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  • thewisemansfear 10:28 pm am April 29, 2014 Permalink
    Tags: , Frances Coppola, , , , Vollgeld,   

    Banken in die Schranken, Part 2 

    Passend zum letzten Beitrag: Wirtschaftsjournalist Martin Wolf fordert den Banken das Geldschöpfungsprivileg zu entziehen (warum nur?! 😉 ) und Frances Coppola greift seine Thesen auf.

    Auf pieria.co.uk werden die Vorteile aus seiner Sicht zitiert:

    [Banks] could only loan money actually invested by customers. They would be stopped from creating such accounts out of thin air and so would become the intermediaries that many wrongly believe they now are.

    Hervorhebung des wichtigen Teils, denn die meisten Menschen sitzen leider wirklich noch dem Irrglauben auf, Banken würden rein als Intermediär (Mittler) zwischen Sparer und Kreditnehmer agieren. Keine Angst, das wird keine Lobeshymne aufs Vollgeld, Kritik folgt weiter unten.

    Die Autorin des Textes nimmt dann Bezug auf ihre eigenen Kritikpunkte an einem IWF-Paper zum Thema. Ein Auszug (letzter Punkt):

    • margins on what little lending remained after the debt jubilee would be painfully low, because the paper assumes that businesses would alternatively be able to obtain finance in the capital markets at similar rates to the yield on government bonds.

    Sie kritisiert, dass das dann wohl das Ende vom Geschäftsbankensystem sei, so wie wir es kennen. Recht hat sie!

    As far as I can see, in this model it is virtually impossible for private banks to be profitable. In which case they would soon cease to exist, and government would be forced to create state banking facilities to replace them.

    Immerhin vertritt sie den Standpunkt, dass Geld endogen (d.h. von der Nachfrageseite her) entsteht. Deshalb kann sie dem Vollgeld-Vorschlag (ebenso wie meine Wenigkeit) nicht viel abgewinnen:

    Wolf’s idea amounts to replacing a demand-driven money supply creation mechanism with central planning of the money supply by a committee.  Central banks’ record on producing accurate forecasts of the economy is dismal, and their response to economic indicators is at times highly questionable. Put bluntly, they get it wrong – very wrong, at times: consider the ECB raising interest rates into an oil price shock in 2011. Is the entire lifeblood of the economy to be dependent on the whims of such as these?

    Korrekt, von zentraler Stelle gesteuerte Geldmenge kann nicht funktionieren. Das ist, als wolle man ein komplexes System von einer einzigen übergeordneten Stelle aus managen. Guter Witz, Fehlsteuerung vorprogrammiert. Es geht also drum, den sich selbst verstärkenden Mechanismus der Auf- und Abschwünge abzubremsen und antizyklische Maßnahmen zu implementieren. Klingt nach Regelungstechnik – brauchen die vielleicht einen Ingenieur, der sie unterstützt? Früher oder später kommen sie vielleicht auch noch drauf, das Wachstum insgesamt nur im Gleichschritt aller Beteiligten funktioniert oder man am Ende ganz darauf verzichtet. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Nicht falsch verstehen, so lange Menschen auf dieser Welt ihre Buckel krumm machen und arbeiten, wird es immer „Wachstum“ geben, nur die relativen Steigerungsraten würden sich bei einem stabilen System asymptotisch Null annähern.

    Mit der Aussage der schwindenden Profite kommt sie dem Kernproblem schon ziemlich nahe. Profit geht immer zu Lasten eines anderen Wirtschaftsteilnehmers, irgendwer muss den ja bezahlen. Ganz simple Logik eigentlich. Wenn dieser nicht später wieder in die Wirtschaft zurückfließt, führt dies zu einem formidablen Verteilproblem. Globales Wachstum und eine endlose Geldmengenausweitung kann diesen Zusammenhang recht gut kaschieren, nur sehen wir ja gerade in der aktuellen Entwicklung, was für hässliche Tatsachen nach und nach ans Licht kommen, sobald die Wachstumraten nicht mehr so prall sind.

    Es wird Zeit für ein neue Zielsetzung von Wirtschaft. Umverteilung von fleißig zu reich wird nicht länger funktionieren.
    Btw. Selbst der „Erfinder“ des BIP hat davor gewarnt, es als einzige Steuergröße von Wirtschaft zu erheben. Siehe die Unterpunkte „Alternativen“ & „Kritik“ in der wiki: http://de.wikipedia.org/wiki/Bruttoinlandsprodukt

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    • GeorgT 10:59 am am Mai 2, 2014 Permalink | Antworten

      Wenn man die Kapazitaet zur Geldschoepfung als Fuehrungs- und Lenkungsinstrument bzw. als Macht- und Herrschaftsinstrument versteht, dann stellt sich schon die Frage, ob sie bei privaten Banken und Zentralbanken, die dem Einfluss des Souveraen entzogen sind, gut aufgehoben ist. Denn die Bedenken, die man gegenueber einer zentralen staatlichen Geldschoepfung durchaus haben darf, sehe ich bei privaten Banken mit der Groesse der „Big Four“ auch nicht ausgeraeumt.
      http://en.wikipedia.org/wiki/Big_Four_%28banking%29
      Und auch in Deutschland, wo die Deutsche Bank mit weitem Abstand vor ihrem naechsten Wettbewerber liegt, kann mich das Argument nicht ueberzeugen.

      Wenn man nicht an Goetter, Gottesgnadentum oder an Menschen, die ueber die von Macht ausgehenden Versuchungen erhaben sind, glaubt, dann bleibt nur der Kampf fuer Mechanismen, die der Entstehung von exzessiver Macht entgegen wirken.

  • thewisemansfear 9:11 pm am April 27, 2014 Permalink
    Tags: Banken, Casino, , , , , Kreditvergabe   

    Banken in die Schranken 

    Die Prozessbeschreibung unseres aktuellen Geldsystems ist leider nicht so wasserdicht, wie das vielleicht wünschenswert wäre. So lässt insbesondere die Beschreibung von Giral- bzw. Buchgeld mehrere Sichtweisen aufs Geld und dessen Entstehung zu. Die daraus entstandene Kontroverse überdauert wahrscheinlich bereits mehr als 100 Jahre. Die orthodoxen Geldtheoretiker (v.a. in der freiwirtschaftlichen Ecke um Helmut Creutz, aber auch weite Teile des Mainstreams) definieren das Problem einfach weg. Giralgeldschöpfung aus dem Nichts geht per Definition nicht, „das wäre ja sonst Betrug“. Tja, so einfach kann man es sich machen, vor dem Interbankenmarkt verschließen wir einfach brav die Augen…  🙂

    Andere Menschen sind da schon weiter, wie die Verantwortlichen von http://www.banken-in-die-schranken.net/ und http://www.kreditopferhilfe.net/de/  Klar kann oder muss man in dem Zuge quasi auch die gesamte Vollgeld-Bewegung nennen, die letztlich die Verselbstständigung der Kreditvergabe per Luftbuchung wieder in einen gesetzlich definierten Rahmen zurückholen wollen. Bei der Ausgestaltung gehe ich nicht mit allem konform, aber die prinzipielle Richtung und Einordnung soll zumindest klar werden.

    Konkret möchte die Kreditopferhilfe nun eine Klärung dieser schwammigen Verhältnisse herbeiführen und dies auch vor Gericht ausfechten. Dabei soll kein Geldsystem per Richterspruch rauskommen, aber eine Feststellung, dass das jetzige System einem „Betrugsmodell“ gleichkommt. Wenn die Banken Luftbuchungen vollführen und dafür werthaltige Assets als Sicherheit einfordern, dann wäre das ein ziemlich geniales Geschäftsmodell, oder etwa nicht? Deswegen darf man auch von den Banken selbst wenig Aufklärung zum Thema erwarten. Mit simplifizierenden Zinstheorien wird zusätzlich vom eigentlichen Problem abgelenkt, hier tun sich gerade wieder die Freiwirtschaftler hervor… [Gegenargumentation siehe I, II und III – Dank an deedl]

    Die folgende, anschauenswerte Pressekonferenz (u.a. mit Franz Hörmann) klärt über diesen Sachverhalt und die Intention auf. Vom letzten Statement eines Zuschauers habe ich ein Transskript unten eingefügt, damit wird im Prinzip alles auf den Punkt gebracht. Viel Spaß beim Schauen (und Lesen)!

     

    „Zum Thema Systemrelevanz der Buchhaltung: Ich halte die Buchhaltung für absolut systemrelevant, allerdings ist die Frage: In welchem System?

    Zweitens zum Thema des „schnell reich werdens“: Voll unterschrieben, ich bin auch schnell reich und hackel nix dafür, das ist überhaupt keine Frage. Nur wenn Sie’s sich sprachlich überlegen, sprechen wir hier vom sog. Derivat-Geschäft. Und ein Derivatgeschäft ist immer von einem Grundgeschäft abgeleitet und existiert auch weiter, wenn das Grundgeschäft nicht mehr vorhanden ist. Und dieses ist anscheinend nicht mehr vorhanden.

    Angesprochen auf die Lotterie, lieber Franz, was ist der Unterschied zwischen Casino und Börse? Na, an der Börse spielen die Banken mit! [Gelächter] Das heißt, hier wird das System in sich pervertiert und Wertschöpfung vorgegaukelt, wo keine Wertschöpfung sein kann.

    Aus der VWL wissen wir, dass Geld nur ein Betriebsmittel ist, aber kein Wertschöpfungsmittel. Es ist nur eine Recheneinheit, es hat keinen Wert per se. Und was uns seit Jahrzehnten vorgegaukelt wird, ist, dass das Handeln mit Geldeinheiten wertschöpfend sei. Darauf beruhen auch die absurden Bezahlmodelle derer, die mit diesen Mittel handeln. Darauf basieren auch die Rechtfertigungen eines mathematisch vollkommen unhaltbaren Zustandes, nämlich der Exponentialfunktion, die in krassem Widerspruch zur biologischen Funktion steht, die eben Aufbau, Höhepunkt und Verfall mit sich bringt.

