Wege aus der Krise – was von Piketty hängen bleibt

Als großartige Leistung wird ja aktuell das vor kurzem in Englische übersetzte neue Buch von Piketty gefeiert. Die aufbereiteten Daten scheinen bislang ohne Vergleich, die Grafiken (siehe Quelle am Ende des Absatz) verdeutlichen das, was schief läuft sehr gut. Die gehypte Erkenntnis der Medien: die Formel r>g führt zu schlimmen Dingen. r steht dabei für Kapitalrendite (wobei er das als Sachkapital definiert) und g für allg. Wirtschaftswachstum. Ist diese Erkenntnis wirklich so neu, bzw. hat es dazu ein Buch und diesen Hype darum gebraucht, um diesen Zusammenhang einer breiteren Masse verständlich zu machen? Vielleicht… Piketty’s Ideen zur Lösung der aktuell herrschenden Ungleichverteilung: eine Vermögenssteuer. Das ruft natürlich sowohl Befürworter als auch Gegner auf den Plan. Gegner argumentieren, dass eine Vermögenssteuer u.U. Wachstumseinbußen hervorruft, und das könne ja wohl niemand ernsthaft wollen. 😉 Den Befürwortern ist dahingegen klar, dass das politische System (v.a. in den USA) korrupt und durch die Eliten gesteuert ist. So werde es niemals zu einer ernsten Vermögensbesteuerung kommen, so lange sich die, die am Hebel sitzen, damit ins eigene Fleisch schneiden würden. [Quelle] In der Tat.

Phil Pilkington hat sich die Kritik von James K. Galbraith genommen und daraus zitiert:

If Piketty had distinguished between earned and unearned income — between income generated as a result of productive physical plant and income generated from financial assets — he would have been able to discuss his findings much more consistently. But unfortunately he does not and this, to Galbraith, renders his analysis confused.
Galbraith also makes clear that Piketty’s policy proposals — mostly dealing with higher taxes on the rich — are probably not fit for purpose in a globalised, financialised economy. Rather Galbraith asks us to consider alternative approaches.

„If the heart of the problem is a rate of return on private assets that is too high, the better solution is to lower that rate of return. How? Raise minimum wages! That lowers the return on capital that relies on low-wage labor. Support unions! Tax corporate profits and personal capital gains, including dividends! Lower the interest rate actually required of businesses! Do this by creating new public and cooperative lenders to replace today’s zombie mega-banks. And if one is concerned about the monopoly rights granted by law and trade agreements to Big Pharma, Big Media, lawyers, doctors, and so forth, there is always the possibility (as Dean Baker reminds us) of introducing more competition.“

Die Punkte von Galbraith sind vor allem deswegen nennenswert, da sie alle konkret das beschriebene Problem der Ungleichverteilung adressieren.

  • Mindestlohn (und damit die Lohnquote) erhöhen
  • Stärkung der Gewerkschaften
  • höhere Besteuerung von Unternehmensgewinn und Kapitaleinkünften, inkl. Dividenden
  • KMUs stärken durch niedrige Kreditzinsen, indem man neue öffentlich/genossenschaftlich organisierte „Banken“ gründet, um die alten „Zombie-Megabanken“ zu ersetzen
  • für stärkeren Wettbewerb sorgen, vor allem wo es dominierende big player auf dem Markt gibt

Da ließe sich noch einiges anfügen. Wem diese Vorschläge nicht weit genug gehen, hier noch der Hinweis auf den lesenswerten Artikel „Gemeinwohl ist Gewinn„:

Die beiden entscheidenden wirtschaftlichen Erfolgsindikatoren sind heute das Bruttoinlandsprodukt auf der Makroebene und der unternehmerische Finanzgewinn auf der Mikroebene. Beiden Erfolgsindikatoren gemein ist, dass sie monetäre Indikatoren sind und b) nichts Verlässliches über das aussagen, was der großen Mehrheit der Menschen wichtig und wertvoll ist – sie messen nur Tauschwerte, aber keine Nutzwerte.

Überlegungen in diese Richtung messe ich eine weit höhere Bedeutung bei. Hier ist jede(r) Einzelne gefragt, den Versuch zu wagen, aus alten, bekannten Denkmustern auszubrechen.

Update: Eine recht umfangreiche Zusammenfassung an Buchbesprechungen inkl. -kritiken zu Piketty gibt es hier: http://ifg.rosalux.de/2014/04/28/piketty/

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