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  • thewisemansfear 11:38 pm am August 9, 2014 Permalink
    Tags: Bancor, Bretton-Woods, endogenes Geld, , , Gold, , Perry Mehrling, , Zentralbankgeld   

    Das Weltwährungssystem als Ursache heutiger Konflikte 

    Egal welches der vielen losen Enden man aufgreift und zum Ursprung verfolgt, man kommt immer wieder beim lieben Geld an. Ohne zu verstehen, was Geld überhaupt ist und wie das Weltwährungssystem funktioniert, kann kein umfassendes Verständnis der aktuellen Lage gewonnen werden. Ausgangspunkt ist wieder einmal ein sehr lehrreicher Vortrag von Steve Keen auf einer Konferenz in Lateinamerika, wo er Keynes Idee der International Currency Union (ICU) mit dem Bancor als internationaler Verrechnungseinheit vorstellt:

     

    Wie Keen ausführt, sei Geld im wesentlichen durch 2 Haupteigenschaften gekennzeichnet:

    (1) es besteht eine Dreiecksbeziehung bei allen monetären Transaktionen zwischen Bezahler, Zahlungsempfänger und der Bank als Buchführer (Graziani 1995)

    • Geld ist ein token, keine Ware bzw. kein ‚Ding‘ (ansonsten hätten wir immer noch eine reine Tauschwirtschaft)
    • Das token ist gleichzeitig Erfüllungsgegenstand eines wie auch immer gearteten Vertrages (sonst wäre es reiner Kredit)
    • Der Ausgabegewinn von Geld (sog. Seigniorage) ist für die Ausgabestelle begrenzt

    (2) die hierarchische Struktur des Geldsystems (Bell/Kelton 2001)

    • bestehend aus einer mehrstufigen Pyramide, wobei die einzelnen Stufen die Akzeptanzebenen des jeweiligen Geldes darstellen
    • im Gegensatz zu Haushalten und Firmen wird den „Versprechen“ von Staaten und bestimmten Banken eine Akzeptanz eingeräumt, selbst wenn diese nicht in etwas anderes konvertierbar wären

    Wer beim Begriff „token“ die ersten Fragezeichen auf der Stirn stehen hat, es ist ein bloßes Symbol oder bildlicher gesprochen ein leeres Gefäß gemeint. Die Zahlenkolonnen auf dem Kontoauszug sind nichts anderes als ein symbolischer Ausdruck, den eigentlichen Wert erhalten diese erst durch uns Menschen – was wir dem gewillt sind beizumessen. Dabei spielt eine große Rolle, was man sich davon an Arbeitserzeugnissen überhaupt kaufen kann. Ja, der Wert von etwas hängt sehr stark von den eigenen subjektiven Präferenzen ab.
    Das Thema Bargeld und Münzen bitte noch kurz hinten anstellen, darauf wird noch eingegangen.

    Dreiecksbeziehung monetärer Transaktionen

    fin_system

    Hier sieht man die Dreiecksbeziehung von Bezahler (Payer), Zahlungsempfänger (Payee) und der Bank (allg. „banking sector“). Geld wird auf der unteren Ebene bei Kreditvergabe vom Bankensektor erzeugt (Buchungseintrag gegen Sicherheiten) und wandert dann bei einer Transaktion vom Zahler vom Empfänger. Die Bank registriert die Transaktionen (führt Buch).

