Banken in die Schranken

Die Prozessbeschreibung unseres aktuellen Geldsystems ist leider nicht so wasserdicht, wie das vielleicht wünschenswert wäre. So lässt insbesondere die Beschreibung von Giral- bzw. Buchgeld mehrere Sichtweisen aufs Geld und dessen Entstehung zu. Die daraus entstandene Kontroverse überdauert wahrscheinlich bereits mehr als 100 Jahre. Die orthodoxen Geldtheoretiker (v.a. in der freiwirtschaftlichen Ecke um Helmut Creutz, aber auch weite Teile des Mainstreams) definieren das Problem einfach weg. Giralgeldschöpfung aus dem Nichts geht per Definition nicht, „das wäre ja sonst Betrug“. Tja, so einfach kann man es sich machen, vor dem Interbankenmarkt verschließen wir einfach brav die Augen…  🙂

Andere Menschen sind da schon weiter, wie die Verantwortlichen von http://www.banken-in-die-schranken.net/ und http://www.kreditopferhilfe.net/de/  Klar kann oder muss man in dem Zuge quasi auch die gesamte Vollgeld-Bewegung nennen, die letztlich die Verselbstständigung der Kreditvergabe per Luftbuchung wieder in einen gesetzlich definierten Rahmen zurückholen wollen. Bei der Ausgestaltung gehe ich nicht mit allem konform, aber die prinzipielle Richtung und Einordnung soll zumindest klar werden.

Konkret möchte die Kreditopferhilfe nun eine Klärung dieser schwammigen Verhältnisse herbeiführen und dies auch vor Gericht ausfechten. Dabei soll kein Geldsystem per Richterspruch rauskommen, aber eine Feststellung, dass das jetzige System einem „Betrugsmodell“ gleichkommt. Wenn die Banken Luftbuchungen vollführen und dafür werthaltige Assets als Sicherheit einfordern, dann wäre das ein ziemlich geniales Geschäftsmodell, oder etwa nicht? Deswegen darf man auch von den Banken selbst wenig Aufklärung zum Thema erwarten. Mit simplifizierenden Zinstheorien wird zusätzlich vom eigentlichen Problem abgelenkt, hier tun sich gerade wieder die Freiwirtschaftler hervor… [Gegenargumentation siehe I, II und III – Dank an deedl]

Die folgende, anschauenswerte Pressekonferenz (u.a. mit Franz Hörmann) klärt über diesen Sachverhalt und die Intention auf. Vom letzten Statement eines Zuschauers habe ich ein Transskript unten eingefügt, damit wird im Prinzip alles auf den Punkt gebracht. Viel Spaß beim Schauen (und Lesen)!

 

„Zum Thema Systemrelevanz der Buchhaltung: Ich halte die Buchhaltung für absolut systemrelevant, allerdings ist die Frage: In welchem System?

Zweitens zum Thema des „schnell reich werdens“: Voll unterschrieben, ich bin auch schnell reich und hackel nix dafür, das ist überhaupt keine Frage. Nur wenn Sie’s sich sprachlich überlegen, sprechen wir hier vom sog. Derivat-Geschäft. Und ein Derivatgeschäft ist immer von einem Grundgeschäft abgeleitet und existiert auch weiter, wenn das Grundgeschäft nicht mehr vorhanden ist. Und dieses ist anscheinend nicht mehr vorhanden.

Angesprochen auf die Lotterie, lieber Franz, was ist der Unterschied zwischen Casino und Börse? Na, an der Börse spielen die Banken mit! [Gelächter] Das heißt, hier wird das System in sich pervertiert und Wertschöpfung vorgegaukelt, wo keine Wertschöpfung sein kann.

Aus der VWL wissen wir, dass Geld nur ein Betriebsmittel ist, aber kein Wertschöpfungsmittel. Es ist nur eine Recheneinheit, es hat keinen Wert per se. Und was uns seit Jahrzehnten vorgegaukelt wird, ist, dass das Handeln mit Geldeinheiten wertschöpfend sei. Darauf beruhen auch die absurden Bezahlmodelle derer, die mit diesen Mittel handeln. Darauf basieren auch die Rechtfertigungen eines mathematisch vollkommen unhaltbaren Zustandes, nämlich der Exponentialfunktion, die in krassem Widerspruch zur biologischen Funktion steht, die eben Aufbau, Höhepunkt und Verfall mit sich bringt.

Dadurch muss es notwendigerweise so sein, wenn die Tangente der Exponentialfunktion zu steil wird, dass sie kippt. Und damit sind wir in all diesen Bereichen, die wir -Kondratieff hat das so herrlich beschrieben, alle 50, 60, 70 Jahre gibt es einen wunderbaren … Neuanfang sozusagen, der meistens aber damit einhergeht – weil nicht ordentlich organisiert – dass Massenverelendung, Konflikt, Polemiker, die Massen verführen, etc., entstehen. Das ist für mich die eigentliche Befürchtung, die ich in der ganzen Sachen habe.

Wenn ich mir heute anschaue, die Entwicklungen, die wir historisch bis ins 19. Jhdt. zurückverfolgen können, der Börsenindizes – dann sehen wir, dass wahrscheinlich eine Korrektur bevorsteht. Und vor dieser Korrektur sollten wir uns irgendwie in Acht nehmen und vielleicht darauf achten, dass wir die richtigen Dinge tun und nicht die Dinge richtig tun. In dem Sinn ist die Initiative des Kreditopferverbandes eine Initiative, die eigentlich jeder – egal ob er ein Haben- oder ein Soll-Konto hat – befürworten müsste, weil wir damit tatsächlich das System infrage stellen, das die Buchhaltung systemrelevant gemacht hat, danke.“ [Applaus]

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