    Dadurch muss es notwendigerweise so sein, wenn die Tangente der Exponentialfunktion zu steil wird, dass sie kippt. Und damit sind wir in all diesen Bereichen, die wir -Kondratieff hat das so herrlich beschrieben, alle 50, 60, 70 Jahre gibt es einen wunderbaren … Neuanfang sozusagen, der meistens aber damit einhergeht – weil nicht ordentlich organisiert – dass Massenverelendung, Konflikt, Polemiker, die Massen verführen, etc., entstehen. Das ist für mich die eigentliche Befürchtung, die ich in der ganzen Sachen habe.

    Wenn ich mir heute anschaue, die Entwicklungen, die wir historisch bis ins 19. Jhdt. zurückverfolgen können, der Börsenindizes – dann sehen wir, dass wahrscheinlich eine Korrektur bevorsteht. Und vor dieser Korrektur sollten wir uns irgendwie in Acht nehmen und vielleicht darauf achten, dass wir die richtigen Dinge tun und nicht die Dinge richtig tun. In dem Sinn ist die Initiative des Kreditopferverbandes eine Initiative, die eigentlich jeder – egal ob er ein Haben- oder ein Soll-Konto hat – befürworten müsste, weil wir damit tatsächlich das System infrage stellen, das die Buchhaltung systemrelevant gemacht hat, danke.“ [Applaus]

     
    • vogel2044 9:48 am am Mai 2, 2014 Permalink | Antworten

      Zu dem o. g. Prof. Hörmann empfehle ich folgenden Texte zu lesen: Causa Hörmann Pregeter und ein Fall von Fachblindheit

      • thewisemansfear 10:39 am am Mai 2, 2014 Permalink | Antworten

        Danke für den Hinweis. Und irgendwie bezeichnend. Zeugt einmal mehr davon, dass dieses ganze Thema einem einzigen Sumpf gleicht. Gero Jenner kann ich aktuell noch nicht einordnen, schaue ich mir im Detail auf jeden Fall an!

    • vogel2044 7:04 pm am Mai 2, 2014 Permalink | Antworten

      Bitte gerne. Jenner iss also ein Quereinsteiger – die 3 Bücher, die ich von ihm habe, habe ich mit Genuss und Gewinn gelesen -, genauso wie Wolfgang Waldner der u. a. auch hier lesenswerte Texte hinterlassen hat. Auch Waldners preiswerte Büchleins lassen sich mit Gewinn lesen.

      • thewisemansfear 7:59 pm am Mai 2, 2014 Permalink | Antworten

        Jenner hat sich anscheinend an Helmut Creutz orientiert. Ein weiterer Verfechter der orthodoxen Geldtheorie (Bargeld sei das einzige „echte“ Geld, Banken würden würden nur Ersparnisse/Kundeneinlagen weiter verleihen).
        Diese Sicht aufs Geld ist überholt. Das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch der Zentralbanken (deutschen BuBa und englische BoE). Ich habe mit Creutz und den NWOlern selbst schon diskutiert, (sachliche) Kritik ist da nicht allzu beliebt. Letzten Endes steht und fällt alles mit dem Verständnis von Geld. Für jemanden, für den das „Ding“ Geld aus der Zentralbank rauskommt, ist Geldschöpfung aus dem Nichts eben Humbug. Bezeichnend, dass Jenner von Geld-Esoterikern schreibt. Naja.
        Links zum Thema: http://www.um-bruch.net/uwiki/index.php/Helmut_Creutz:_Geldsch%C3%B6pfung,_Pro_und_Kontra
        http://norberthaering.de/index.php/de/ueber-das-geld

        Ich kann gerne noch ausführlicher zu Jenners Kritik an Hörmann (zweiter Link) eingehen, wird hier vielleicht sonst zu viel.

        Als Flassbeck-Abonnent kenne ich die Reihe von Waldner natürlich. Finde seine Ansichten teilweise erfrischend, er hat da viel berechtigte Kritik an den gängigen Modellen der VWL zusammengetragen. Wie Flassbeck auch rüttelt er jedoch nicht am Wachstums-Dogma, das ist mein großer Kritikpunkt. Wenn die Knappheit beim Geld abgestellt würde, dann hätten wir Bälde mit der Knappheit von Ressourcen zu tun. Auch eine Dienstleistungsgesellschaft ist davon nicht entkoppelt.

        edit: Waldner wird mir immer sympathischer. Er räumt mit der Quantitätstheorie des Geldes und etlichem mehr auf und kritisiert ebenfalls die orthodoxe Geldtheorie: http://www.wolfgang-waldner.com/volkswirtschaftslehre/
        Ziemlich in der Mitte unter „Warum Ihr gespartes Geld nicht noch einmal verliehen wird“

    • vogel2044 8:32 am am Mai 3, 2014 Permalink | Antworten

      Jenner hat sich zeitweise an Creutz orientiert, er sieht heute vieles anders – bitte selbst lesen, iss besser, als wenn ich das zu erklären versuche.

      In allen Kreisen, bei denen es um diesen besonderen „Saft“ Geld (oder Gold) geht, ist Kritik unerwünscht („Wo komme merr denn dahin?“), das ist imho kein ausreichendes Quali-merkmal an dem man sich orientieren könnte.

      Weitere Erörterungen zu Hörmann sinn nedd nödisch, bringt nix, Hörmann iss völlig indiskutabel!

      D’accord! Von fl-ec Abo zu Abo: Die „Flying-Flassbecks“ sind auf dem richtigen Weg – wollen diesen aber doch nich konsequent zu Ende gehen. Das Waxxtums-Dogma iss der Tod der blauen Kugel! Ich kann auch keine Hoffnung haben, dass meine vier Kinder sich eine andere Welt basteln: Die sich selbstverstärkenden Effekte – nicht nur Klima, auch Vermüllung etc. – werden eine völlig andere Flora/Fauna zeugen, die mit der Gattung homo nix mehr zu tun hat. So war es immer … aber muss man das mit einem Maximum an Qualen für Flora, Fauna und Mitmenschen befördern?

      • thewisemansfear 11:24 pm am Mai 3, 2014 Permalink | Antworten

        Zur causa Jenner-Hörmann/Pregetter: Mir scheint es, als wäre das der weiter fortgeführte Kleinkrieg rund ums Thema Geldschöpfung. Das Buch habe ich mal überflogen, wirkt vom Layout recht zusammengeschustert. Habe stichprobenartig Jenners Vorwürfe versucht nachzuvollziehen, es kann sein, dass da etwas übernommen wurde. Ich gebe allerdings zu bedenken, dass Zitate von Leuten von vor 100Jahren auch anderswo niedergeschrieben stehen und die vorgeworfenen „Plagiate“ teilweise so allgemein sind, dass man da schwerlich eine Urquelle angeben können wird.
        Leider habe ich nicht die Zeit mich da weiter hinterzuklemmen. Ein Beigeschmack bleibt, auch wegen der teilweise arg populistischen anmutenden Schreibweise.

        Mir ging es beim ursprünglichen Beitrag um den Sachverhalt der Giralgeldschöpfung und die rechtlich nicht wasserdichte Konstruktion. Was Hörmann in dem verlinkten Vortrag von sich gibt, ist in meinen Augen stimmig. Da wird eine gerichtliche Klärung angestrebt, die diesen Sachverhalt bestätigt. Egal wie die Sache ausgeht, davon hätten wir alle etwas.
        Und alles wegen unterschiedlichen Sichtweisen aufs Geld…

  • thewisemansfear 12:07 pm am April 23, 2014 Permalink
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    Connect the Dots… 

    Zur Abwechslung richten wir heute unser Augenmerk auf die Realpolitik. Die Ukraine bietet sich da förmlich an. Jeder der wahrnimmt, dass da ein Keil zwischen Russland und den Rest Europas getrieben wird (bzw. werden soll), sollte sich fragen, wem dies nützt. In jedem Kriminalfall werden auch die Interessenlagen der Beteiligten betrachtet, „follow the money“ ist ein relativ simpler, aber sehr effektiver Ansatz.

    Oberflächlich gesehen steht die Ukraine kurz vor der Pleite, es grassiert Korruption in Politik und Wirtschaft und es finden Sezessionsbewegungen statt, sich von diesem im Zerfall befindlichen Gebilde zu lösen. Russland a.k.a. „Putin der Schreckliche“ wird vorgeworfen, er unterstütze die Sezessionsbewegungen noch zusätzlich, das liegt ja auch irgendwie auf der Hand, nicht wahr? EU, USA, IWF und wie sie alle heißen, machen sich jedenfalls öffentlichkeitswirksam große Sorgen darum und betreiben einigen Aufwand, um Russland den schwarzen Peter zuzuschieben. Wenn die Sanktionsspirale erst einmal zum Selbstläufer bzw. Bumerang wird, dürfte das Geschrei groß werden.

    Jeder, der schon einmal ein defektes Gerät repariert hat, weiß, dass man bei der Untersuchung im Gerät meist recht schnell defekte Bauteile ausmachen kann. Mal ist das ein abgebrannter Widerstand, ein hochgegangener Kondensator oder eine angekokelte Lötstelle. Das Problem bei der Reparatur ist, dass diese oberflächlich festgestellten Defekte seltenst die eigentliche Ursache darstellen. Dafür muss man in der Schaltung/im System tiefer graben und sich die Funktionsweise vergegenwärtigen, was nun eigentlich den offensichtlichen Defekt ausgelöst hat.

    Einen Schaltplan für das „System Welt“ gibt es leider nicht, den muss man sich mühsam anhand der vorliegenden Informationen zusammenstellen. Wenn man auf der Suche nach der Ursache nun die geschichtliche Entwicklung mit in Betracht zieht, wird das Bild schon klarer. Macht und Einfluss der USA stützen sich auf die Weltreservewährung Dollar [+ ihren Militär- und Geheimdienstapparat, aber das lasse ich an dieser Stelle mal ausgeklammert]. Der Ausspruch des ehemaligen US-Finanzministers Connally: „It’s our currency, but it’s your problem.“ spricht Bände. Wenn man sich das strukturelle Leistungsbilanzdefizit und die angehäuften Auslandsschulden der USA anschaut, muss man sich unweigerlich fragen, wie  das zusammenpasst. Die Antwort ist recht schnell gefunden: unter Ausnutzung einer Monopolstellung – so gut wie alle Ölkontrakte auf der Welt werden in Dollar abgewickelt (-> Petrodollar). Gegen ein Monopol setzt man sich in der Regel zur Wehr, so haben etliche Regierungen/Machthaber eine Loslösung davon versucht, sind danach aber reihenweise bei innen- oder außenpolitischen Konflikten Schachmatt gesetzt worden. Iran/Irak, Lybien, Syrien, Venezuela, etc. seien hier beispielhaft genannt.