    Hierarchie im Geldsystem

    In einem Multi-Bankensystem werden bei der Übertragung von Guthaben auf der unteren Ebene von der Zentralbank erzeugte „Reserves“ (***) auf der oben drüber liegenden Ebene genutzt, die Pyramide ist damit 2-stufig. Auf der unteren Ebene handelt es sich um aus dem Bankensektor erzeugtes Giral- oder Buchgeld, auf der Ebene darüber wird Zentralbankgeld (sog. high powered money, hpm) verwendet. Letzteres wird ausschließlich von der Zentralbank emittiert. Damit das System (die Hierarchie) funktioniert, kann zwar auch mit Zentralbankgeld (ZBG) auf der unteren Ebene bezahlt werden, jedoch nicht anders herum mit Giralgeld auf der höheren Ebene. Damit können Ungleichgewichte nicht ausufern, da es auf der unteren Ebene keinen direkten (erzeugenden) Zugriff auf das ZBG gibt. Die Geschäftsbanken sehen sich einem ständigen Refinanzierungsdruck ausgesetzt, wenn z.B. das selbst geschaffene Geld zu anderen Banken abwandert. (nach Kommentar ergänzt)
    Es wird zum Teil argumentiert, dass wenn die Geschäftsbanken Geld selbst erzeugen könnten, sie doch niemals pleite gehen dürften. Der Trugschluss liegt darin, dass man die systemische Hierarchie der Gelder dabei ausblendet. Bargeld spielt dabei eine unrühmliche Rolle, da es einerseits Zentralbankgeld ist (high-powered money auf der unteren Nutzer-Ebene), jedoch bei einer Einzahlung diesen Status verliert. Es wird dabei zu einem Giralgeld-Eintrag auf dem Kundenkonto transformiert. Dieser Vorgang ist selbstverständlich auch umkehrbar. Auf diesem Mechanismus fußt die Theorie der multiplen Geldschöpfung, wo erst Bargeld eingezahlt werden muss und dann Kredite vergeben werden können. Ein nettes Märchen, was sogar heute zum Teil noch so an den Unis gelehrt wird. (https://www.youtube.com/watch?v=A_Zf6UCaHgw)


    (***) !wichtig! Der Begriff „reserves“ aus dem Englischen ist unter keinen Umständen mit der Mindestreserve und den dazugehörigen Mechanismen zu verwechseln! Das sind zwei gänzlich unterschiedliche Paar Schuhe. Damit ist hier im Text einfach der Saldenausgleichsstandard gemeint. Die Bank of England z.B. stellt überhaupt keine Mindestreserveanforderung an die Geschäftsbanken, trotzdem fließt Zentralbankgeld (eben jene reserves) zum Ausgleich der Geldtransaktionen zwischen den Geschäftsbanken. Auf diesen sprachlichen Fallstrick muss man deutlich hinweisen.

    Dass Geld endogen im Bankensektor ensteht, haben mittlerweile nicht nur fortschrittliche Ökonomen sondern auch eine Reihe von Zentralbanken klargestellt. Wer dennoch anderer Meinung sein sollte, kann einfach mal für sich und den Rest der Welt klären, wie Geld überhaupt auf die Welt kommt. Auch eine Zentralbank emittiert auf dieselbe Art und Weise Geld, wie es die Geschäftsbanken tun, sie schreibt die Beträge in einem ersten Schritt in ihren Büchern gut (gegen Sicherheiten z.B. in Form von Wertpapieren). Das geschieht selbstverständlich in beiden Fällen nachfragegetrieben! Ohne dass ein Kunde den Wunsch nach einem Kredit äußert, wird sich keine Bank veranlasst sehen, einfach irgendetwas in ihre Bücher zu schreiben.
    Dass sie (die ZB) gleichzeitig zur Bundesdruckerei (und Münzprägeanstalten) geht und dort den Auftrag gibt, ein paar bunt bedruckte Zettel mit Zahlen drauf zu drucken und diese anschließend als Geld ausgibt, das ist letztlich nur eine Form des o.g. tokens. Die Zentralbank führt genau wie die Geschäftsbanken Buch, macht also im Grunde genommen nichts anderes. Die Wertigkeit (auf die Hierarchie bezogen) ist selbstverständlich eine andere, der Gesetzgeber hierzulande gesteht einig und allein Bargeld den Status gesetzliches Zahlungsmittel zu. Dabei handelt es sich streng genommen um high powered money auf der unteren Ebene, welches dort zusätzlich zum regulären Giralgeld zirkuliert. Dies ist der Grund eines der größten Missverständnisse rund ums Geld. Es gibt Menschen, die sprechen Giralgeld den Status „Geld“ einfach ab, alles was nicht von der Zentralbank kommt, sei kein Geld… Andere wollen die Geldschaffungsmöglichkeit des Bankensektors abschaffen und die Zentralbank als alleinige Emittentin installieren (Stichwort Monetative). Die Machtverschiebung weg von den GBn hin zur ZB muss ich nicht noch groß erläutern? Die untere Ebene der Pyramide wäre damit „hohl“, Geldvergabeentsscheidungen damit zentralisiert und auf einen Punkt konzentriert. In meinen Augen kein sinnvoller Ansatz. Aber widmen wir uns weiter dem Finanzsystem und dessen Funktionsweise:

     

    fin_sys_arch_shouldbe

     

