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  • thewisemansfear 8:59 pm am March 23, 2014 Permalink
    Tags: FDIC, , Hoeneß, Libor-Skandal, Moral   

    Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen 

    Diese Binsenweisheit ist mit dem Fall Hoeneß klar widerlegt worden, richtig? Es gibt eben doch noch Gerechtigkeit auf dieser Welt, könnte man meinen!

    Tja, leider sitzt man da einer falschen Vorstellung auf. Wenig Beachtung hat in den deutschsprachigen Medien letzte Woche die Meldung über die Klage der Federal Deposit Insurance Corp  (kurz FDIC, US-amerik. Einlagensicherung) gegen 16 Bankinstitute (so alles was Rang und Namen hat) wegen der Manipulation des LIBOR-Zinses gemacht. Dies ist nur ein weiterer Schritt in dem bereits  2012 aufgedeckten Betrugsskandal. Auf den Seiten der SZ findet man eine aufbereitete Themenseite, wo die Verfehlungen und bisherigen Konsequenzen festgehalten sind. Über das Ausmaß der verursachten Schäden kann man nur vermuten, sicher ist, dass Hoeneß aktuell nachgewiesene 27Mio. € ein Witz dagegen sind.

    Und was findet man also da an Konsequenzen? Verurteilung zu Geldstrafen, Bankangestellte werden freigestellt (muss echt hart sein) oder suspendiert… Übernahme von Verantwortung in den Führungsetagen? Fehlanzeige. Aber dem Gesetzgeber scheint an einer strafrechtlichen Verfolgung der Verantwortlichen auch nicht sonderlich gelegen zu sein. So sieht Gerechtigkeit in dieser Welt aus. Die Binse oben lebt weiter!

    Auf neweconomicperspectives gibt es dazu einen Kommentar, den ich sehr treffend finde:

    Consider the ethical and political implications of what the FDIC investigation has confirmed.  The entire barrel of apples is rotten.  Every CEO failed the ethical test, and the ethical bar that they failed to surmount was set exceptionally low.  That can only happen when a “Gresham’s” dynamic has been allowed to persist for years because of the three “de’s” (deregulation, desupervision, and de facto decriminalization).  Such a dynamic can cause “bad ethics to drive good ethics out of the markets.

    Let’s review the bidding.  The U.S. government, through the FDIC, has found after a lengthy investigation that the leaders of 16 of the world’s largest banks conspired together to form a cartel to manipulate the LIBOR “numbers” and to defraud the public about the scam.  This should have led the criminal justice authorities to prosecute large numbers of senior officers of these banks – but none of them have been prosecuted.  It obviously poses a grave threat to the “safety and soundness” of the entire financial system.  The endemic frauds led by elite CEOs demonstrate such a pervasive failure of integrity and ethics by the leaders of the finance industry that there is a moral crisis of tragic proportions.

    Kurz übersetzt: Das durch die FDIC aufgedeckte Kartell sollte eigentlich die Staatsanwaltschaft gegen die Banken-Verantwortlichen auf den Plan rufen und diese zur Rechenschaft ziehen. Aber niemand davon wurde bislang strafrechtlich belangt, was als große Bedrohung der „Sicherheit und Solidität“ des ganzen Finanzsektors gedeutet werden kann. Hierbei handele es sich um eine moralische Krise tragischen Ausmaßes, da man starke Zweifel an Integrität und Moral des Führungspersonals haben müsse.

    Zum Abschluss ein passendes Schmankerl: Ex-FED Chef Ben Bernanke erntet die „Früchte seines bisherigen Arbeit“. Er erhielt für seinen ersten Vortrag nach Aufgabe seines Postens ein Salär von mindestens 250.000USD. Mal eben in 40Min. Vortragszeit mehr „verdient“ als im gesamten Jahr zuvor. Der Kommentar zu dieser Meldung beginnt so: „You will never, again, have a good economy for ordinary people so long as this continues“  Was ich vollkommen unterschreiben kann.

