Banken in die Schranken, Part 2

Passend zum letzten Beitrag: Wirtschaftsjournalist Martin Wolf fordert den Banken das Geldschöpfungsprivileg zu entziehen (warum nur?! 😉 ) und Frances Coppola greift seine Thesen auf.

Auf pieria.co.uk werden die Vorteile aus seiner Sicht zitiert:

[Banks] could only loan money actually invested by customers. They would be stopped from creating such accounts out of thin air and so would become the intermediaries that many wrongly believe they now are.

Hervorhebung des wichtigen Teils, denn die meisten Menschen sitzen leider wirklich noch dem Irrglauben auf, Banken würden rein als Intermediär (Mittler) zwischen Sparer und Kreditnehmer agieren. Keine Angst, das wird keine Lobeshymne aufs Vollgeld, Kritik folgt weiter unten.

Die Autorin des Textes nimmt dann Bezug auf ihre eigenen Kritikpunkte an einem IWF-Paper zum Thema. Ein Auszug (letzter Punkt):

  • margins on what little lending remained after the debt jubilee would be painfully low, because the paper assumes that businesses would alternatively be able to obtain finance in the capital markets at similar rates to the yield on government bonds.

Sie kritisiert, dass das dann wohl das Ende vom Geschäftsbankensystem sei, so wie wir es kennen. Recht hat sie!

As far as I can see, in this model it is virtually impossible for private banks to be profitable. In which case they would soon cease to exist, and government would be forced to create state banking facilities to replace them.

Immerhin vertritt sie den Standpunkt, dass Geld endogen (d.h. von der Nachfrageseite her) entsteht. Deshalb kann sie dem Vollgeld-Vorschlag (ebenso wie meine Wenigkeit) nicht viel abgewinnen:

Wolf’s idea amounts to replacing a demand-driven money supply creation mechanism with central planning of the money supply by a committee.  Central banks’ record on producing accurate forecasts of the economy is dismal, and their response to economic indicators is at times highly questionable. Put bluntly, they get it wrong – very wrong, at times: consider the ECB raising interest rates into an oil price shock in 2011. Is the entire lifeblood of the economy to be dependent on the whims of such as these?

Korrekt, von zentraler Stelle gesteuerte Geldmenge kann nicht funktionieren. Das ist, als wolle man ein komplexes System von einer einzigen übergeordneten Stelle aus managen. Guter Witz, Fehlsteuerung vorprogrammiert. Es geht also drum, den sich selbst verstärkenden Mechanismus der Auf- und Abschwünge abzubremsen und antizyklische Maßnahmen zu implementieren. Klingt nach Regelungstechnik – brauchen die vielleicht einen Ingenieur, der sie unterstützt? Früher oder später kommen sie vielleicht auch noch drauf, das Wachstum insgesamt nur im Gleichschritt aller Beteiligten funktioniert oder man am Ende ganz darauf verzichtet. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Nicht falsch verstehen, so lange Menschen auf dieser Welt ihre Buckel krumm machen und arbeiten, wird es immer „Wachstum“ geben, nur die relativen Steigerungsraten würden sich bei einem stabilen System asymptotisch Null annähern.

Mit der Aussage der schwindenden Profite kommt sie dem Kernproblem schon ziemlich nahe. Profit geht immer zu Lasten eines anderen Wirtschaftsteilnehmers, irgendwer muss den ja bezahlen. Ganz simple Logik eigentlich. Wenn dieser nicht später wieder in die Wirtschaft zurückfließt, führt dies zu einem formidablen Verteilproblem. Globales Wachstum und eine endlose Geldmengenausweitung kann diesen Zusammenhang recht gut kaschieren, nur sehen wir ja gerade in der aktuellen Entwicklung, was für hässliche Tatsachen nach und nach ans Licht kommen, sobald die Wachstumraten nicht mehr so prall sind.

Es wird Zeit für ein neue Zielsetzung von Wirtschaft. Umverteilung von fleißig zu reich wird nicht länger funktionieren.
Btw. Selbst der „Erfinder“ des BIP hat davor gewarnt, es als einzige Steuergröße von Wirtschaft zu erheben. Siehe die Unterpunkte „Alternativen“ & „Kritik“ in der wiki: http://de.wikipedia.org/wiki/Bruttoinlandsprodukt

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