    Wie das mit der Ukraine zusammenpasst? Nun, Russland hat vor einiger Zeit ebenfalls Interesse bekundet, den eigenen Öl- und Gashandel in Rubel abzurechnen [diepresse] und stellt damit das Weltwährungssystem mit Quasi-Monopolisten USA infrage. Dass letzter darüber not amused sind, steht außer Frage. Und jetzt sehen wir an Russlands Grenze einen neu entstandenen Konfliktherd vor sich hinschwelen, wo massen-medial darauf hingewirkt wird, Putin/Russland als treibende Kraft hinzustellen („Großmachtgehabe“).  Für alle, die nur an der Oberfläche bleiben, mag das eine plausible Erklärung sein, die tiefer gehenden Ursachen werden damit leider nicht im Ansatz benannt. Von Medien-Schreibern, die in Atlantik-Brücke und sonstigen Vereinen aktiv sind, kann man ehrlicherweise keine sonderlich kritische Haltung erwarten, nur müssten solche Interessenkonflikte offen gelegt werden! So liegt es an jedem interessierten Leser selbst, diese Zusammenhänge herauszufinden und sich ein neues, eigenes Bild der Welt zu zeichnen.

    Weiterlesen (englisch) kann man hier: http://www.counterpunch.org/2014/04/18/the-ukraine-imbroglio-and-the-decline-of-the-american-empire/ und hier: http://www.counterpunch.org/2014/04/22/putin-petrodollars-and-canadas-useful-idiot/
    nachgeschoben: http://cassandralegacy.blogspot.de/2014/04/the-west-and-russia-tit-for-tat-game_21.html

     
  • thewisemansfear 6:39 pm am April 17, 2014 Permalink
    Tags: , Quantitative Easing, US-Arbeitsmarkt,   

    Die sagenhafte Wirkungsweise von QE 

    So lange die Musik spielt, wird getanzt! Seit der Finanzkrise auch mit direkter, freundlicher Unterstützung Ihrer Zentralbank 🙂

    Über Risiken und Nebenwirkungen bewahren wir lieber Stillschweigen, der Erfolg gibt den Machern einfach Recht und lässt jeden Kritiker verstummen.

    US-Employment-Population-ratio_v_Fed-Balance-Sheet

     

    Man darf sich gar nicht fragen, wie das wohl ohne QE aussehen würde…

    Gefunden im testosteronepit.

    UPDATE: Richtig interessant wird es mit den folgendem Artikel: http://www.counterpunch.org/2014/04/18/g-20-and-us-tell-japan-to-end-qe/
    Japan wird mal freundschaftlich von den G20 (v.a. den US-Kollegen) auf die Finger gehauen, doch zeitnah ihr QE-Programm zurückzufahren. Das Programm führe zu, ja, möglicherweise ungewollten Nebenwirkungen 😉 Die Quellen im Artikel sind http://www.japantimes.co.jp/news/2014/04/12/business/experts-urge-boj-to-draft-exit-strategy/
    und
    http://www.fuw.ch/article/i-see-speculative-bubbles-like-in-2007/

    Schon irgendwie mal wieder Ironie der Geschichte, dass sie das jetzt in Europa gerade starten wollen. (siehe GeorgTs letzter Kommentar)

    Update 2 [29.04.]: Eben auf nakedcapitalism gefunden: EZB Mann Draghi und die deutsche Regierung bauen auf Wachstum unabhängig von Bankkrediten, bzw. sogar sinkenden Krediten! Wäre mal richtig innovativ so was. QE wird es wohl so schnell hier in Europa nicht geben.

    Update 3 [15.05.]: Steve Keen schreibt auf dem rwer-blog:

    „My friend Michael Hudson summarises this effect by saying that “the QE helicopter drops dollar bills on Wall Street, not Main Street”, and that’s pretty apt.
    Some of that extra money does go to extra salaries to and purchases from Main Street (rows 5 and 6), but in the main the extra money created by QE will end up in the stock market. This is a major reason why Wall Street is doing so much better than Main Street, even though QE is marketed as a tool to boost the real economy. QE is a pretty roundabout and ineffective way of achieving the supposed aim of leading “to higher spending in the economy”.“

    Das fasst den (Un)Sinn von QE recht gut zusammen.

     
    • GeorgT 2:01 am am April 19, 2014 Permalink | Antworten

      Sehr schoenes Bild! Was mich anregt, auf eins der ganz grossen Raetsel dieser Geschichte hinzuweisen.
      Es heisst Ben Bernanke. Wenn man die erste Ableitung der gruenen Kurve betrachtet, dann faellt auf, dass sie vor ihrer Explosion gegen Null tendierte. D.h. Ben Bernanke hatte mit seinen rapiden Zinserhoehungen, die u.a. zur Invertierung der Zinsstrukturkurve gefuehrt hatten, das Wachstum der amerikanischen Zentralbankgeldmenge auf Null eingebremst. Gleichzeitig liefen aber Monat fuer Monat amerikanische Leistungsbilanzdefizite in Hoehe von ca. 60 Mrd. US$ und mehr auf. Wenn man nun weiss, dass der Zahlungsverkehr im internationalen Handel mit Zentralbankgeld abgewickelt wird, dann weiss man auch, dass dies einen kontinuierlichen Abfluss von Zentralbankgeld aus dem amerikanischen Bankensystem in gleicher Hoehe bedeutete. Zumindestens dann, wenn es keinen entsprechenden Rueckfluss aus dem Ausland fuer den Kauf von triple A rated Wertpapieren made in USA gibt. Diesen gab es aber nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Welt wahrnahm, wie es um die Qualitaet der triple A rated Wertpapiere made in USA bestellt war, denn die rapiden Zinserhoehungen durch die FED hatten nicht nur das Wachstum der Zentralbankgeldmenge gegen Null getrieben, sondern auch die Zinsen fuer Millionen Hypotheken in eine Hoehe getrieben, die diese fuer die betroffenen Haeuslebauer unbedienbar machten. Da es im grossen Umfang diese Hypotheken waren, die den triple A rated Wertpapieren made in USA zugrunde lagen, fiel der amerikanische Exportschlager so schlagartig aus, was zwangslaeufig dazu fuehren musste, dass amerikanische Banken zunehmend ihre Zentralbankgeldliquiditaet verloren, bis dann die ersten zusammenbrachen und die grosse Rettungsaktion ausloesten.
      Das Raetsel ist nun: War dies gewollt oder hat Ben Bernanke und sein Team diese zwangslaeufige Entwicklung nicht vorhergesehen bzw. vollkommen unterschaetzt?
      Wenn es nicht gewollt war, und einiges deutet ja darauf hin, dann ist das aber auch ein erschreckender Hinweis auf den Geisteszustand und das Verstaendnis grundlegender Zusammenhaenge in der amerikanischen Fuehrungsriege.

    • GeorgT 2:57 am am April 19, 2014 Permalink | Antworten

      Und wenn wir schon beim Geisteszustand von Fuehrungsriegen sind, dann hier noch ein besonders deutliches Beispiel aus meinem persoenlichem Erfahrungsbereich.

      Carly Fiorina, ehemalige HP CEO, konnte als Wirtschaftsberaterin des damaligen Praesidentschaftskandidaten John McCain in einem Interview die Frage nicht beantworten, wie es funktionieren soll, wenn in den USA die grossen Konzerne massenhaft qualifizierte Jobs nach China exportieren, waehrend die Banken den Betroffenen gleichzeitig massenhaft Kredite rein haengen.
      Die gleiche Dame attestierte ihrem Praesidentschaftskanditaten im Wahlkampf, dass er unfaehig sei eine Firma zu leiten.
      http://www.theguardian.com/world/deadlineusa/2008/sep/16/johnmccain
      Auf die Idee, dass die erfolgreiche Fuehrung einer Volkswirtschaft andere Ansprueche stellt, als die „erfolgreiche“ Fuehrung eines Unternehmens war sie ganz offensichtlich noch nie gekommen.
      http://politicalcorrection.org/factcheck/200908200003

      • thewisemansfear 6:48 pm am April 22, 2014 Permalink | Antworten

        Danke für die Hinweise zu Mrs. Fiorina. Die Dame scheint ja kein Fettnäpfchen ausgelassen zu haben, wie sich das beim letzten Link so liest *lol*
        Sie scheint recht von sich selbst eingenommen zu sein, ums mal freundlich auszudrücken, denn sie hat nicht nur McCain, sondern gleichzeitig Obama, Palin und Biden die Führungsqualität für ein Unternehmen abgesprochen. Den Unterschied zum Staat wusste sie anscheinend schon: http://blogs.wsj.com/washwire/2008/09/16/fiorina-palin-is-qualified-for-oval-office-not-corner-office/

        „I don’t think Barack Obama could run a major corporation. I don’t think Joe Biden could,” she said, “But it is not the same as being the president or vice president of the United States. It is a fallacy to suggest that the country is like a company […]“

    • GeorgT 12:39 am am April 20, 2014 Permalink | Antworten

      Und weil das QE so sagenhaft funktioniert, macht man sich in Europa auf den Weg diesem grossartigen Beispiel zu folgen.
      http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/europaeische-zentralbank-ankaeufe-von-staatsanleihen-sollen-unbegrenzt-sein-1.1940194
      Bin gespannt, wann es wieder Kriegsanleihen gibt. Eine Burgfriedenspolitik haben wir ja nun schon seit Jahrzehnten.

