Wie war das noch mit dem Geld (2)

Den Gedankengang rund ums Geld möchte ich noch ein wenig ausweiten.

Nehmen wir an, Adam geht spazieren und pflückt unterwegs ein paar Blumen. Seine Bilanz verlängert sich um den Aktivposten „Blumenstrauß“ und eine gleich hohe Rückstellung auf der Passivseite.  (Bilanzen haben es an sich, immer ausgeglichen zu sein.) Die doppelte Buchführung soll hier nicht verwirren, sondern ist hilfreich zu verstehen, wie sich die Besitzgegenstände des Einzelnen (Aktivseite) und die dafür nötigen Aufwendungen (Passivseite) gegenüberstehen. Man kann mit dem Hintergrund der ausgeglichenen Bilanz recht gut das Prinzip der Reziprozität erklären. Wird hoffentlich gleich verständlich:

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft…

Adam schenkt Eva besagten Blumenstrauß beim nächsten Wiedersehen, worüber sie sehr angetan ist. Der Aktivposten von Adam ist nun zu Eva gewandert, bestehen bleibt seine Rückstellung (kreativer und körperlicher Aufwand beim Pflücken) und vielleicht ein schlechtes Gewissen wegen Evas leerer Passivseite, die sich nun darum Gedanken macht, den Gefallen zu erwidern. Beide Bilanzen ist nun nämlich schief. Für einen Ausgleich wird sie sich für Adam etwas gleichwertiges Ausdenken, dann wären sie quitt. So lange steht sie quasi in Adams „Schuld“, denn er hält ja nach wie vor die Forderung (seine Aufwendungen) und Eva das Aktivum. Den Mechanismus des Ausgleichs nennt man Reziprozität. In etwa wie „Wie Du mir, so ich Dir“.

Anthropologe David Graeber und ebenso Charles Eisenstein erklären so das Zustandekommen bzw. das Funktionieren zwischenmenschlicher Beziehungen. I.d.R. wird das gegenseitige ’sich beschenken‘ nie auf ein „quitt“ hinauslaufen, denn damit wäre alle „Schuld“ aufgewogen und es bestünde keine Notwendigkeit einer weiteren Beziehungspflege. Die Kunst besteht also darin, immer etwas mehr zu geben als man selbst erhalten hat oder eben nicht alles auf einmal aufzuwiegen…

Schauen wir mal, wie wir eine Verbindung zum Geld herstellen können…

Jetzt ist ein Blumenstrauß kein allzu werthaltiges Asset. Nach ein paar Tagen ist er verblüht und landet auf dem Kompost. Hat Eva sich bis dahin revanchiert? Wenn nicht, hat Adam mit zunehmender Zeit immer schlechtere Karten, eine Gegenleistung (ja, das ist in dem Zusammenhang überspitzt) zu erhalten. Seine Rückstellung auf der Passivseite kann er dann getrost wieder streichen – für die Katz! Ob er auch nach längerer Zeit noch bedacht wird, hängt allein davon ab, wie verbunden sich Eva im gegenüber fühlt, bzw. welchen Wert sie dem (nun nicht mehr vorhandenen) Blumenstrauß beimisst. Adam kann also nichts weiter als Vertrauen in Eva setzen.

Jeder kann das Beispiel gern nochmal mit einem selbstgemachten/gefundenen Schmuckstück durchspielen. Das verschwindet in jedem Fall nicht so schnell und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Adams Mühen nicht umsonst gewesen sind. Auch hier gilt: ist das schmucke Ding erst einmal runtergefallen oder sonstwie angeknabbert, sinkt der Wert und damit gleichzeitig der zu erwartende Gegenwert – zumindest bezogen auf die Hardware, der ideelle Part ist davon unabhängig. Der Faktor Zeit spielt eine gewichtige Rolle, denn alles auf der Welt ist vergänglich.

Wenn aber alles vergänglich ist…

…warum tun wir dann in unserem Geld- bzw. Bankensystem so, als ob eine (Geld-)Forderung nie an Wert verliert? Denn genau das ist der Fall, wenn eine Bank sozusagen „dazwischen hängt“.

Auch dann wenn der Apfel laengst gegessen oder verfault ist, bestehen die Forderungen fort. Sie erhoehen sich sogar per Zins. Sogar fuer die bank faellt Gewinn aus Zinsdifferenzgeschaeften ab. Bis Adam sich entscheidet den Ruecken krumm zu machen zwei drei Kartoffeln auszugraben, diese zu verkaufen und mit dem Erloes die Schulden zu begleichen und somit die Forderungen aus der Welt zu schaffen. Genial! Oder?

aus dem Kommentar von Georg Trappe zum vorangegangenen Beitrag zitiert

Über das Gejammer der Inflation als schleichende Enteignung kann man sich mit diesen Hintergründen nur verwundert die Augen reiben.

 

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