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  • thewisemansfear 2:52 pm am April 26, 2015 Permalink
    Tags: , Medien, Varoufakis   

    Medial gesteuerte Stimmungsmache gegen Varoufakis 

    Es ist geradezu köstlich, einmal live und in Farbe zu erleben, wie die mediale Maschinerie arbeitet.

    Man nehme einen griechischen Finanzminister, der mit seinen Kollegen in Riga noch nicht ganz auf einer Wellenlänge scheint (mal ganz vorsichtig ausgedrückt). Inhaltliche Diskussion anscheinend nicht möglich bzw. unerwünscht. Man schreibt von seiner Isolation, u.a. bei

    Reuters: Der einsame Weg des Yanis Varoufakis im Schuldenstreit    Auszug:

    „Er ist völlig isoliert“, sagt ein hochrangiger Vertreter der Euro-Zone später über Varoufakis. Diese Isolation ist den ganzen Tag spürbar, bis der Minister am Abend allein zur Brücke am Fluss spaziert. Es ist ein weiter Weg über die Düna. Ein kalter Wind weht.

    Ich bin ehrlich gesagt überrascht, wie „hübsch verpackt“ eine Nachrichtenagentur Inhalte (so es sie denn gibt) verpacken kann. Ganz großes Kino. Natürlich wird das von den Sprachrohren, die mehr und mehr zu reinen Verstärkern verkommen (oder es bereits sind), begierig aufgegriffen. Mittlerweile sind die Meldungen in zig Blättern voll davon. Welt, FR-Online, etc & pp, alle mit nahezu gleichlautendem Wortlaut diese „Inhalte“ wiederkäuend.

    Am heutigen Sonntag schreibt dann Antonis Karakousis, ein Leitartikler (Chefredakteur?) der griechischen Zeitung „To Vima“ einen Kommentar mit dem Titel „Revelations for Varoufakis“ – zu deutsch: „Enthüllungen zu Varoufakis“.

    Darin äußert er sich über die angespannte Situation und streut das Gerücht über Varoufakis womöglich bevorstehenden Abgang:

    „It is no coincidence that since Friday afternoon there have been rumours circulating in Athens from the government itself, regarding his replacement.“

    Regierungskreise, näher benennt er seine Quelle nicht.

    Was machen nun unsere deutschen Qualitätsmedien daraus? DPA hat zumindest flugs eine Ticker-Meldung daraus fabriziert:

    DPA: Zeitung: Gerüchte über baldigen Rauswurf von Varoufakis

    DAS ist natürlich zusammen mit der Isolations-Vorgeschichte vom Freitag/Samstag ein gefundenes Fressen für die Sprachrohr-Medien. Weil es so gut passt, bastelt WIWO das Rausschmiss-Gerücht gleich mit dem Isolations-Artikel zusammen. Wow, liest sich das gut. Unhaltbar der Mann, den Eindruck könnten unbedarfte Leser gewinnen. Den nötigen Nachdruck verleiht die Story dem Verbreiten über alle möglichen Ticker. Aber was einmal über die Agentur oben ins mediale Verwurstungssystem eingekippt wurde, wird über alle verfügbaren Sprachrohre rausgepustet.

    Wenn es alle berichten, dann muss doch da was dran sein? Auch wenn später wieder zurückgerudert wird, das Dementi wird jedenfalls nicht mit demselben Elan verbreitet werden, da bin ich mir sehr sicher.

    Und all das aufgrund von Finanzministern, die einem anders Denkenden nicht zuhören können/wollen, also im Kern nicht konfliktfähig scheinen, und einem Kommentatoren, der ein Gerücht unbekannter Quelle in die Welt setzt. Worin genau die inhaltlichen Differenzen mit den Minister-Kollegen bestehen? Erfährt man nicht. Varoufakis hat seine Hausaufgaben nicht gemacht, basta! Auf der großen Brücke steht er dann folgerichtig einsam in der Kälte… Warum auch inhaltlich über Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen oder den unausweichlichen Weg der EU in eine Transferunion berichten, wen interessiert das schon?

    Was hat das noch mit Journalismus zu tun? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Nur – diese Medien braucht kein Mensch.

    —-

    Update: Bei fdik aufgeschnappt: Journalismus kann man aber auch gleich ganz weglassen. Und es kommt endlich auch Varoufakis Schwieger-VATER zu Wort, blöd! sei Dank. Hör auf deine Familie, Yanis. Bleib bloß auf Linie und unterschreib, was die Dir vorlegen!!1

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  • thewisemansfear 12:07 pm am April 23, 2014 Permalink
    Tags: , Medien, , ,   

    Connect the Dots… 

    Zur Abwechslung richten wir heute unser Augenmerk auf die Realpolitik. Die Ukraine bietet sich da förmlich an. Jeder der wahrnimmt, dass da ein Keil zwischen Russland und den Rest Europas getrieben wird (bzw. werden soll), sollte sich fragen, wem dies nützt. In jedem Kriminalfall werden auch die Interessenlagen der Beteiligten betrachtet, „follow the money“ ist ein relativ simpler, aber sehr effektiver Ansatz.