      • thewisemansfear 7:18 pm am April 22, 2014 Permalink | Antworten

        Habe dem Beitrag noch ein Update verpasst mit einem Artikel von counterpunch. Gegensätzlicher geht’s fast nicht, die einen denken jetzt anscheinend doch mal über eine Exit-Strategie nach und hier will man gerade damit anfangen…

  • thewisemansfear 10:11 pm am April 16, 2014 Permalink
    Tags: , Ressourcenverschwendung   

    The Lightbulb Conspiracy – Entwicklung zur Wegwerfgesellschaft 

    Gefunden habe ich das folgende Video verlinkt bei Banks-need-Boundaries, es geht um geplante Obsoleszens, eine bewusst herbeigeführte Ressourcenverschwendung. Warum? Weil das System es so erfordert und die Erde es (noch) hergibt.

    edit [22.04.]: gegen die deutsche Version des Films ausgetauscht, bitte nicht von dem Standbild verwirren lassen 🙂

     
  • thewisemansfear 11:49 am am April 16, 2014 Permalink
    Tags: , Geschichte, , Krieg, Trotzki, , Wachstumszwang   

    Aus der Geschichte lernen 

    Es ist schon erstaunlich, was für Parallelen sich auftun, wenn man einen Blick zurück in die Vergangenheit wirft. Sehr ähnliche Probleme wie heute, nur mittlerweile auf einem anderen, höheren Level. Es stellt sich die Frage, ob es nicht die alle paar Jahrzehnte aufflackernden Kriege waren, durch deren Zerstörung des vormals Geschaffenen und dem anschließenden Wiederaufbau das „ganze System“ weiter betrieben werden konnte. Technischer Fortschritt allein reicht bei weitem nicht aus. Wer Schumpeters „schöpferische Zerstörung“ verstanden hat, weiß, dass alte Strukturen Neuerungen platz machen und weichen mussten. Ein Krieg ist dabei die schnellste aber zugleich meistverschwenderische Variante. Sowohl an materiellen Ressourcen als auch an Humanressource (zynisch gesprochen)… Es wird wirklich Zeit, das System insoweit zu reformieren, dass der (exponentielle) Wachstumszwang eliminiert wird. Kooperation statt Egoismus zu propagieren wäre ein Anfang.

    Im Gründungsdokument der Vierten Internationale, das nur ein Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geschrieben wurde, zeichnete Trotzki ein präzises und schonungslos genaues Bild des Zustandes des Weltkapitalismus:

    „Die Produktivkräfte der Menschheit haben aufgehört zu wachsen. Neue Erfindungen und technische Neuerungen vermögen bereits nicht mehr zu einer Hebung des materiellen Wohlstands beizutragen. Unter den Bedingungen der sozialen Krise des gesamten kapitalistischen Systems bürden Konjunkturkrisen den Massen immer größere Entbehrungen und Leiden auf. Die wachsende Arbeitslosigkeit vertieft wiederum die staatliche Finanzkrise und unterhöhlt die zerrütteten Währungen. Demokratische wie faschistische Regierungen taumeln von einem Bankrott in den anderen.

    Die Bourgeoisie sieht selbst keinen Ausweg. In den Ländern, wo sie bereits gezwungen war, den Faschismus als ihre letzte Karte auszuspielen, schlittert sie mit geschlossenen Augen in eine wirtschaftliche und militärische Katastrophe. In den historisch privilegierten Ländern, d. h. jenen, wo sie sich auf Kosten des zuvor angesammelten nationalen Reichtums noch eine Zeitlang den Luxus der Demokratie leisten kann (Großbritannien, Frankreich, Vereinigte Staaten usw.), befinden sich alle traditionellen Parteien des Kapitals in einem Zustand der Ratlosigkeit, der an Willenslähmung grenzt. …

    Die internationalen Beziehungen bieten kein besseres Bild. Unter dem wachsenden Druck des kapitalistischen Niedergangs haben die kapitalistischen Gegensätze die Grenze erreicht, jenseits derer die einzelnen Zusammenstöße und blutigen lokalen Unruhen (Äthiopien, Spanien, Ferner Osten, Mitteleuropa) unausweichlich in einen Weltbrand umschlagen müssen. Die Bourgeoisie ist sich selbstverständlich der tödlichen Gefahr bewusst, die ein neuer Krieg für ihre Herrschaft bedeutet. Aber diese Klasse ist heute noch unendlich weniger imstande, den Krieg abzuwenden, als am Vorabend von 1914.“

    Trotzki ließ seiner Beschreibung der Krise des Weltkapitalismus eine Warnung folgen: “Ohne eine sozialistische Revolution, und zwar in der nächsten geschichtlichen Periode, droht der gesamten menschlichen Kultur eine Katastrophe.“  aus http://www.wsws.org/de/articles/2014/04/15/pers-a15.html zitiert.

     
    • GeorgT 2:20 am am April 19, 2014 Permalink | Antworten

      Wie es um die Lernfaehigkeit der Menschen ueber Zeitraume, die mehrere Generationen betreffen, bestellt ist, zeigt auch dieses Zitat aus dem Ahlener Programm der CDU von 1947:

      „Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen.

      Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert.“

      – CDU: Ahlener Programm 1947

      http://de.wikipedia.org/wiki/Ahlener_Programm

  • thewisemansfear 9:28 pm am April 11, 2014 Permalink
    Tags: Bilanz, doppelte Buchführung, Eisenstein, , , Graeber, ,   

    Wie war das noch mit dem Geld (2) 

    Den Gedankengang rund ums Geld möchte ich noch ein wenig ausweiten.

    Nehmen wir an, Adam geht spazieren und pflückt unterwegs ein paar Blumen. Seine Bilanz verlängert sich um den Aktivposten „Blumenstrauß“ und eine gleich hohe Rückstellung auf der Passivseite.  (Bilanzen haben es an sich, immer ausgeglichen zu sein.) Die doppelte Buchführung soll hier nicht verwirren, sondern ist hilfreich zu verstehen, wie sich die Besitzgegenstände des Einzelnen (Aktivseite) und die dafür nötigen Aufwendungen (Passivseite) gegenüberstehen. Man kann mit dem Hintergrund der ausgeglichenen Bilanz recht gut das Prinzip der Reziprozität erklären. Wird hoffentlich gleich verständlich:

    Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft…

    Adam schenkt Eva besagten Blumenstrauß beim nächsten Wiedersehen, worüber sie sehr angetan ist. Der Aktivposten von Adam ist nun zu Eva gewandert, bestehen bleibt seine Rückstellung (kreativer und körperlicher Aufwand beim Pflücken) und vielleicht ein schlechtes Gewissen wegen Evas leerer Passivseite, die sich nun darum Gedanken macht, den Gefallen zu erwidern. Beide Bilanzen ist nun nämlich schief. Für einen Ausgleich wird sie sich für Adam etwas gleichwertiges Ausdenken, dann wären sie quitt. So lange steht sie quasi in Adams „Schuld“, denn er hält ja nach wie vor die Forderung (seine Aufwendungen) und Eva das Aktivum. Den Mechanismus des Ausgleichs nennt man Reziprozität. In etwa wie „Wie Du mir, so ich Dir“.

    Anthropologe David Graeber und ebenso Charles Eisenstein erklären so das Zustandekommen bzw. das Funktionieren zwischenmenschlicher Beziehungen. I.d.R. wird das gegenseitige ’sich beschenken‘ nie auf ein „quitt“ hinauslaufen, denn damit wäre alle „Schuld“ aufgewogen und es bestünde keine Notwendigkeit einer weiteren Beziehungspflege. Die Kunst besteht also darin, immer etwas mehr zu geben als man selbst erhalten hat oder eben nicht alles auf einmal aufzuwiegen…

    Schauen wir mal, wie wir eine Verbindung zum Geld herstellen können…

    Jetzt ist ein Blumenstrauß kein allzu werthaltiges Asset. Nach ein paar Tagen ist er verblüht und landet auf dem Kompost. Hat Eva sich bis dahin revanchiert? Wenn nicht, hat Adam mit zunehmender Zeit immer schlechtere Karten, eine Gegenleistung (ja, das ist in dem Zusammenhang überspitzt) zu erhalten. Seine Rückstellung auf der Passivseite kann er dann getrost wieder streichen – für die Katz! Ob er auch nach längerer Zeit noch bedacht wird, hängt allein davon ab, wie verbunden sich Eva im gegenüber fühlt, bzw. welchen Wert sie dem (nun nicht mehr vorhandenen) Blumenstrauß beimisst. Adam kann also nichts weiter als Vertrauen in Eva setzen.

    Jeder kann das Beispiel gern nochmal mit einem selbstgemachten/gefundenen Schmuckstück durchspielen. Das verschwindet in jedem Fall nicht so schnell und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Adams Mühen nicht umsonst gewesen sind. Auch hier gilt: ist das schmucke Ding erst einmal runtergefallen oder sonstwie angeknabbert, sinkt der Wert und damit gleichzeitig der zu erwartende Gegenwert – zumindest bezogen auf die Hardware, der ideelle Part ist davon unabhängig. Der Faktor Zeit spielt eine gewichtige Rolle, denn alles auf der Welt ist vergänglich.

    Wenn aber alles vergänglich ist…

    …warum tun wir dann in unserem Geld- bzw. Bankensystem so, als ob eine (Geld-)Forderung nie an Wert verliert? Denn genau das ist der Fall, wenn eine Bank sozusagen „dazwischen hängt“.

    Auch dann wenn der Apfel laengst gegessen oder verfault ist, bestehen die Forderungen fort. Sie erhoehen sich sogar per Zins. Sogar fuer die bank faellt Gewinn aus Zinsdifferenzgeschaeften ab. Bis Adam sich entscheidet den Ruecken krumm zu machen zwei drei Kartoffeln auszugraben, diese zu verkaufen und mit dem Erloes die Schulden zu begleichen und somit die Forderungen aus der Welt zu schaffen. Genial! Oder?

    aus dem Kommentar von Georg Trappe zum vorangegangenen Beitrag zitiert

    Über das Gejammer der Inflation als schleichende Enteignung kann man sich mit diesen Hintergründen nur verwundert die Augen reiben.

     

     
    • bertrandolf 1:26 pm am Mai 10, 2014 Permalink | Antworten

      Die Frage ist doch, wie Adam die Forderungen (Blumenstrauss) bewertet und was er als Gegenleistung verlangt. Auch das Ausfallsrisiko kann er einkalkulieren, in die Bewertung aufnehmen und bilanzieren.

      Auch die Reziprozität bietet keine 100% Sicherheit. Auch wenn Adam und Eva total ineinander verliebt wären, so könnte Eva nach Erhalt des Blumenstrausses vor ein Auto laufen und tödlich verunglücken. Dann müsste Adam einen Totalausfall und müsste seine Forderung komplett abschreiben.

