Real oder virtuell – was ist eigentlich Geld?

Um sich der Definitionsfrage von Geld zu widmen, muss man zunächst klären, was unter dem Begriff Schulden zu verstehen ist.

Schulden sind in erster Linie ein Versprechen. Auf eine zu erbringende Leistung oder Sachwerte, aber das ist dabei egal. Heute ist dieses „Versprechen“ mehr und mehr in Vertragsform gegossen und hat damit (rein rechtlich) einen höheren Stellenwert. Im Hintergrund bleibt es bei einer Frage der Moral, ob der Schuldner gewillt ist, sein Versprechen (also die Forderungen des Gläubigers) zu erfüllen.

Nun zum Geld-Begriff: Was ist Geld anderes, als eine quantifizierbare Form dieser Schulden (bzw. Versprechen)? Wenn man sich der Sache so nähert, sollte klar werden, dass Geld kein Ding, keine Sache ist. Wertmaßstab und Verrechnungseinheit passen als Eigenschaft m.E. sehr gut, nur die Sache mit dem Wertaufbewahrungsmittel passt so nicht ins Konzept. Als Versprechen abgegebene Schuldscheine haben nun mal keinen Wert an sich. Die Goldjünger werden hier natürlich vehement widersprechen, sehen (oder besser wünschen) sie Geld doch als werthaltiges Zwischentauschmittel. Adam Smith hat dazu eigens die Theorie der Geldentstehung wegen der Unzulänglichkeiten beim Tauschhandel entwickelt (immer noch Lehrbuchmeinung), bislang haben Anthropologen nur noch keinen Beleg dafür gefunden. An dieser Stelle hilft wie immer die Frage der Fragen – cui bono? Wem nützt die jeweilige Theorie? Wer profitiert von einer „werthaltigen“ Definition von Geld? a) die keins haben oder b) die welches haben

Die Sache geht ja noch weiter. Nachdem es nun mehrere Phasen gab, in denen Goldbindung bestand, sind manche Beobachter der Meinung, die Natur des Geldes habe sich gewandelt (von werthaltig zu virtuell und vice versa) und müsse jetzt wieder zurückgeführt werden zum „wahren“ Goldwert. Das ist eine hochgradige Irreführung, denn wie ich oben versucht habe darzustellen, war Geld noch nie etwas Dingliches. Die Bindung an Sachwerte helfen bei der Akzeptanz, bei der Vertrauensbildung, aber ansonsten ist vollkommen zweitrangig, was letztlich dahintersteht. Zum Funktionieren ist nichts anderes als Vertrauen notwendig. Zur Verdeutlichung: Früher wurden nur Edelmetallmünzen zur Bezahlung akzeptiert, diese verschwanden irgendwann im Tresor und wurden von Schuldverschreibungen (Papiergeld) abgelöst. Die Edelmetalle im Tresor haben effektiv (fast) niemanden mehr interessiert. Heute wiederum werden Forderungen auf diese Papierscheine (Giralgeld) zum Bezahlen genutzt, also nur Zahlen elektronisch hin- und hergeschoben. Geht bislang problemlos, oder?

Zitat Holly01 bei querschuesse:

„Geld ist das Mittel zum politischen Zweck.
Es gibt keinen Mangel an Geld.
Es gab nie einen Mangel an Geld.
Es wird nie einen Mangel an Geld geben.
Es gibt aber einen politischen Willen zur Verteilung von Geld.
Das Geldsystem und das politische System sind ein und das gleiche, aber das politische System bedingt selbstverständlich das Geldsystem.“

Diese Aussagen ergeben zusammen mit den obigen Ausführungen hoffentlich Sinn. Wenn mit Geld nicht die „richtigen“ Dinge angestellt werden (d.h. für die große Masse sinnvoll), sondern plutokratische Eliten meinen, es als Machtmittel zu missbrauchen, dann schwindet natürlich das Vertrauen darin. Die Eliten wissen das sehr genau, und inszenieren daher Ablenkungsmanöver. Krieg/Bürgerkrieg war dazu schon immer ein probates Mittel… Wem sich das zu sehr nach VT anhört, http://www.nachdenkseiten.de/?p=20855 die letzten Absätze:

„Außerdem sehen viele nicht, daß die aggressive NATO-Politik den Weg für den dritten Weltkrieg bereitet.

Ist das nicht übertrieben?

Keineswegs. Die Kette Irak, Libyen, Syrien und jetzt Ukraine führt geradewegs dahin. Die USA und Europa stecken in einer tiefen Krise, das macht sie so gefährlich.“

Alternativ auch noch dieser Beitrag.

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Nachtrag: Wenn klar ist, dass „Geld“ keinen intrinsischen Wert besitzt (und diesen auch nie besessen hat), versteht man vielleicht auch die immer wieder aufflackernden Versuche, es an feste „Werte“ wie Gold zu binden. Erneut muss man fragen – wem nützt es?
Eine Wertdeckung über Gold herbeizuführen (also ein „werthaltiges“ Zwischentauschmittel bei Transaktionen nutzen zu können), nutzt zufälligerweise ausschließlich den Gläubigern/Waren- und damit Geldbesitzern. Belastbare Werte in der Tasche zu haben, macht sich eben besser als Vertrauen auf „zukünftig zu erbringende Leistungen“ haben zu müssen. Denn an ein Versprechen fühlt man sich i.d.R. nur so lange gebunden, wie man sich selbst nicht übervorteilt fühlt. So weit geht es dann konsequenterweise mit dem Vertrauen in diesen Kreisen eben doch nicht!

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