    Was geschieht, wenn Zentralbanken Gelder länderübergreifend übertragen? Sie greifen dafür wiederum auf ein höherwertigeres Reserven-Geld zurück – so zumindest in der von Keynes propagierten „Bancor“-Lösung. Die Bank der Zentralbanken (hier mit IMF/ICU bezeichnet) nutzt hierfür eine eigene Verrechnungseinheit namens Bancor. Spätestens wer den Vortrag von Keen gesehen hat wird wissen, dass sich bei Bretton Woods ein anderes System durchgesetzt hat:

     

    fin_sys_arch_actual

    Weltreservewährung wurde der Dollar. Die Problematik ist die, dass die sinnvolle Hierarchie (Geld auf den unteren Ebenen kann nicht auf den höheren Leveln zum Einsatz kommen) damit ausgehebelt ist. Das, was eigentlich ausufernde Außenhandels-Ungleichgewichte verhindern sollte, kann so sehr einfach durch neues, selbstkreiertes Geld künstlich (zu Lasten der Handelspartner) fortgeführt werden. Mit dieser Möglichkeit ausgestattet kann ein Land in der Tat nicht mehr pleite gehen… Die Bindung des Dollar an Gold war eine Minimalforderung aller Beteiligten, dass sie diesem System zustimmen. Denn nur so konnte man sichergehen, dass es nicht zu einer Art „Selbstbedienungsmentalität“ käme. Wir wissen es mittlerweile besser, seit die Goldbindung aufgehoben wurde, war hier Tür und Tor für eklatanten Missbrauch des Systems geöffnet.

    Und damit sind wir mittendrin im großen clash of nations: die aufgelaufenen Defizite und das Gebahren der USA wird von der übrigen Welt nicht mehr toleriert. Für die USA geht es einzig um die Sicherung des status quo (wer würde schon freiwillig so einen Selbstbedienungsladen wieder aufgeben?), für die restlichen Länder um mehr Gerechtigkeit. Der BRICS-Zusammenschluss konkretisiert mehr und mehr Alternativlösungen ohne Dollar und stößt damit nicht gerade auf viel Gegenliebe beim derzeitigen Nutznießer. Die Fallhöhe ist durch die angehäuften Forderungen erheblich, so dass man leicht auf verwegene Ideen kommen kann, um dieses Szenario zu verhindern. Da macht selbst die Destabilisierung ganzer Länder plötzlich Sinn. Außerdem spielen selbstverständlich geostrategische Interessen eine maßgebliche Rolle (Brzezinskis ‚Grand Chessboard‚ lässt grüßen). In Europa hat man diese Problematik anscheinend noch nicht so recht geblickt und liefert weiter fröhlich Güter gegen selbstkreierte Forderungen. Wenn man nicht Dummheit, sondern Vorsatz bei den hiesigen Politdarstellern unterstellt, macht das die Sache nur noch schlimmer…

    Man darf aber nicht vergessen, dass Geld nur (Macht-)Mittel zum Zweck ist. Es lässt sich weder essen noch sonstwie verwerten. Dazu benötigt man Ressourcen wie Land (mit all den vergrabenen Bodenschätzen), Wasser, Energie, etc. Mit (selbstgedrucktem) Geld werden eben jene Ressourcen erworben oder auch durch militärische Intervention. Wohl dem, der über eine gut geschmierte Kriegsmaschinerie verfügt… Aber auch die nützt einem nicht mehr viel, wenn sich der Rest einig ist und zusammenarbeitet, diesen Zustand zu überwinden.


    Aktuelle Schlagzeile von zerohedge, die die Problematik des Beitrags verdeutlicht: „US Sanctions On Russia May Sink The Dollar,“ Ron Paul Fears „Grave Mistake“ http://www.zerohedge.com/news/2014-08-11/us-sanctions-russia-may-sink-dollar-ron-paul-fears-grave-mistake

    Zum Thema Gold noch kurz zwei Sätze. Den einzigen Vorteil, den man sich als Befürworter eines erneuten Goldstandards in meinen Augen versprechen kann, ist die vermeintliche Begrenzung der Geldemissionsfähigkeit (insbesondere der Zentralbanken). Gold soll der Stabilitätsanker sein, hat in der Vergangenheit so gut funktioniert [/sarcasm]. Im Ernst, Geld ist und bleibt endogen. Eine internationale Reservewährung wie im Beispiel der Bancor, die der Kontrolle aller Nationen unterläge, erachte ich als 10x sinnvoller, als weiter (unter enormen Aufwand und einhergehender Umweltzerstörung) ein Metall aus der Erde zu buddeln und es dann wieder in Tresoren wegzuschließen. Auch Gold hat keinen intrinsischen Wert, es stellt auch nur ein hübsch glänzendes „token“ dar.