      • thewisemansfear 2:45 pm am Mai 10, 2014 Permalink | Antworten

        Reziprozität habe ich nur als Beispiel (zwischen-)menschlicher Beziehungen genannt. Gerade bei Geschenken ist das ja offensichtlich, denn die sind in der Regel freiwillig. Der Beschenkte fühlt sich aber meist „verpflichtet“, das „Forderungsverhältnis“ (technisch ausgedrückt) wieder halbwegs gerade zu rücken. Graeber hat das gut beschrieben.

        Sicherheit gibt es eben nie, jede Form von aufgenommenem Kredit ist im Grunde genommen ein abgegebenes Versprechen. Das Einschieben von Geld in diesen Prozess verändert aber etwas grundsätzlich:
        Nehmen wir an, Adam verkauft den frisch gepflückten Strauß an irgendjemanden und erhält dafür 3 Taler (Summe im Prinzip egal). Im Schuldgeld- oder Kreditgeldsystem steht jeder Summe Geld auch eine entsprechende Schuld gegenüber, d.h. die Bank hat diese 3 Taler Forderungen gegen irgendwem in den Büchern stehen. Bis dieser sie zurückzahlt.
        Der Blumenstrauß verwelkt, der Apfel verrottet, vom Auto blättert der Lack ab, egal was man nimmt, vom ursprünglichen Wert ist mit der Zeit immer weniger übrig (ohne zutun). Die Forderungen der Bank gegenüber dem Kreditnehmer (egal wer das nun war, ob der Käufer oder jemand anderes) bleiben jedoch in gleicher Höhe bestehen und müssen i.d.R. noch verzinst werden.

        Worauf ich hinaus will: auf zwischenmenschlicher Ebene (ohne Geld), strebt das Forderungsverhältnis (Sachleistungen/Forderungen) mit der Zeit immer einem ja, natürlichen Ausgleich entgegen. Einfach durch die Vergänglichkeit allen seins, um’s mal philosophisch auszudrücken. Wenn der Blumenstrauß verwelkt ist, wird sich Eva irgendwann vielleicht nicht mal mehr daran erinnern, dass sie damit bedacht wurde…
        Mit „Geld“ dazwischen ist immer noch alles vergänglich, nur die Forderungen bleiben davon unberührt. D.h. im Endeffekt müssen die Geld-Schuldner immer den Wert zum Kaufzeitpunkt abtragen. Die gekauften Dinge werden jedoch immer weniger wert, was sich natürlich auch in einer niedrigeren Bilanzierung niederschlägt. Das Geld – Schuldenpaar bleibt aber so lange bestehen, bis der Kreditnehmer den Kredit tilgt. Geldschulden werden also nur geringer, wenn sie durch die Arbeitskraft des Schuldners getilgt werden.

        Taugt das als Herleitung, warum immer mehr Geld/Schulden in der Welt immer weniger Sachleistungen entgegen stehen?
        Um den Wert von Dingen/Sachen zu erhalten, muss zudem zusätzlicher Aufwand/Energie aufgewendet werden. Also nochmal Arbeitsleistung + Ressourcen oben drauf…

        • bertrandolf 10:41 am am Mai 11, 2014 Permalink

          Das Problem sind die subjektiven Werte, die bei Reziprozität geschuldet werden. Zudem wird Reziprozität auch beim Marketing gezielt eingesetzt, um mit einem kleinen Geschenk im Vorhinnein, große Gewinne einzufahren.

          Bei der Inflation wird doch immer zwischen absoluten und relativen Wert unterschieden. Absolut bleibt der Geldbetrag gleich oder wächst durch Zinsen. Relativ kann die Kaufkraft sinken.

          Im Grunde ist die Inflation wie beim Schwundgeld, nur das es nicht absolut, sondern relativ entwertet wird. Nur beim Schwundgeld gibt es das Problem, das Menschen Verlustaversiv sind und wegnehmen schon bei den Steuern ein großes Drama sind.

        • thewisemansfear 11:39 am am Mai 11, 2014 Permalink

          Inwiefern ein „Problem“? Inflation wäre dahingehend (wenn ich es mit oben genannten verknüpfe) ein Versuch, den natürlichen Entwertungsprozess auch monetär nachzuvollziehen.
          Wer sind denn diejenigen, die Geldwertstabilität als oberstes Ziel propagieren? Doch die Gläubiger. Dem „kleinen Mann“, der sich abstrampelt, wird eingeredet, dass Inflation etwas Furchbares wäre. Dann will der auch noch einen Inflationsausgleich über die Löhne, igittigitt. Wenn das konsequent angewendet würde, würden die aufgenommenen Kreditsummen mit der Zeit ebenfalls an Gewicht verlieren – genau wie die realen Werte es auch tun.

          Ob ein Inflationsausgleich nun über Zinseinkommen, Lohneinkommen oder etwas anderes zustande kommt, ist eigentlich nebensächlich. „Wirtschaft“ an sich ist ein einziger riesiger Umverteilungsmechanismus. Es geht nur darum, wer etwas hinzugewinnt und wer etwas abgibt/verliert. Dazu passt der aktuelle Beitrag von deedl: http://deedls.blog.de/2014/05/09/unsichtbare-ameisenpfote-18415287/

          Volle Zustimmung zur Thematik absolut/relativ und verlustaversiv. Abgeben tut eben keiner gern. Es bleibt aber ein unwiderlegbarer Fakt, dass jedem (Macht-)Gewinn auch ein (Macht-)Verlust gegenüber steht. Sätze wie „the rising tide lifts all boats“ sind vor allem Verschleierung dieser Tatsachen. Siehe Georg Trappe’s „Fettaugensyndrom“ https://www.google.de/search?q=fettaugensyndrom&rlz=1C1NNVC_enDE490DE490&oq=fettaugensyndrom oder hier http://rwer.wordpress.com/2014/04/30/profit-from-crisis-why-capitalists-do-not-want-recovery-and-what-that-means-for-america/

  • thewisemansfear 8:41 am am April 4, 2014 Permalink
    Tags: Freiheit, ,   

    Land of the Free 

    Heute nur zwei Links zum Thema Einkommensungleichheit und Meinungs- bzw. Reisefreiheit:
    http://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/34522/die-globale-ungleichheit-in-10-charts/
    Die letzten Grafiken beziehen sich auf die USA.

    und

    http://www.presseportal.de/pm/64126/2704262/usa-verweigern-ttip-und-nsa-aktivistin-die-einreise-foto
    Tja, so sieht „Freiheit“ heutzutage aus. Die Freiheit, darüber bestimmen zu können, wer rein darf, und wer nicht…

     
  • thewisemansfear 11:07 am am April 1, 2014 Permalink
    Tags: , , Geldtheorie,   

    Wie war das noch mit dem Geld? 

    Jeder hier ist wahrscheinlich schon mal über das folgende Beispiel gestolpert. Eine amüsante Anekdote, wie ein Geldkreislauf funktioniert:

    Ein Reisender kommt in ein fremdes Dorf und kehrt in einem Hotel ein. Er sagt dem Hotelier, dass er sich gerne die Zimmer anschauen möchte, um vielleicht eines für eine Übernachtung zu mieten und legt als Kaution einen 100 Euro Schein auf den Tresen.
    Der Eigentümer gibt ihm einige Schlüssel und dann geht’s los:
    1. Als der Besucher die Treppe hinauf ist, nimmt der Hotelier den Geldschein, rennt zu seinem Nachbarn, dem Metzger und bezahlt seine Schulden.
    2. Der Metzger nimmt die 100 Euro, läuft die Straße runter und bezahlt den Bauern.
    3. Der Bauer nimmt die 100 Euro und bezahlt seine Rechnung beim Genossenschaftslager..
    4. Der Mann dort nimmt den 100 Euro Schein, rennt zur Kneipe und bezahlt seine Getränkerechnung.
    5. Der Wirt schiebt den Schein zu einer an der Theke sitzenden Prostituierten, die auch harte Zeiten hinter sich hat und dem Wirt einige Gefälligkeiten auf Kredit gegeben hatte.
    6. Die Dirne rennt zum Hotel und bezahlt ihre ausstehende Zimmerrechnung mit den 100 Euro.
    7. Der Hotelier legt den Schein wieder zurück auf den Tresen. In diesem Moment kommt der Reisende die Treppe herunter, nimmt seinen Geldschein und meint, dass ihm keines der Zimmer gefällt und er verlässt die Stadt.
    Niemand produzierte etwas. Niemand verdiente etwas. Alle Beteiligten sind ihre Schulden los.

    Was kann man in diese Geschichte nun alles hinein interpretieren, der Reihe nach:

    • (Bar-)Geld ist notwendig, damit die untereinander verschuldeten Menschen sich ihrer Forderungen entledigen können. Dabei kann es quasi verzögerungsfrei von einem zum anderen weitergereicht werden. Dies ist die monetaristische Sichtweise, ohne Moos nix los! 😉

    Ist Bargeld aber wirklich notwendig, um diese Kette an Forderungen aufzulösen?

    • Angenommen es kommt kein Gast vorbei, was hindert den Hotelier zu seiner Bank zu gehen und sein Konto um 100 Euro zu überziehen? Wir wollen annehmen, dass die Bank ihn soweit kreditwürdig einstuft. Die Bank schreibt ihm den Betrag gut, und zwar indem sie ihre Bilanz verlängert (sog. „Geldschöpfung aus dem Nichts“). Er überweist den Betrag an den Metzger, usw. usf., bis dieser von der Dirne zurück an ihn überwiesen wird. Damit kann der Kredit wieder getilgt werden, das Geld verschwindet wieder im Nichts (Bilanzverkürzung der Bank auf den Ursprungszustand). Dies ist die Sichtweise des „endogenen Geldes“, vom Nachfrager durch die Bank erzeugt. Es ist bei den getätigten Überweisungen vollkommen egal, ob alle Kunden bei derselben Bank sind oder nicht, denn die Zahlungsströme gleichen sich alle wieder aus.