    Oberflächlich gesehen steht die Ukraine kurz vor der Pleite, es grassiert Korruption in Politik und Wirtschaft und es finden Sezessionsbewegungen statt, sich von diesem im Zerfall befindlichen Gebilde zu lösen. Russland a.k.a. „Putin der Schreckliche“ wird vorgeworfen, er unterstütze die Sezessionsbewegungen noch zusätzlich, das liegt ja auch irgendwie auf der Hand, nicht wahr? EU, USA, IWF und wie sie alle heißen, machen sich jedenfalls öffentlichkeitswirksam große Sorgen darum und betreiben einigen Aufwand, um Russland den schwarzen Peter zuzuschieben. Wenn die Sanktionsspirale erst einmal zum Selbstläufer bzw. Bumerang wird, dürfte das Geschrei groß werden.

    Jeder, der schon einmal ein defektes Gerät repariert hat, weiß, dass man bei der Untersuchung im Gerät meist recht schnell defekte Bauteile ausmachen kann. Mal ist das ein abgebrannter Widerstand, ein hochgegangener Kondensator oder eine angekokelte Lötstelle. Das Problem bei der Reparatur ist, dass diese oberflächlich festgestellten Defekte seltenst die eigentliche Ursache darstellen. Dafür muss man in der Schaltung/im System tiefer graben und sich die Funktionsweise vergegenwärtigen, was nun eigentlich den offensichtlichen Defekt ausgelöst hat.

    Einen Schaltplan für das „System Welt“ gibt es leider nicht, den muss man sich mühsam anhand der vorliegenden Informationen zusammenstellen. Wenn man auf der Suche nach der Ursache nun die geschichtliche Entwicklung mit in Betracht zieht, wird das Bild schon klarer. Macht und Einfluss der USA stützen sich auf die Weltreservewährung Dollar [+ ihren Militär- und Geheimdienstapparat, aber das lasse ich an dieser Stelle mal ausgeklammert]. Der Ausspruch des ehemaligen US-Finanzministers Connally: „It’s our currency, but it’s your problem.“ spricht Bände. Wenn man sich das strukturelle Leistungsbilanzdefizit und die angehäuften Auslandsschulden der USA anschaut, muss man sich unweigerlich fragen, wie  das zusammenpasst. Die Antwort ist recht schnell gefunden: unter Ausnutzung einer Monopolstellung – so gut wie alle Ölkontrakte auf der Welt werden in Dollar abgewickelt (-> Petrodollar). Gegen ein Monopol setzt man sich in der Regel zur Wehr, so haben etliche Regierungen/Machthaber eine Loslösung davon versucht, sind danach aber reihenweise bei innen- oder außenpolitischen Konflikten Schachmatt gesetzt worden. Iran/Irak, Lybien, Syrien, Venezuela, etc. seien hier beispielhaft genannt.

    Wie das mit der Ukraine zusammenpasst? Nun, Russland hat vor einiger Zeit ebenfalls Interesse bekundet, den eigenen Öl- und Gashandel in Rubel abzurechnen [diepresse] und stellt damit das Weltwährungssystem mit Quasi-Monopolisten USA infrage. Dass letzter darüber not amused sind, steht außer Frage. Und jetzt sehen wir an Russlands Grenze einen neu entstandenen Konfliktherd vor sich hinschwelen, wo massen-medial darauf hingewirkt wird, Putin/Russland als treibende Kraft hinzustellen („Großmachtgehabe“).  Für alle, die nur an der Oberfläche bleiben, mag das eine plausible Erklärung sein, die tiefer gehenden Ursachen werden damit leider nicht im Ansatz benannt. Von Medien-Schreibern, die in Atlantik-Brücke und sonstigen Vereinen aktiv sind, kann man ehrlicherweise keine sonderlich kritische Haltung erwarten, nur müssten solche Interessenkonflikte offen gelegt werden! So liegt es an jedem interessierten Leser selbst, diese Zusammenhänge herauszufinden und sich ein neues, eigenes Bild der Welt zu zeichnen.

    Weiterlesen (englisch) kann man hier: http://www.counterpunch.org/2014/04/18/the-ukraine-imbroglio-and-the-decline-of-the-american-empire/ und hier: http://www.counterpunch.org/2014/04/22/putin-petrodollars-and-canadas-useful-idiot/
    nachgeschoben: http://cassandralegacy.blogspot.de/2014/04/the-west-and-russia-tit-for-tat-game_21.html

     
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