständig steigenden Schulden kann da ja was nicht stimmen, der Staat kann einfach nicht vernünftig wirtschaften…
    So zu argumentieren halte ich für reichlich beschränkt.

    Wie wir ja wissen, gehört zu jedem Schuldner auch ein Gläubiger. Hier lohnt ein Blick darauf, wer überhaupt diese Schulden hält und dafür Jahr für Jahr Zinsen kassiert. Nutznießer sind nämlich zum Großteil mittel- und unmittelbar die Bürger selbst. Unmittelbar werden Staatsanleihen gehalten oder mittelbar sind es die Einlagen bei Versicherern und Banken (Lebensversicherung, Riesterrente, etc.), die im „sicheren Hafen“ Staatsanleihen geparkt sind.

    Mutet es so nicht reichlich schizophren an, wenn eben diese Bürger nach einem Schuldenabbau verlangen, ohne sich Gedanken zu machen, wo sie ihr Geld dann anlegen sollen?
    Wer verstanden hat, dass Schuldenabbau mit der Vernichtung von Geldvermögen einhergeht, ja diese sogar bedingt, der kann ob solcher Forderungen nur ungläubig den Kopf schütteln. Auf Wachstumskurs steuert man die Wirtschaft so in jedem Fall nicht…

     
  • thewisemansfear 2:00 pm am November 16, 2013 Permalink
    Tags: Enteignung, Entwertung, Schulden, Sparen,   

    Finde den Schuldner! 

    Wenn man die gängigen Medien so liest, dann fällt da in letzter Zeit in Bezug auf die Zinspolitik der EZB immer wieder der Begriff „Enteignung der Sparer“. Relativierend heißt es manchmal „faktische Enteignung“.

    Ziemlich harsche Worte, mit denen vor allem Meinungsmache, aber keinesfalls Aufklärung betrieben wird. Hier ein Versuch des Letzteren:

    Geld ist kein Wertaufbewahrungsmittel – war es auch nie gewesen, sondern lediglich ein Versprechen auf eine zukünftige (Gegen-)Leistung. Nahezu alles auf dieser Welt hat ein Verfallsdatum, warum sollte das bei Geld anders sein? Entwertung lautet in diesem Zusammenhang der geeignete Begriff.
    Gold ist im Übrigen nur bedingt ein bleibender Wertersatz, es hat jeweils nur den Wert, den man ihm zu jeweiligen Zeitpunkt beimisst.

    Werfen wir noch einen Blick auf die Zinsen und deren Herkunft. Guthabenzinsen kann eine Bank nur zahlen, wenn sie jemanden findet, der einen Kredit aufnimmt und diese damit erwirtschaftet! Konsumentenkredite sind in diesem Beispiel untauglich, der Kreditnehmer braucht in jedem Fall ein tragfähiges Einkommen, aus dem Zins und Tilgung erbracht werden.

    „Kredit aufnehmen“ ist dabei nur eine formalere Bezeichnung von „Schulden machen“.

    In einer Marktwirtschaft regelt üblicherweise der Markt den Preis über Angebot und Nachfrage. Wenn ein Überangebot an Sparkapital einem Mangel an Kreditnehmern (Schuldnern) gegenübersteht… dann sinkt eben der Zins. Die Empörung sollte sich besser gegen jene richten, die die private Altersvorsorge als sicheres Standbein beworben und letztlich auch eingeführt haben.

    Die Geldpolitik ist aktuell nahezu ausgereizt, wieder wirtschaftlichen Schwung zu erzeugen. Jetzt dürfen sich alle mal Gedanken machen, wo sie die nächsten Schuldner hervorzaubern. Privathaushalte wollen nicht, der Staat darf nicht (fiskalpolitisches Eigentor mit der Schuldenbremse) und die Unternehmen wollen auch nicht, Auslastung und Nachfrage sind nicht so dolle (woran das nur liegt?).

    Tja. Ohne neue(n) Schuldner gibt es kein zusätzliches Wachstum, das ist eine logische Konsequenz unseres Geldsystems.

     
  • thewisemansfear 12:14 pm am November 10, 2013 Permalink
    Tags: , Schulden, , Wirtschaftskreislauf   

    Wie funktioniert Wirtschaft?

    Ziemlich gut erklärt, wie der Wirtschaftskreislauf funktioniert. Ebenso wie Geld und Schulden zusammenhängen.

    Anmerkung: Die großen Langfristzyklen funktionieren prozyklisch, d.h. den jeweiligen Trend selbst verstärkend. In Boomzeiten steigen die Gewinne der Unternehmer und damit ihre Zukunftsaussichten, was sie einerseits kreditwürdiger erscheinen – als auch eben mehr Kredite nachfragen lässt. Im Abschwung sinkt sowohl Kreditwürdigkeit (mangels Gewinn, bzw. wegen Verlusten) als auch Kreditnachfrage (unausgelastete Kapazitäten), was den Abwärtstrend noch weiter verstärkt.
    Einzig der Staat kann als übergeordnete Instanz den jeweiligen Trend abmildern bzw. versuchen ihn umzukehren, dafür benötigt man aber eben jenes Verständnis, nicht rational wie ein Unternehmen bzw. ein Privathaushalt zu denken, sondern ein funktionierendes Wirtschaftssystem als Ziel und dessen Funktionsweise verstanden zu haben.

     
  • thewisemansfear 10:32 pm am November 9, 2013 Permalink
    Tags: , Schulden, Schuldenbremse,   

    Geld und Schulden, gewürzt mit einer Prise Wachstum 

    Geld (und im weiteren Sinne Vermögen) ist untrennbar mit Schulden verknüpft. Ohne das eine gäbe es das andere nicht.
    Schulden können nur „abgebaut“ werden, indem man Vermögen vernichtet. Das ist ganz simple mathematische Logik. Alles andere ist eine gesellschaftspolitische Entscheidung darüber, wer mit seinen Vermögensanteilen dafür grade stehen soll bzw. muss.
    Die Einkommens- und Vermögensverteilung ist bekanntermaßen sehr ungleich. Die Umverteilung von unten nach oben ist quasi im System eingebaut, mit der leistungslosen Rendite auf Kapital (Zinsen) sind die Vermögenseigner klar im Vorteil. Einen Ausgleich kann nur der Staat herbeiführen, bspw. durch gerechtere Einkommensbesteuerung und /oder Vermögensabgaben.

    Wachstum bedeutet sowohl ein Mehr an Vermögen als auch in logischer Konsequenz ein Mehr an Schulden. Dass sich der Staat mit einer selbst gesetzten Grenze an Ausgaben (Schuldenbremse) wirtschaftlich stranguliert, könnte man als schizophren bezeichnen. Wachstum bedeutet mehr – Vermögen als auch Schulden. Die Kernfrage muss lauten, wie das Ganze gerecht aufgeteilt wird. An dieser Diskussion haben die Mächtigen dieser Welt naturgemäß wenig Eigeninteresse…

     
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