    Monetaristen, bzw. orthodoxe Geldtheoretiker haben ihre Probleme mit den sprachlichen Verwirrungen des Begriffs „Geld“. Das, was die Bank hier erzeugt, wäre „nur“ ein Guthaben, aber kein „echtes“ Geld. Wie, Sie sehen da keinen Unterschied? Seien Sie unbesorgt, denn dann geht es Ihnen wie >95% der Menschen. Natürlich gibt es einen rechtlichen Unterschied zwischen den beiden „Geldarten“, aber der ist ähnlich wie bei Gold-Geld und Papiergeld. Geld ist, was als Geld akzeptiert wird. Und im Fall der Fälle kann man ja gerne klagen 🙂

    Ist das aber der Weisheit letzter Schluss? Nein, natürlich nicht.

    • Ist diese vorliegende Verkettung von Forderungen erst einmal als solche von allen Beteiligten erkannt, können sich alle an einem runden Tisch zusammensetzen und diese gegenseitig streichen. Schritt für Schritt würde das so aussehen, dass z.B. der Hotelier den Metzger mit seiner Forderung gegen die Dirne „bezahlt“. Dieser muss die Übertragung natürlich akzeptieren, was i.d.R. Vertrauen voraussetzt. Hier im Beispiel wissen alle Beteiligten, dass am Ende alle profitieren werden und stimmen deshalb zu.

    Wir halten fest:

    • Geld ist Mittel zum Zweck, Forderungen zu begleichen
    • was als „Geld“ letztlich zum Einsatz kommt, ist herzlich egal, so lange es der Gegenüber akzeptiert
    • „Geld ist eine zur Umlauffähigkeit veredelte SchuldForderung“ (G. Trappe R. Menéndez unbekannt) nach Kommentar erneut editiert

     

     
    • GeorgT 2:05 am am April 6, 2014 Permalink | Antworten

      Hallo TWMFEAR,
      das Zitat “Geld ist eine zur Umlauffähigkeit veredelte Schuldforderung” ist zum einen nicht ganz richtig, es muss heissen „“Geld ist eine zur Umlauffähigkeit veredelte Forderung” und es stammt nicht von mir, sondern ich habe es, wenn ich mich richtig erinnere, mal im Blog von Dottore Menendez aufgeschnappt.
      Ich verwende es regelmaessig, weil ich es fuer sehr zutreffend halte. Um aber zu verstehen, was mit diesem treffenden knappen Satz gemeint ist, muss man wohl, wie so oft, bei Adam und Eva anfangen.

      Nehmen wir zunaechst einmal eine geschlossene Volkswirtschaft an und Eva pflueckt einen Apfel vom Baum und moechte den an Adam verkaufen. Dieser zeigt Interesse und nimmt das Angebot an. Eva liefert und schreibt eine Rechnung, d.h. sie kreiert eine Forderung gegen Adam und traegt diese auf der Seite der Aktiva in ihre Bilanz. Auf der Seite der Passiva traegt sie als vorsichtige Frau eine Rueckstellung fuer ausstehende Zahlungen in gleicher Hoehe ein. D.h. das Pfluecken und Verkaufen des Apfels (Wertschoepfung) hat Evas Bilanz verlaengert. Man koennte schon hier von einer Art „Geldschoepfung“ sprechen. Wenn Adam nun nicht etwas gleichwertiges tut, in dem er zwei Kartoffeln ausgraebt, diese erfolgreich zum Kauf anbietet und ebenfalls eine gleich hohe Rechnung schreibt, dann bleibt ihm nur der Weg zur Bank, die fuer ihn Geld schoepft, also ihre Bilanz verlaengert in dem sie ihm das Geld zur Verfuegung stellt und eine entgegengerichtete Forderung als Aktivum in ihre Buecher eintraegt. Zahlt nun Adam Evas Rechnung nun mit diesem von der Bank geschoepften Geld=zur Umlauffaeigkeit veredelten Forderung, bucht Eva den entsprechenden Betrag auf seiten ihrer Aktiva auf dem Konto Kassenbestand ein und auf dem Konto accounts receivable aus. Auf Seiten ihrer Passiva wird sie die Ruestellung aufloesen und den Betrag endgueltig ihrem Eigenkapital zuschreiben. D.h. sie haelt jetzt eine Forderung gegen die Bank. Wenn nichts weiter geschieht oder dieser Vorgang wiederholt einseitig ablaeuft wachsen sowohl die Bankbilanz als auch Evas Bilanz in genau dem Mass wie Adams Schulden bei der Bank.

      Im Moment der Geldschoepfung durch die Bank bzw. der Zahlung an Eva mit diesem Geld geschieht etwas wunderbares. Und das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
      Die spezifische auf Adam gerichtete Forderung in Form einer Rechnung wird bei Eva geloescht und landet bei der Bank in Form eines Schuldkontos auf den Namen Adam. Gleichzeitig wird Eva unvorsichtig. Zuvor hatte sie es noch nicht gewagt, den Erloes des Verkaufs ihrem Eigenkapital zuzuschreiben. Doch in dem Moment der Veredlung zur Umlauffaehigkeit tut sie dies. Sie tut so als sei es jetzt garantiert, dass Adam den Ruecken krumm macht und ihr in naher Zukunft zwei Kartoffeln im Austausch fuer den Apfel ausgraebt.
      Gleichzeitig erweckt dieser Moment den Wert des Apfels zu potentiell ewigem Leben. Auch dann wenn der Apfel laengst gegessen oder verfault ist, bestehen die Forderungen fort. Sie erhoehen sich sogar per Zins. Sogar fuer die bank faellt Gewinn aus Zinsdifferenzgeschaeften ab. Bis Adam sich entscheidet den Ruecken krumm zu machen zwei drei Kartoffeln auszugraben, diese zu verkaufen und mit dem Erloes die Schulden zu begleichen und somit die Forderungen aus der Welt zu schaffen. Genial! Oder?

      • GeorgT 9:31 am am April 6, 2014 Permalink | Antworten

        … Dieser „Veredlungsprozess“ Geld gegen Rechnung aka schuldbefreiende Zahlung, der im wesentlichen dazu fuehrt, dass Eva fundamentale Lebenserfahrungen ueber Bord wirft, ist der springende Punkt. Bis dahin trifft Eva Vorsorge. Sie weiss genau, dass es nichtzahlende Kaeufer auf dieser Welt gibt, die ihre Rechnung=Forderung nicht begleichen. Aber in dem Moment wo die spezifische Forderung in Form einer Rechnung gegen eine Forderung getauscht wird, die mit viel Buhei Geld getauft wurde, vergisst sie, dass in den Armanianzuegen, die die geldschoepfenden Banker tragen, auch nur Maenner stecken, die, wie Adam auch, ab und zu gerne Aepfelchen knabbern ohne anschliessend den Ruecken krumm zu machen, um fuer sie Kartoffeln auszugraben.

        Ganz interessant sind auch die Ueberlegungen zu den moeglichen Koalitionen in dieser Dreiecksanordnung und den daraus entstehenden Moeglichkeiten / Auswirkungen.

        • thewisemansfear 8:30 pm am April 6, 2014 Permalink

          Genau, das was vorher unter dem Aspekt der Reziprozität von Geben und Nehmen bei jedem Handel berücksichtigt wurde, fällt durch die Bank dazwischen quasi weg. Es findet eine Entkopplung der zwischenmenschlichen Schuldverhältnisse statt. Vorher musste Adam Eva glaubhaft versichern, in absehbarer Zukunft Kartoffeln als reale Gegenleistung für den Apfel auszubuddeln, damit der initiale Handel überhaupt durchgeführt werden konnte. So obliegt es der Bank, ob sie Adams Kreditwunsch nachkommt und dem Vertrauen von Eva in die von der Bank ausgestellten Forderung=Geld. Das Forderungs-Ausfallrisiko trägt nun nicht mehr Eva (oder allgemein „der/die Handelstreibende“), sondern es wird zur Bank hin verschoben, quasi anonymisiert. Da es zudem in der Natur der Bank liegt, ihren Profit zu mehren, wird sie immer bestrebt sein, Kunden neue Kredite anzudrehen und bei der Kreditwürdigkeit vielleicht mit der Zeit ein paar kleine Abstriche zu machen. Im Zuge grenzenloser Kreativität wird sie Finanzinnovationen entwickeln, z.B. um Risiken zu streuen. Die sind dann zwar nicht aus dem Markt, sondern nur anders verteilt, aber für eine Weile wähnt(e) man sich so auf der sicheren Seite… Wenn das Kind dann doch in den Brunnen gefallen ist, wird kurzerhand auf die Systemrelevanz-Tränendrüse gedrückt und der verquere Mechanismus weiter am Leben erhalten.

          Die Leute vergessen leider, dass sämtlicher Fortschritt, sämtliche Wertschöpfung auf diesem Planeten durch Menschenhand geschaffen wurde bzw. wird. Sei es durch Kraft x Weg oder Kopfarbeit. Sog. „leistungslose“ Einkommen sind nur für den Nutznießer von Vorteil, irgendwo auf dieser Welt wird dadurch anderer Leute Arbeitskraft ausgenutzt.

        • GeorgT 2:21 am am April 7, 2014 Permalink

          So ist das! Geld arbeitet nicht. Nur Menschen arbeiten. Die laenge des technologischen Hebels, der dabei inzwischen eingesetzt wird, macht es manchmal schwer, dies zu erkennen.

          Wenn das aber klar ist, dann ist auch klar worauf sich Forderungen = Geld und somit auch monetaere Ersparnisse letztendlich immer beziehen. Auf zukuenftige zu leistende Arbeit. Diejenigen, die den Wert des Geldes durch seine „Besicherung“ erklaeren wollen, uebersehen den Symmetriebruch, der durch den dissipativen Charakter realer Gueter entsteht. Aepfel verfaulen oder werden gegessen, Oel verbrennt, Haeuser verfallen, urbar gemachtes Land verwuestet usw. usf.. Eine Rueckabwicklung wird dadurch verunmoeglicht bzw. fuehrt ins Absurde. Wenn dann noch klar wird, dass sich sowohl die Forderungen = Geld UND die werthaltigen Gueter, also die nur mit grosser Zeitkonstante gegen Null strebenden Werte, sich zunehmend in den selben Haenden versammeln, dann hat man es im wesentlichen verstanden.