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  • thewisemansfear 10:08 pm am March 18, 2014 Permalink
    Tags: , Fairness, homo oeconomicus   

    Das Fairness-Experiment: Auswirkung ungleicher Entlohnung für identische Tätigkeiten 

    Zum Hintergrund: Mainstream-Wirtschaftsmodelle basieren auf einem „rational handelnden Agenten„. Der richtet sich mit seinen Entscheidungen primär nach egoistischen Motiven, Fragen der Moral geraten da eher in den Hintergrund. Dass dies mit der Realität nicht viel gemein hat, sollte spätestens nach diesem Video klar sein.

    Was der Vortragende erklärt, ist Folgendes:

    • es handelt sich um 2 Kapuzineräffchen aus derselben Gruppe, die sich nebeneinander in Sichtweite des jeweils anderen befinden
    • beide müssen eine kleine Aufgabe erledigen (Stein nehmen und zurückgeben) und erhalten dafür eine Belohnung (Gurkenstückchen)
    • wird von beiden akzeptiert, solange man nicht einen von beiden für dieselbe Tätigkeit mit einer Weintraube „bezahlt“

    Die Reaktion fällt irgendwie nachvollziehbar aus, verarschen kann er sich auch selber! 😉

     

     
  • thewisemansfear 2:24 pm am March 16, 2014 Permalink
    Tags: , ,   

    Econophysics – Wirtschaftstheorie unter Berücksichtigung physikalischer Grenzen 

    Man sollte die Hoffnung nie aufgeben, es gibt sie doch. Ökonomie-Professoren wie Steve Keen, die versuchen Lösungen und Modelle zu entwickeln und dabei physikalische Randbedingungen NICHT einfach ausblenden. Ich frage mich, wie die Wachstums-Dogmatiker mit den Widersprüchen umgehen, die sich Menschen mit gesundem Menschenverstand bezogen auf das Thema unendliches Wachstum in endlicher Welt auftun müss(t)en.

    Der englischsprachige Vortrag läuft unter der Bezeichnung „Production, Entropy and Monetary Macroeconomics“:

    Hier nur ein paar herausgegriffene Stichpunkte aus dem Vortrag:

    • „Jeder der an unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten glaubt, ist entweder verrückt oder aber Ökonom.“
    • Modelle arbeiten nur mit Arbeit und Kapitalgrößen, berücksichtigen nicht die real stattfindenden Transformationsprozesse, welche immer Energie kosten (2. Hauptsatz der Thermodynamik unberücksichtigt). Das wäre in etwa so, als würden Physiker in ihren Modellen die Gravitation außen vor lassen…
    • über die Zeit nimmt die Entropie (als Maß für Unordnung) zu, dabei wird Energie frei. Die Umkehrung dieses Prozesses (Schaffung von Ordnung, d.h. Produktion von Gütern oder Aufräumen 😉 ) kostet Energie. Energie die anderswo herkommen muss, bspw. Solarenergie oder fossile Energieträger. Dieser Umkehrprozess ist niemals frei von Verlusten, irgendwo geht immer etwas verloren.
    • Die Quelle von Wirtschaftswachstum ist durch den Menschen frei nutzbare Energie. Arbeitsleistung und Kapital spielen mit rein, sind aber nicht übergeordnet anzusehen. Bisherige Theorien lassen Energie komplett außen vor. Wachstum wird teilweise einfach als Faktum angenommen.
    • In den Modellen taucht die Umwelt als der Wirtschaft untergeordnet auf, anstatt anders herum die Wirtschaft einer (intakten) Umwelt unterzuordnen.
    • sich ergebende Konsequenz: Physik setzt Grenzen des Wachstums, bisherige math. Modelle sind untauglich und müssen dahingehend angepasst werden

     

     

     
    • AlienObserver 9:40 am am März 17, 2014 Permalink | Antworten

      Super!
      Interessant auch die Bemerkung von Steve Keen, immerhin kein Niemand der Ökonomie, dass Mainstream Journale sich weigern seine Arbeit zu veröffentlichen. Gruß AlienObserver

  • thewisemansfear 9:26 pm am March 11, 2014 Permalink
    Tags: deep state, Lobbyismus, tiefer Staat   

    Der tiefe Staat 

    US Präsident Eisenhower hat in den 60ern noch vor dem „militärisch industriellen Komplex“ gewarnt. Damals waren sich die Politiker anscheinend noch bewusst, dass nur ein ausgewogenes Machtgefüge Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie sein kann. Mittlerweile hat sich dieses Gebilde zu einem „tiefen Staat (deep state)“ weiterentwickelt, d.h. die Mächtigen sind in der Zwischenzeit eine fruchtbare Symbiose eingegangen.