    (10.08.: es erfolgte kleines Update zum Begriff reserves)
    (12.08.: kleine Ergänzungen aufgrund von Kommentaren und zum Thema Gold)

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    • Georg Trappe 8:37 am am August 10, 2014 Permalink | Antworten

      „Damit das System (die Hierarchie) funktioniert, kann zwar auch mit Zentralbankgeld (ZBG) auf der unteren Ebene bezahlt werden, jedoch nicht anders herum mit Giralgeld auf der höheren Ebene. Damit können Ungleichgewichte nicht ausufern, da es auf der unteren Ebene keinen direkten Zugriff auf das ZBG gibt. Die Geschäftsbanken sehen sich einem ständigen Refinanzierungsdruck ausgesetzt.“
      Das verstehe ich nicht. Was bedeutet der Ausdruck Refinanzierungsdruck? Und wieso gibt es auf der unteren Ebene keinen Zugriff auf ZBG? Und welche Ungleichgewichte koennen deshalb nicht ausufern?

      • thewisemansfear 8:58 am am August 10, 2014 Permalink | Antworten

        Ich schreibe doch, dass mit ZBG auch auf der unteren Ebene gezahlt werden kann. Höherwertiges Geld kann problemlos auch auf niedrigeren Ebenen eingesetzt werden. Das Geld, was auf der unteren Ebene erzeugt wird, kann aber nicht „weiter oben“ verwendet werden.

        Refinanzierungsdruck ist an der Stelle von mir schlecht gewählt, da es einen ganzen Rattenschwanz an Erklärungen benötigt. Es ging mir um den Sachverhalt, wenn Gelder von einer Bank zur anderen abwandern. Auf den (höherwertigeren) Ausgleichsstandard hat die GB keinen erschaffungstechnischen Zugriff, sie muss es sich von der höheren Instanz (ZB) leihen. Die ZB hat damit die Übersicht und Kontrollfunktion.

    • Dieter Krause 1:23 pm am August 16, 2014 Permalink | Antworten

      Es ist bei der Akzeptanz von Geld aber immer auch die politische Zugriffsmöglichkeit wichtig! Nur ein Beispiel: Nach Kriegsausbruch 1914 waren Deutschland auf einen Schlag die internationalen Kapitalmärkte in London (noch nachvollziehbar) und New York (Amerika war bis 1917 neutral!) verschlossen! So wie den Russen partiell jetzt in der Ukarine-Krise. In zehn Jahren – mit dem Yuan als weiterer Weltwährung – dürfte sich das Währungsmonopol (oder Duopol) langsam weg von Dollar und Euro hin zum Yuan verschieben. Was sich durch den Rückzug der Amerikaner aus dem Nahen Osten (Ölmonarchien!) vielleicht noch beschleunigen könnte. Dann werden eben die Chinesen dann den Öl- und Gastransport durch den Persischen Golf sicherstellen – als Gegenleistung dafür aber Abbrechnung der Ölkontrakte in Yuan fordern!

  • thewisemansfear 10:28 pm am April 29, 2014 Permalink
    Tags: endogenes Geld, Frances Coppola, , , , Vollgeld,   

    Banken in die Schranken, Part 2 

    Passend zum letzten Beitrag: Wirtschaftsjournalist Martin Wolf fordert den Banken das Geldschöpfungsprivileg zu entziehen (warum nur?! 😉 ) und Frances Coppola greift seine Thesen auf.

    Auf pieria.co.uk werden die Vorteile aus seiner Sicht zitiert:

    [Banks] could only loan money actually invested by customers. They would be stopped from creating such accounts out of thin air and so would become the intermediaries that many wrongly believe they now are.

    Hervorhebung des wichtigen Teils, denn die meisten Menschen sitzen leider wirklich noch dem Irrglauben auf, Banken würden rein als Intermediär (Mittler) zwischen Sparer und Kreditnehmer agieren. Keine Angst, das wird keine Lobeshymne aufs Vollgeld, Kritik folgt weiter unten.

    Die Autorin des Textes nimmt dann Bezug auf ihre eigenen Kritikpunkte an einem IWF-Paper zum Thema. Ein Auszug (letzter Punkt):

    • margins on what little lending remained after the debt jubilee would be painfully low, because the paper assumes that businesses would alternatively be able to obtain finance in the capital markets at similar rates to the yield on government bonds.