      • soffisticated 7:23 pm am Mai 5, 2014 Permalink | Antworten

        Hallo Herr Trappe,

        nichts für ungut, aber die Zuschreibung dieser Formulierung an meine Adresse möchte ich entschieden zurückweisen, weil in dieser Begriffskombination die Differenz von Forderungsinhalten und Erfüllungsgegenständen völlig durcheinander geht.

        Ich vermute eher, daß Sie diese Formulierung in dem Dunstkreis um Buschbeck aufgegriffen haben, denn von dem kenne ich derartige Formulierungen. Im Allgemeinen haben die Leute, die den Debitismus für eine ökonomietheoretische Offenbarung halten, solche Pseudo-Erklärungen parat und hoffen stets darauf, daß niemand die nicht leicht erkennbaren Fehler bemerkt.

        Der Unfug, (Zentralbank-) Geld als Forderung zu interpretieren stammt jedenfalls nicht von mir. Als Beleg kann ich ja auch unsere Diskussion anführen:

        http://georgtsapereaude.blogspot.de/2012/05/antworten-zu-fragen-der-geldtheorie-2.html

        Grüße

        • thewisemansfear 7:55 pm am Mai 5, 2014 Permalink

          Entschuldigung von meiner Seite. Er hat lediglich geschrieben, es in Ihrem Blog aufgeschnappt zu haben. Daraus habe ich fälschlicherweise gefolgert, dass die Äußerung von Ihnen war. Ist nun korrigiert.
          Danke für den Hinweis.

    • Stephan Goldammer 1:50 pm am Mai 6, 2014 Permalink | Antworten

      Dieses Beispiel gab es auch (wenn ich mich recht erinnere) von Sloterdijk im Philosophischen Quartett, müsste bei YouTube zu finden sein.

      Meine erste Frage (an mich selbst) war damals: Wo kommen die 100 Euro des Reisenden her? Sie können nur durch Kredit entstanden sein. Daher muss (vermutlich der Reisende selbst) jemand vorher bei einer Geschäftsbank einen Kredit aufgenommen haben und seine Forderung auf Geld (Girokonto) umgewandelt haben in Geld (Zentralbankgeld, meist Banknoten). Mit diesem Geld taucht jetzt der Reisende in dem Dorf auf.

      Zweite Frage: Worauf lauten die gegenseitigen (Kredit-) Verträge vom Metzger, Bauer usw.? Offenbar auf EURO. Würde in den Kreditverträgen der Dorfbewohner Dollar stehen, oder Perlen, oder Muscheln, könnten die 100 Euro des Reisenden nicht zur dorfinternen Schuldentilgung genutzt werden.

      Dritte Frage: Kann ein Geldschein (=Geld) mehrere Schulden tilgen? Offenbar ja. (Vielleicht ist das ja auch für jeden offensichtlich und trivial, aber für mich war das eine gedanklich neue Erkenntnis, dass ein 100 Euroschein (=Geld) praktisch beliebig vielen Kreditverträgen zur Tilgung dienen kann – diesen Punkt müsst ich aber selbst nochmal zu Ende denken, bin mir da technisch im Detail nicht so sicher, der Grundgedanke müsste aber stimmen)

      Die Dorfbewohner scheinen auch ein wenig verrückt zu sein, dass sie sich untereinander Forderungs-Verbindlichkeiten-Paare vereinbaren, aber den Forderungsgegenstand nur von einem externen Reisenden bekommen können. Was wäre wenn der nicht gekommen wäre? Da hängen die ganzen Schuldverträge ewig in der Luft und können nicht getilgt werden, da der Forderungsgegenstand nicht auftreibbar ist.

      Trotz Tilgung aller dorfinternen Schulden bleibt immer noch ein Kreditvertrag offen, nämlich der Dorfexterne, erst wenn dieser getilgt wird verschwinden die 100 Euro Geld.

      • thewisemansfear 3:53 pm am Mai 6, 2014 Permalink | Antworten

        Warum so kompliziert? Als ob „Geld“ der einzige Erfüllungsgegenstand einer Schuld wäre. Weil „der Staat“ das vorgibt? Gehandelt werden Waren und Dienstleistungen (ja, eigentlich eine Binse). Das Beispiel verdeutlicht doch, dass eben kein Erfüllungsgegenstand Bargeld notwendig ist. Die Akzeptanz der gegenseitigen Forderungen (Stichwort Vertrauen) ist die einzig relevante Größe. Die Waren/Dienstleistungen sind längst über den Tisch gegangen, was bleibt ist die Kette an Forderungen. Der Schein/Goldklumpen/Muschel/wasauchimmer ist letztlich ein Token, dass die Leute herumreichen.

        Habe mir gerade Ihre Punkte der „Irrtümer ums Geld“ angeschaut, bei Punkt 2 und 3 haben wir inhaltliche Differenzen. Punkt 3 habe ich bei Herrn Menendez im Blog bereits angesprochen (http://soffisticated.wordpress.com/2014/05/05/die-fallen-zwischen-stromen-und-bestanden/), Sie können da gerne auch zu Stellung nehmen.
        Bei der Akzeptanz geht es letztlich um die Sichtweise, was Geld eigentlich darstellt – Ding oder kein Ding (Ihr Punkt 2). Ich sehe Geld als „Mittel zum Zweck“ an, ein Behelfskonstrukt, um Handel/Austausch auf größerer Ebene zu ermöglichen. Ein Zwischentauschmittel (erst recht ein werthaltiges) ist ein zusätzlicher Prozessschritt, der dann quasi weg optimiert wurde.

        Viele Grüße

        • Stephan Goldammer 4:08 pm am Mai 6, 2014 Permalink

          Es kann zwar jedes dingliche Objekt zu Geld werden, aber wenn in ihrem Kreditvertrag steht, dass sie EUROS zu liefern haben, dann nützt es ihnen nichts wenn sie die Taschen voller DOLLARS haben.

          Wir müssten in die Verträge der Dorfbewohner schauen (oder uns die mündlichen Verträge anhören).Dann wüssten wir, was der Forderungsgegenstand war. Offenbar waren es Euros, sonst hätte die Tilgung ja nicht funktioniert.

          Wenn Bäcker und Metzger ausmachen in EUROS zu tilgen, dann nützt es dem Bäcker nichts, wenn er 1 Million Brötchen auf Metzgers Tisch legt, denn der Vertrag lautet auf EURO und der Bäcker hat gefälligst EURO zu besorgen, sonst kann der Vertrag nicht beendet/auflöst werden.

          Auch wir können nicht bei der Bank in Fahrädern, Häusern oder Autos tilgen, die Bank will klipp und klar genau das was im Kreditvertrag steht und das ist Geld (Zentralbankgeld, also Euros). Würden Muscheln im Kreditvertrag stehen, dann könnten wir in Muscheln tilgen, das wäre grundsätzlich kein Problem.

          Das Missverständnis liegt eher bei Punkt 8 (Mit den zwei Indianern) => https://plus.google.com/106110585362718948544/posts/dj1Zf3W5GGJ

        • thewisemansfear 4:52 pm am Mai 6, 2014 Permalink

          Punkt 8 scheint nicht ganz schlüssig zu sein. Derjenige, der das Pferd erhält, gibt ein Versprechen ab, ein Jahr später eine Kuh als Gegenleistung zu liefern. Dass die bis dahin noch Milch liefert (Mehrwert erzeugt), schön und gut, aber die „Werthaltigkeit“ des Versprechens liegt an der Durchsetzungsfähigkeit des Systems (Häuptlings in dem Fall), falls sich der Bauer mit der Kuh am Ende weigern sollte, diese auch rauszurücken. Die könnten ja auch nen Haufen Steine oder nen Klumpen Gold als Erfüllungsgegenstand vereinbaren, der „produziert“ nix, hat aber trotzdem „einen Wert“.

          Es handelt sich immer um abgegebene Versprechen, Unterschied macht am Ende nur die (Vertrags-)Form. Wichtig zur Erfüllung sind Vertrauen, ansonsten die Durchsetzungsfähigkeit der Forderung. Fehlt es an mindestens einem von beiden, wird nur ein werthaltiges (jetzt im wahrsten Sinne des Wortes) Zwischentauschmittel vom Gläubiger akzeptiert. Sonst wäre der schön blöd. 😉

          edit: aus Ihrem Punkt No. 2: „Kredit kann man nicht anfassen. Kredite sind Verträge zwischen Menschen. Sie können zwar das Kreditpapier anfassen, aber nicht den „Kreditwillen“. Kredite enthalten einen Willensakt, nämlich ein Ding (Geld) zu übergeben und später wieder zurückzugeben.“
          Ersetzen Sie Ding (Geld) mit Ding (Ware/Dienstleistung) und fertig.

        • Stephan Goldammer 6:35 pm am Mai 6, 2014 Permalink

          Bei einem Kredit-Vertrag besteht die Tilgungspflicht in Dingen (Euros) und wird nie durch Ware/Dienstleistung (Nicht-Euros) ersetzt. In jedem Kredit-Vertrag steht: „Erst gebe ich dir Geld, dann gibt’s du mir Geld zurück“. In Kreditvertragen steht nie: „Ich gebe dir Geld, du gibt’s mir Ware/Dienstleistung zurück.“ (Zeigen sie mir so einen Kreditvertrag zw. Bank und Bank-Kunde und ich ändere sofort meine Meinung) Richtig ist: In allen Kreditverträgen steht: EURO hin, EURO zurück.

          Was sie meinen sind Kaufverträge, z.B. an der Supermarktkasse. Hier heißt es: „Gib du mir Ware, ich geb dir Geld“.

          Ich sehe den Prozess so: Es gibt beliebige dingliche Objekte, aber nur ganz wenige erhalten (nach Vereinbarung eines Kredites) den juristischen Status „Geld zu sein“. Sobald zwischen Geschäftsbank und Zentralbank ein Kredit vereinbart wird (=Doppelseitiger Willensakt), kann die Zentralbank den dinglichen, gedruckten Papierschein (juristisch) zu Geld machen. Bei Tilgung wird der Kredit beendet und die Papierscheine fallen aus ihrem juristischen Status „Geld zu sein“ heraus.