    Dieser telepolis Artikel „Die Interessenverbände haben sich den Staat unterworfen“ passt thematisch bestens in dieses Bild, man sollte sich die Zeit nehmen, ihn komplett zu lesen. Man bekommt das große Ko*+en: http://www.heise.de/tp/artikel/41/41186/1.html

    „Es ist ein eklatanter Widerspruch zur Grundidee demokratischer Mitbestimmung, wenn der politische Einfluss demokratisch nicht legitimierter Gruppen seit Jahrzehnten unablässig zunimmt. Lobbyismus steht letztlich immer im Spannungsfeld zwischen legitimer Einflussnahme und einer möglichen Gefährdung demokratischer Grundprinzipien.“

     
  • thewisemansfear 11:18 pm am March 8, 2014 Permalink
    Tags: Economic Hitman   

    Wer Antworten sucht, folge der Spur des Geldes… 

    … Und um dies zu tun, folge man der Spur der „Economic Hitmen„.

    http://jessescrossroadscafe.blogspot.de/2014/03/john-perkins-to-follow-money-follow.html

     
  • thewisemansfear 9:37 pm am March 6, 2014 Permalink
    Tags: , land-grabbing, ,   

    The growing global tumult is a symptom of the global land grab… 

    Was treibt die ganz großen Räder dieser Zeit an? Welche Schlüsse kann man aus der Weltpolitik ziehen, wenn man den immer größer werdenden finanziellen Druck auf alle Teilnehmer und knapper werdende Ressourcen im Hinterkopf hat?

    The growing global tumult is a symptom of the global land grab—the expropriation of land and resources by competing international powers to suit the needs of a rapidly expanding global consumer culture. As China and Russia broaden the belt around Asia, the impotence of the US’s strategy of aiding fascists, Islamists, and separatists in attempts to “liberate” natural resources and infrastructure becomes apparent. This is why Russia crossed an important Rubicon in the Crimea: not only have they proved that they aren’t bluffing in Syria, but they have exposed proxy wars by engaging in open conflict, thus heightening the visibility of the interconnected and ongoing game of global domination.

    Alexander Reid Ross, http://www.counterpunch.org/2014/03/05/ukraine-and-the-great-asian-enclosure/

    —-

    Noch ein weiterer Link, der sich zu teilen lohnt, ist ein Interview von ex-INSM-Geschäftsführer Max Höfer bei telepolis: http://www.heise.de/tp/artikel/40/40897/1.html

     

    Man beachte vor allem auch die Kommentare, diese sprechen Bände. Der augenscheinlich geläuterte Wolf im Schafspelz kann eben doch nicht so ganz aus seiner Haut…

     
  • thewisemansfear 9:09 pm am March 5, 2014 Permalink
    Tags: Bankenregulierung, Royal Bank of Scotland   

    Bankenregulierung – Kampf gegen Windmühlen 

    Wie der Spiegel meldet, will die Royal Bank of Scotland trotz Jobabbau und voraussichtlich hoher Verluste dieses Jahr 550Mio. GBP an Boni ausschütten. Leistungsgerechte Bezahlung eben, sonst hauen die „Spitzenkräfte“ am Ende womöglich ab. Ist vielleicht auch einfach ein Gewohnheitsrecht, gehört halt irgendwie dazu…

    Orlando Pascheit schreibt auf den NDS dazu:

    Eigentlich sollte die Bonusregelung der EU, Begrenzung der Boni auf das Doppelte des Festgehalts, bereits greifen. Das bedeutet, dass die Festgehälter der Top-Banker ziemlich hoch ausfallen. RBS-Chef McEwan meinte, es müsse eine „faire“ Bezahlung der Investmentbanker geben. Die RBS hat seit 2008 jedes Jahr Verlust gemacht. Leistungsorientierung sieht anders aus. – Bei der HSBC, der zweitgrößten Bank weltweit, hat man eine schöne Möglichkeit gefunden, die Bonusregelung zu umgehen. HSBC führt für ihre Spitzenleute eine fixe Zulage ein, die vierteljährlich teils in bar, teils in Aktien ausbezahlt wird. Diese wird von der EU als Teil des Grundgehalts anerkannt und unterliegt damit nicht der neuen Regelung für Boni. Dadurch umgeht die Bank nicht nur die Bonus-Regel , sondern erhöht auch die erlaubte absolute Höhe der Boni. Diese Zulagen können von der Bank jährlich neu festgelegt werden, womit sie exakt die Funktion variabler Boni erfüllen, ohne so genannt zu werden. Die Zulage des Chefs der HSBC, Stuart Gulliver, liegt bei 1,7 Millionen Pfund. Dadurch steigt sein Mindestgehalt 2013 auf 4,2 Millionen, inklusive des Bonus landet er bei 8 Millionen Pfund, also knapp 10 Millionen Euro. Allein 239 Mitarbeiter sollen eine Sonderzahlung von einer Million Pfund oder mehr bekommen. Es kann davon ausgegangen werden, dass andere Banken diesem Beispiel folgen werden. – Diese Chuzpe lässt ahnen, wie die Banken mit all den anderen neuen Finanzmarktregulierungen umspringen werden, welche die Finanzwelt soviel sicherer machen sollen.

    Noch Fragen, Kienzle? Nein, Hauser!

     
  • thewisemansfear 8:55 pm am March 4, 2014 Permalink
    Tags: André Gorz, , Sozialstaat   

    „Eines Tages muss sich der Kapitalismus seine Kunden kaufen, indem er Zahlungsmittel umsonst verteilt.“ (André Gorz)

    Es folgt ein Transskript aus dem DLF (http://www.deutschlandfunk.de/das-kulturgespraech-kultur-des-finanzkapitalismus.1301.de.html?dram:article_id=278970)
    „[…] Es gab seit den 50er Jahren in allen westlichen Industrienationen eine Art wohlfahrtsstaatlichen Konsens, der unter anderem davon motiviert war, dass bestimmte sozialstaatliche Standards wie Arbeitslosenversicherung, etc., also sozusagen wohlfahrtsstaatliche Gefüge Voraussetzung war, dass der Kapitalismus reibungslos funktionierte.
    Das heißt also, dass der Fallout, den das System regelmäßig produziert, gewissermaßen therapiert wird. Genau dieser Konsens ist aber spätestens mit der Reagan/Thatcher Ära zugrunde gegangen. Heute kann man es sich scheinbar leisten, auf ganz zynische Weise, dass ganze Bevölkerungsschichten diesem Fallout ausgesetzt sind, ohne Sorge über die weitere Funktionsweise dieses Systems tragen zu müssen. Bestes Beispiel ist die Politik von Merkel gegenüber Griechenland. In jeder anderen Situation hätte man gesagt, Arbeitslosenquoten von 30% sind ein politischer Skandal, noch mehr, ein politischer Notstand, der in der Weimarer Republik zum Faschismus geführt hat.“

     
  • thewisemansfear 5:00 pm am March 2, 2014 Permalink
    Tags: Rentier, ,   

    „No system can be sustained with a growing overwhelming majority share of low-to-high-entropy flows of resources, production, purchasing power, well-being, and political power flowing to the top 0.01-0.1% atop the hierarchy of power relations.
    The bottom 99% cannot afford to sustain the wealth, privilege, and power of the top 0.1-1% AND subsist indefinitely.
    The rentier-parasitic, winner-take-all, high-entropy system of natural and human capital exploitation and plunder cannot persist. The rentier Power Elite top 0.01-0.1% have no reason to care about the rest of the human ape population.“

    Kommentar von BC auf dem rwer-Blog zum Thema Ungleichheit. Er teilt zudem eine lesenswerte Story vom Dalai Lama. Weise Menschen wissen eben, die richtige(n) Frage(n) zu stellen.

     
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