    Sie kritisiert, dass das dann wohl das Ende vom Geschäftsbankensystem sei, so wie wir es kennen. Recht hat sie!

    As far as I can see, in this model it is virtually impossible for private banks to be profitable. In which case they would soon cease to exist, and government would be forced to create state banking facilities to replace them.

    Immerhin vertritt sie den Standpunkt, dass Geld endogen (d.h. von der Nachfrageseite her) entsteht. Deshalb kann sie dem Vollgeld-Vorschlag (ebenso wie meine Wenigkeit) nicht viel abgewinnen:

    Wolf’s idea amounts to replacing a demand-driven money supply creation mechanism with central planning of the money supply by a committee.  Central banks’ record on producing accurate forecasts of the economy is dismal, and their response to economic indicators is at times highly questionable. Put bluntly, they get it wrong – very wrong, at times: consider the ECB raising interest rates into an oil price shock in 2011. Is the entire lifeblood of the economy to be dependent on the whims of such as these?

    Korrekt, von zentraler Stelle gesteuerte Geldmenge kann nicht funktionieren. Das ist, als wolle man ein komplexes System von einer einzigen übergeordneten Stelle aus managen. Guter Witz, Fehlsteuerung vorprogrammiert. Es geht also drum, den sich selbst verstärkenden Mechanismus der Auf- und Abschwünge abzubremsen und antizyklische Maßnahmen zu implementieren. Klingt nach Regelungstechnik – brauchen die vielleicht einen Ingenieur, der sie unterstützt? Früher oder später kommen sie vielleicht auch noch drauf, das Wachstum insgesamt nur im Gleichschritt aller Beteiligten funktioniert oder man am Ende ganz darauf verzichtet. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Nicht falsch verstehen, so lange Menschen auf dieser Welt ihre Buckel krumm machen und arbeiten, wird es immer „Wachstum“ geben, nur die relativen Steigerungsraten würden sich bei einem stabilen System asymptotisch Null annähern.

    Mit der Aussage der schwindenden Profite kommt sie dem Kernproblem schon ziemlich nahe. Profit geht immer zu Lasten eines anderen Wirtschaftsteilnehmers, irgendwer muss den ja bezahlen. Ganz simple Logik eigentlich. Wenn dieser nicht später wieder in die Wirtschaft zurückfließt, führt dies zu einem formidablen Verteilproblem. Globales Wachstum und eine endlose Geldmengenausweitung kann diesen Zusammenhang recht gut kaschieren, nur sehen wir ja gerade in der aktuellen Entwicklung, was für hässliche Tatsachen nach und nach ans Licht kommen, sobald die Wachstumraten nicht mehr so prall sind.

    Es wird Zeit für ein neue Zielsetzung von Wirtschaft. Umverteilung von fleißig zu reich wird nicht länger funktionieren.
    Btw. Selbst der „Erfinder“ des BIP hat davor gewarnt, es als einzige Steuergröße von Wirtschaft zu erheben. Siehe die Unterpunkte „Alternativen“ & „Kritik“ in der wiki: http://de.wikipedia.org/wiki/Bruttoinlandsprodukt

     
    • GeorgT 10:59 am am Mai 2, 2014 Permalink | Antworten

      Wenn man die Kapazitaet zur Geldschoepfung als Fuehrungs- und Lenkungsinstrument bzw. als Macht- und Herrschaftsinstrument versteht, dann stellt sich schon die Frage, ob sie bei privaten Banken und Zentralbanken, die dem Einfluss des Souveraen entzogen sind, gut aufgehoben ist. Denn die Bedenken, die man gegenueber einer zentralen staatlichen Geldschoepfung durchaus haben darf, sehe ich bei privaten Banken mit der Groesse der „Big Four“ auch nicht ausgeraeumt.
      http://en.wikipedia.org/wiki/Big_Four_%28banking%29
      Und auch in Deutschland, wo die Deutsche Bank mit weitem Abstand vor ihrem naechsten Wettbewerber liegt, kann mich das Argument nicht ueberzeugen.

      Wenn man nicht an Goetter, Gottesgnadentum oder an Menschen, die ueber die von Macht ausgehenden Versuchungen erhaben sind, glaubt, dann bleibt nur der Kampf fuer Mechanismen, die der Entstehung von exzessiver Macht entgegen wirken.

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