          Geld ist Schuldentilgungsmittel für diejenigen Kreditverträge, in denen genau dieses Geld als Forderungsgegenstand drinsteht. Würden aus irgendeinem Grund über Nacht unsere Kreditverträge umgestellt auf „Taler“, dann würden „Euros“ funktionslos (nicht wertlos, wertlos waren sie immer). Alle würden dann nach Talern gieren, denn nur so könnten sie die Kreditverträge tilgen. Das heißt natürlich auch, dass die Zentralbank auf Taler umstellen muss, denn sonst könnte niemand tilgen! Geschäftsbanken können kein Geld erzeugen. Geld kommt immer nur von der Zentralbank, auf Anfrage einer Geschäftsbank.

        • soffisticated 10:12 pm am Mai 6, 2014 Permalink

          „Ich sehe Geld als “Mittel zum Zweck” an…“

          Sie sind sich doch hoffentlich darüber im Klaren, daß Sie damit versuchen mit einer Ausrede um eine definitive Antwort herumzukommen. Auch ihre folgenden Erläuterungen helfen nicht dabei Ihre Position erkennen zu können. Auch die philosophische Frage, ob Geld der einzige Erfüllungsgegenstand wäre hilft nicht weiter.

          Es nützt nichts: wenn es eine Forderung auf was auch immer gibt, dann gibt es auch einen Erfüllungsgegenstand. Im „Kaufmann von Venedig“ war der Erfüllungsgegenstand bei Eintreten eines bestimmten Ereignisses ein Pfund Fleisch des Schuldners. So drastisch das auch sein mag dient das doch als Hinweis, daß es auch bei Geldforderungen einen Erfüllungsgegenstand geben muß, sonst verliert der Begriff „Forderungen“ und übrigens auch „Verbindlichkeiten“ seinen Bedeutungsinhalt.

          Sie können sich gerne damit schwer tun, geht anderen auch so. Die Grundregeln des Geschäftslebens kann man aber mit einer solchen Theorie nicht aushebeln.

        • thewisemansfear 8:35 am am Mai 7, 2014 Permalink

          Den „Vorwurf“, wenn Sie so wollen, den ich Ihnen beiden mache, ist der, dass Sie im „Geld-Denken“ schon viel zu sehr verhaftet sind.
          Ja, es geht um den Grundansatz: Niemand geht für Geld arbeiten, sondern um sich seinen Lebensunterhalt zu sichern und vielleicht auch ganz annehmlich zu gestalten. Das ist die Aussage des Geld als Mittel zum Zweck. Als „Ausrede“ sehe ich das nicht gerade…
          Effektiv „gehandelt“ bzw. ausgetauscht werden immer! Waren/Dienstleistungen. Das Geldsystem ist in diesen Prozess dazwischen eingeschoben. Diesen Perspektivwechsel sollte man hinbekommen, wenn man sich temporär vom Geld(system) löst.
          Das ganze Vertragswesen ist doch lediglich eine zunehmend komplexere Ausgestaltung dieser Grundvorgänge.
          Wird es so verständlich? So lange Sie es nicht nachvollziehen können, reden wir leider aneinander vorbei.

          Woher diese Sichtweise kommt? Inspiriert von Graeber, Eisenstein und anderen.

        • soffisticated 6:33 pm am Mai 7, 2014 Permalink

          Ich weiß, daß das schwierig zu begreifen ist, weil einem die emotionale Empfindung darüber was „wahr“ ist schlichtweg im Wege steht.

          Vielleicht noch ein letzter Hinweis: der Umstand, daß Sie den ultimativen Grund für wirtschaftliches Handeln im Tausch von Waren sehen bedeutet, daß Sie immerhin in guter Gesellschaft sind. Denn damit definieren Sie sich als überzeugter Neoklassiker für die gerade der Tausch die Zentralfigur ökonomischen Denkens ist.

          Der Hänger ist: es ist in 200 Jahren ökonomischer Forschung über genau diese elementare Sozialhandlung nicht gelungen die Frage zu klären, warum sich Geld nicht so verhält, wie man es von einem Tauschmittel erwarten könnte. Die letzte Erkenntnis, daß da was nicht stimmt ist gerade knapp 5 Jahre her. Aber Sie können gerne diese Position weiter verteidigen. 🙂

        • thewisemansfear 9:10 pm am Mai 7, 2014 Permalink

          Interessante Argumentation. Wenn die Neoklassiker so argumentieren, und sich meine Argumentation in einem Punkt gleicht, muss ich auch einer sein? Naja…

          Und nein, der ultimative Antrieb „wirtschaftlichen Handelns“ war ursprünglich mal Kooperation. Was gut ist für die Gemeinschaft, ist auch gut für den einzelnen. Das kommt dem sozialen Wesen Mensch deutlich näher als dem „godfather of Tausch“ Adam Smith mit seiner Theorie nachgesagt wird. Menschen werden mittlerweile überspitzt ausgedrückt zu Maschinen umprogrammiert, weil sie genau diesen Selbstzweck „Geld verdienen“ eingeimpft bekommen haben.

          Die Neoklassiker ignorieren den Bankensektor in der Tat komplett, während ich das genaue Gegenteil tue. Durch die „Geld“schöpfungsmöglichkeit der Geschäftsbanken ist eben jener Sektor alles andere als neutral. Zudem knappst man sich für die „zur Verfügung-Stellung“ des allgemein akzeptierten Schuldbefreiungsmittels auch noch einen Anteil ab.

      • soffisticated 10:22 pm am Mai 6, 2014 Permalink | Antworten

        „Was wäre wenn der nicht gekommen wäre?“

        Ganz einfach, dann hätte der Hotelier dem Metzger einen Wechsel gegeben, welcher dann vom Bauern… etc. bis die Dirne ihre Schulden mit eben jenem Wechsel getilgt hätte. Wechsel tot, alles gut.

        Was lernt man daraus? Solche Beispiele werden von Leuten entworfen, die sich vor nicht fachlich versierten Leuten wichtig machen wollen.

        • Stephan Goldammer 12:26 am am Mai 7, 2014 Permalink

          Danke für die Erklärung. Ich habe schon (nicht wirklich oft) das Wort Wechsel gehört, fand aber (zumindest im Ersteindruck), das ist „schwierige Materie“. Aber das war der Unterschied zwischen Geld und Forderung auf Geld ja am Anfang auch 😉

        • thewisemansfear 8:47 am am Mai 7, 2014 Permalink

          Auch ein Wechsel ist doch nur ein Behelfskonstrukt. Im Grunde dreht sich die Geschichte um die Akzeptanz der Forderungen. Und da ist ein allgemein akzeptiertes Token überaus hilfreich. Ob das nun Geldscheine, Wechsel, Goldklumpen, oder Muscheln sind, ist letztlich egal. Wenn es von allen akzeptiert wird, geht es einmal die Reihe um und wird (weder davor noch) danach nicht mehr benötigt.

        • Stephan Goldammer 12:55 pm am Mai 7, 2014 Permalink

          @thewisemansfear

          Vielleicht kommen wir ja weiter wenn sie ganz kleinschrittig beschrieben, wie sie den Weg von „nix“ bis zum fertigen „end-tausch“ sehen. Begriffe wie „Vertrauen“, „Token“, „allgemein akzeptiert“ müsste man definieren. (Ich bin ja eher der Meinung dass man diese Begriffe gar nicht braucht und ohne diese Begriffe auskommt – und mit viel weniger schon fast alles erklären kann)

          „Wenn es von allen akzeptiert wird“

          Eine „allgemeine Akzeptanz“ ist nicht notwendig, wichtig ist, dass der „Token“ (wie sie in nennen) in den Kreditverträgen drin steht. Es spielt dann keine Rolle ob er „allgemein akzeptiert wird“. Die Schuldner werden immer mit Freude den Token akzeptieren, da braucht man nicht zusätzlich eine „allgemeine Akzeptanz“. Ein Stuhlkreis in dem wir dem Token unser gegenseitiges Vertrauen und allgemeine Akzeptanz aussprechen, braucht man nicht. Was passiert denn, wenn auf einmal die Bewohner einer Stadt das „Vertrauen“ in Geld verlieren. Nix passiert! Denn der Bäcker will Euros, der Media-Markt will Euros, das Finanzamt will die Steuern in Euros, der Vermieter will Euros, die Bank will Zinsen in Euros usw.

          „•was als “Geld” letztlich zum Einsatz kommt, ist herzlich egal, so lange es der Gegenüber akzeptiert“

          Hier verstehe ich die Art von Kulanz nicht. Es ist alles in Verträgen festgelegt. Somit ist immer klar, welcher Gegenstand bei Übergabe den Vertrag erfüllt. „Herzlich egal“ kann es ja nur dann sein, wenn die Bank/Unternehmen aus Kulanzgründen oder warum auch immer, statt Euros auch Perlen oder Brötchen akzeptiert. Aber das werden sie nicht tun, denn Bank/Unternehmen haben ja selbst wiederum Kreditverträge „an der Backe“, für deren Tilgung sie Euros benötigen.

          Mit „Euros“ ist hier immer Zentralbankgeld gemeint.

        • thewisemansfear 5:30 pm am Mai 7, 2014 Permalink

          Sie klammern sich aber wirklich fest ans Geld 🙂 Arbeiten Sie für Geld? Oder vielleicht doch vielmehr für die Dinge, die Sie damit anstellen können?

          Lesen Sie bitte nochmal den vorletzten Absatz unter „Weisheit letzter Schluss“. Die jeweilige Forderung ist der Gegenpart (auf der Passivseite) des Handelguts (Aktivseite). Also die Aufwandsentschädigung, wenn Sie so wollen.
          Sie definieren jetzt den Erfüllungsgegenstand ohne Not als Geld. Was vereinbart wurde ist aber nicht notwendigerweise Geld. Eine Schuld kann logischerweise nur aus dem laufenden Einkommen beglichen werden, d.h. durch die eigene Arbeitsleistung. Schön für alle Beteiligten, wenn man ein universelles Mittel zur Verfügung hat, das von allen akzeptiert wird. Aber es geht auch OHNE – vorausgesetzt die Jungs und Mädels sind sich einig!
          Was zwischen den Beteiligten geschlossen wird, sind Abmachungen bzw. Versprechen. Ich gebe dir das JETZT, dafür bekomme ich von dir SPÄTER. Kreditverträge sind letztlich nur eine komplexe Ausgestaltung davon.

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