Aus der Geschichte lernen

Es ist schon erstaunlich, was für Parallelen sich auftun, wenn man einen Blick zurück in die Vergangenheit wirft. Sehr ähnliche Probleme wie heute, nur mittlerweile auf einem anderen, höheren Level. Es stellt sich die Frage, ob es nicht die alle paar Jahrzehnte aufflackernden Kriege waren, durch deren Zerstörung des vormals Geschaffenen und dem anschließenden Wiederaufbau das „ganze System“ weiter betrieben werden konnte. Technischer Fortschritt allein reicht bei weitem nicht aus. Wer Schumpeters „schöpferische Zerstörung“ verstanden hat, weiß, dass alte Strukturen Neuerungen platz machen und weichen mussten. Ein Krieg ist dabei die schnellste aber zugleich meistverschwenderische Variante. Sowohl an materiellen Ressourcen als auch an Humanressource (zynisch gesprochen)… Es wird wirklich Zeit, das System insoweit zu reformieren, dass der (exponentielle) Wachstumszwang eliminiert wird. Kooperation statt Egoismus zu propagieren wäre ein Anfang.

Im Gründungsdokument der Vierten Internationale, das nur ein Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geschrieben wurde, zeichnete Trotzki ein präzises und schonungslos genaues Bild des Zustandes des Weltkapitalismus:

„Die Produktivkräfte der Menschheit haben aufgehört zu wachsen. Neue Erfindungen und technische Neuerungen vermögen bereits nicht mehr zu einer Hebung des materiellen Wohlstands beizutragen. Unter den Bedingungen der sozialen Krise des gesamten kapitalistischen Systems bürden Konjunkturkrisen den Massen immer größere Entbehrungen und Leiden auf. Die wachsende Arbeitslosigkeit vertieft wiederum die staatliche Finanzkrise und unterhöhlt die zerrütteten Währungen. Demokratische wie faschistische Regierungen taumeln von einem Bankrott in den anderen.

Die Bourgeoisie sieht selbst keinen Ausweg. In den Ländern, wo sie bereits gezwungen war, den Faschismus als ihre letzte Karte auszuspielen, schlittert sie mit geschlossenen Augen in eine wirtschaftliche und militärische Katastrophe. In den historisch privilegierten Ländern, d. h. jenen, wo sie sich auf Kosten des zuvor angesammelten nationalen Reichtums noch eine Zeitlang den Luxus der Demokratie leisten kann (Großbritannien, Frankreich, Vereinigte Staaten usw.), befinden sich alle traditionellen Parteien des Kapitals in einem Zustand der Ratlosigkeit, der an Willenslähmung grenzt. …

Die internationalen Beziehungen bieten kein besseres Bild. Unter dem wachsenden Druck des kapitalistischen Niedergangs haben die kapitalistischen Gegensätze die Grenze erreicht, jenseits derer die einzelnen Zusammenstöße und blutigen lokalen Unruhen (Äthiopien, Spanien, Ferner Osten, Mitteleuropa) unausweichlich in einen Weltbrand umschlagen müssen. Die Bourgeoisie ist sich selbstverständlich der tödlichen Gefahr bewusst, die ein neuer Krieg für ihre Herrschaft bedeutet. Aber diese Klasse ist heute noch unendlich weniger imstande, den Krieg abzuwenden, als am Vorabend von 1914.“

Trotzki ließ seiner Beschreibung der Krise des Weltkapitalismus eine Warnung folgen: “Ohne eine sozialistische Revolution, und zwar in der nächsten geschichtlichen Periode, droht der gesamten menschlichen Kultur eine Katastrophe.“  aus http://www.wsws.org/de/articles/2014/04/15/pers-a15.html zitiert.

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